
AUDIO: Prozess wegen Untreue: Niedersächsischer Beamter verurteilt (2 Min)
Stand: 22.01.2026 13:06 Uhr
Im Prozess um veruntreute Gelder aus der niedersächsischen Landeskasse hat das Landgericht Braunschweig am Donnerstag einen 42-Jährigen zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Angeklagt war auch seine Ehefrau.
Das Landgericht verurteilte den Mann aus Vechelde (Landkreis Peine) wegen Untreue in einem besonders schweren Fall. Er hatte die Vorwürfe im Prozess eingeräumt. Seine 43-jährige Ehefrau hat das Gericht wegen Geldwäsche zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Auch sie hatte die Vorwürfe im Wesentlichen eingeräumt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren wegen Untreue im besonders schweren Fall für den Mann gefordert. Die Verteidigung des Angeklagten hatte eine Strafe von maximal dreieinhalb Jahren beantragt, für die Ehefrau gab es keinen konkreten Strafantrag der Verteidigung. Beim Strafmaß der 43-Jährigen folgte das Gericht der Staatsanwaltschaft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Revision möglich.
Staatsanwaltschaft: luxuriösen Lebensstil finanziert
Insgesamt rund 1,4 Millionen Euro sollen auf das Privatkonto des Paares geflossen sein. Da einige Taten verjährt sind, ging es in dem Prozess noch um eine Summe von mehr als 860.000 Euro, die zwischen Februar 2019 und Februar 2024 geflossen sei. Der 42-jährige Hauptangeklagte war laut Gericht als Beamter eines Sozialgerichts dafür zuständig, Gelder aus dem Haushalt des Landes Niedersachsen anzuweisen. Dabei ging es um die Vergütung von Anwälten bei der Prozesskostenhilfe. Seine Befugnis habe er ausgenutzt, um Gelder auf das gemeinsame Privatkonto von sich und seiner Partnerin zu überweisen. Laut Staatsanwaltschaft hätten die beiden damit ihren luxuriösen Lebensstil – unter anderem Kreuzfahrten – finanziert.
Süchtig, das Konto zu füllen
In Bezug auf die Frau führte das Gericht aus, sie habe auf die Tatsache, dass statt des Nettoeinkommens von rund 4.000 Euro im Schnitt 13.000 Euro mehr auf dem Gemeinschaftskonto landeten, überhaupt nicht angemessen reagiert. Das Paar soll einen Großteil des Geldes bereits ausgegeben haben. Ihr hauptangeklagter Mann gab an, es habe süchtig gemacht, das Konto zu füllen. Von der Höhe der Summe sei er selbst überrascht und das Auffliegen dann auch irgendwie eine Erleichterung gewesen.
Größter bekannter finanzieller Schaden für Niedersachsen
Laut Gericht nutzte der Angeklagte über neun Jahre sein erhebliches Fachwissen und trat sogar als Fachbuch-Autor auf. Er habe mit krimineller Energie Kontrollmechanismen und sogar deren Verschärfung umgangen. Dabei habe er auch das Vertrauen seiner Kollegen ausgenutzt, so der Richter. Es sei der der größte finanzielle Schaden, der dem Land Niedersachsen aus solchen Fällen je entstanden sei.

Ein Beamter und seine Partnerin sollen jahrelang Gelder des Landes Niedersachsen privat genutzt haben. Heute beginnt der Prozess.