Schauspiel in Eisleben: „Romeo und Julia an der Jukebox“

Was wäre aus Romeo und Julia geworden ohne den elterlichen Zwist, ohne die Missverständnisse und ohne das Messer? Das lässt sich nur schwer vorstellen (weil vermutlich nichts daraus geworden wäre, weil Julia nur eine Lückenbüßerin war, aber das ist eine andere Geschichte). Aber wir wissen, was aus Romeo und Julia vom Süßen See geworden ist, vom Campingplatz in Mansfeld-Südharz. Den Spitznamen hatten sich Klaus und Jacqueline im Sommer 1990 verdient, als sie sich stürmisch ineinander verliebt haben. Doch nun, 35 Jahre später, ist die Romantik vorbei: Das Autohaus von Klaus steht vor der Pleite, Jacqueline arbeitet in einer Arztpraxis und sucht nach ihrer Freiheit in einem Tanzkurs, den sie heimlich nimmt. Dann setzt Klaus alles auf eine Karte und kauft eine Jukebox mit all den Hits aus der Anfangszeit ihrer Beziehung.

Tatsächlich tauchen die beiden in Erinnerungen ab, doch das reicht Jacqueline nicht: „Du willst wieder jung sein, Klaus. Das geht nicht!“, meint sie. Mit ihrem Stück „Romeo und Julia an der Jukebox“ ist dem neuen Eisleber Theaterchef und Regisseur Frank Martin Widmaier und seinem Autor Kai O. Schubert ein grandioser Abend gelungen, meint auch der Kritiker Jörg Müller in der „Mitteldeutschen Zeitung„. Getragen wird die Geschichte von all den Songs, die vor allem im Osten bekannt sind, mit den Puhdys und Karat, doch immer wieder tauchen auch Zitate aus Shakespeares Originaltext auf, die sich wunderbar einfügen. Das Stück setzt ganz auf Humor, verliert dabei aber auch nicht den Tiefgang – immerhin geht es in der Beziehung mit dem „Wessi mit dem Benz“ namens Klaus auch um Fragen der Wiedervereinigung. All das bringen die beiden Schauspieler Annette Baldin und Oliver Beck gekonnt auf die Bühne. 

Weitere Informationen
„Romeo und Julia an der Jukebox“ von Kai O. Schubert

Adresse:
Theater Eisleben
Landwehr 5
06295 Lutherstadt Eisleben

Termine:
7. Februar, 19:30 Uhr

Solo-Abend in Halle: „Shakespeares Narren“ am Neuen Theater

So viele Stücke von William Shakespeare haben ihren festen Platz im Kanon und sind zeitlose Klassiker. Auf fast schon einzigartige Weise gelang es dem Meister von Stratford-upon-Avon (von dort stammte Shakespeare), das Tragische mit dem Komischen zu verbinden. Immer wieder treten bei ihm Narren oder narrenartige Gestalten auf, die nicht einfach nur Witze reißen, sondern als tragische Figuren die Absurditäten der Situation unterstreichen. Der Soloabend „Die ganze Welt ist eine Bühne – Shakespeares Narren“ versucht, zum Kern dieser Figuren vorzudringen.

Der Schauspieler Marian Kindermann tritt auf und beginnt, eine Strichliste zu führen, welche Reaktionen er beim Publikum hervorruft – darin sieht er seinen Erfolg. Anschließend rast er durch die Stücke und Szenen: Da wird die Handwerker-Truppe aus dem „Sommernachtstraum“ beispielsweise zur Theatergruppe, mit deren Kunst Hamlet seinen Vater überführen will. Virtuos wechselt Kindermann die Rollen, ist Christoph Weißermehl in der „FAZ“ begeistert: „Die Komik ergibt sich dabei gleichermaßen aus Pantomime, Slapstick und unerwarteten Verknüpfungen shakespearescher Handlungsstränge. Kindermann hat ein sicheres Gespür, was funktionieren kann und was nicht.“

Weitere Informationen
„Die ganze Welt ist eine Bühne – Shakespeares Narren“
Shakespeare-Abend mit Marian Kindermann

Adresse:
Neues Theater
Große Ulrichstraße 51
06108 Halle (Saale)

Dauer: 70 Minuten, keine Pause

Termine:
1. Februar, 20:15 Uhr
6. Februar, 20:15 Uhr
7. Februar, 20:15 Uhr

Musiktheater in Salzwedel: „Madame Pompadour“ im Kulturhaus

Sie war mehr als nur eine Geliebte: Madame Pompadour wurde an der Seite des französischen Königs Ludwig XV. zu einer der einflussreichsten Frauen des Reiches. Ein Beweis, dass diese Frau eben nicht nur schön, sondern auch bemerkenswert klug war. Die nach ihr benannte Operette von Leo Fall stammt zwar nicht unbedingt aus den Geschichtsbüchern, doch dafür überzeugt die Musik umso mehr. Und vor allem kommt der Kern der Pompadour eben doch zum Tragen: eine starke Frau, die weiß, was sie will und sich nicht vor Veränderungen scheut. Darauf setzt auch die quirlige Inszenierung am Harztheater, die im Februar im Norden von Sachsen-Anhalt gespielt wird. Die bunten Kostüme von Tom Grasshoff erinnern zwar an den Barock-Chic, wirken aber gleichzeitig ganz modern. Doch getragen wird das Stück laut der Kritikerin Renate Petrahn in der „Volksstimme“ vor allem vom Ensemble, die alles aus der Musik rausholen und die Figuren mit viel Liebe zum Detail verkörpern.

Weitere Informationen
„Madame Pompadour“
Operette von Leo Fall

Adresse:
Kulturhaus
Vor dem Neuperver Tor 10
29410 Salzwedel

Dauer: 140 Minuten, eine Pause

Termine:
19. Februar, 19:30 Uhr

Tanztheater in Magdeburg: „Ein Sommernachtstraum“ nach Shakespeare

Die Handlung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ ist wirklich nicht leicht zu fassen: Ein Königspaar, ein verstrittenes Elfenkönigspaar, ein Paar, das sich einfach liebt, dann ein Paar, das unerwidert verliebt ist, und übermütige Handwerker. Das alles wird nochmal mit Liebeszaubern ordentlich durcheinandergewirbelt. Doch für den Magdeburger Ballettchef Jörg Mannes war das noch nicht genug: Bei ihm treten noch zahlreiche Paare aus anderen Shakespeare-Stücken auf. Das klingt unübersichtlich – und die Meisterleistung der Choreografie besteht darin, wie die Ensemblemitglieder immer wieder die Rollen und Konstellationen wechseln.

So entstehen auch immer wieder neue, starke Bilder, die nicht nur die Geschichte erzählen, sondern vor allem die Gefühle der Geschichte beleuchten. Ähnlich geschickt verbindet Mannes zu einer großen musikalischen Bandbreite verschiedene Tanzstile und Akrobatik mit Ballett. „Modern Dance im besten Sinne“, meint MDR KULTUR-Korrespondentin Sandra Meyer nach einem Vorbericht.

Weitere Informationen
„Ein Sommernachtstraum“
Ballett von Jörg Mannes nach William Shakespeare

Adresse:
Opernhaus
Universitätsplatz 9
39104 Magdeburg

Dauer: 120 Minuten, eine Pause

Termine:
1. Februar, 16 Uhr

Figurentheater in Dessau: „Himlet“ im Alten Theater

Wem ist das noch nicht passiert? Man kommt vom Einkaufen mit vollen Tüten zurück und will sich gerade einen Hotdog machen, da fängt man an, Hamlet nachzuspielen, eines der wichtigsten Theaterstücke der westlichen Welt. Aus Hamlet wird schnell Himlet, weil er von einer Himbeere verkörpert wird. Auch die anderen Rollen werden von Lebensmitteln übernommen: der vermeintlich mörderische König von einer Melone, Himlets Freund von einer Dose dänischer roter Grütze und die unglücklich verliebte Freundin von einem Ei. Die beiden Spielenden filmen die Szene, um auch die Details sichtbar zu machen. So entfaltet sich dieser Klassiker in all seiner Pracht und den großen philosophischen Fragen, aber auch mit viel Humor. Der liegt nicht nur in der absurden Besetzung, sondern auch im Einfallsreichtum der beiden Küchenhilfen.

Weitere Informationen
„Himlet“
eine Produktion von Salon Ute

Adresse:
Altes Theater
Lily-Herking-Platz 1
06844 Dessau-Roßlau

Termine:
28. Februar, 18 Uhr

Performance in Halle: „Faust: On Air“ am Neuen Theater

Da sitzen der Gelehrte Faust und der teuflische Geist Mephisto in Sesseln vor Mikrofonen. Die beiden Hauptfiguren aus Goethes Schulkanon-Klassiker sind nun Teil einer Radioshow Doch bald wird ihnen das wieder zu langweilig – so sind die beiden eben – und sie machen sich auf Reisen zwischen Himmel und Hölle. Der Gedanke von „Faust: On Air“ ist es, den Klassiker spannend und verständlich für eine neue Generation zu erzählen. Die Texte sind großzügig überarbeitet, Original-Goethe kommt nur noch vereinzelt vor und Gretchen ist auf Social Media. Solche Ansätze drohen oft, zu scheitern, doch in Halle scheint das Experiment gelungen. Kritiker Joachim Lang zeigt sich in der „Mitteldeutschen Zeitung“ überzeugt vom Unterhaltungswert der Inszenierung. Dabei lobt er sowohl die Schauspielkünste des Ensembles als auch die beeindruckende Ausstattung.

Weitere Informationen
„Faust: On Air“
nach Johann Wolfgang von Goethe

Adresse:
Neues Theater
Große Ulrichstraße 51
06108 Halle (Saale)

Termine:
27. Februar, 20 Uhr

FÜR KURZENTSCHLOSSENE:

Schauspiel in Stendal: „Aus dem Nichts“ nach Fatih Akin

Vor etwas mehr als 20 Jahren explodierte in der Kölner Keupstraße eine Nagelbombe und verletzte 26 Menschen teilweise schwer. Dass die Ermittlungsbehörden ebenso wie bei einer gleichzeitig stattfindenden Mordserie an Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund vor allem Angehörige und Opfer verdächtigten, kann als einer der größten Skandale der jüngeren Polizeigeschichte gelten. Erst als sich die Täter selbst in die Luft sprengten, wurde deutlich, dass die rechtsterroristische Vereinigung NSU hinter allem steckte. Der Bombenanschlag und die mangelhafte Aufarbeitung wurden für den gefragten Filmemacher Fatih Akin zu einer wichtigen Inspiration. Sein Film „Aus dem Nichts“ ist nun in Stendal auch live auf der Bühne zu erleben.

Die Inszenierung folgt dem Drehbuch und erzählt von Katja, die beim Anschlag Mann und Sohn verloren hat. Ohne Erfolg versucht sie, die Behörden auch auf eine verdächtige blonde Frau hinzuweisen, und später muss sie erleben, wie das verantwortliche Neonazi-Pärchen freigesprochen wird. Die Stendaler Produktion kommt dafür mit wenigen Requisiten und einem kargen Bühnenbild aus. Dafür geht das Ensemble umso mehr in den Rollen auf und wird dabei durch Live-Videobilder noch einmal vergrößert – der kalte Blick der breiten Öffentlichkeit. „Das Stück ist eindringlich wie unbequem“, lobt Berit Boetzer in der „Stendaler Volksstimme“ den tiefgründigen Theaterabend. 

Weitere Informationen
„Aus dem Nichts“
nach dem Film von Fatih Akin

Adresse:
Theater der Altmark
Karlstraße 6
39576 Hansestadt Stendal

Termine:
30. Januar, 19:30 Uhr

Figurentheater in Magdeburg: „Gefährliche Liebschaften“ als Solo-Stück

Tatsächlich ist dieses Buch eine ideale Vorlage für spannendes Puppentheater: Immerhin hält in „Gefährliche Liebschaften“ von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos die Marquise de Merteuil alle Fäden in der Hand und spielt mit den Menschen um sich herum wie mit Puppen. Vielleicht wollte Sabine Schramm, ehemalige Chefin der Puppentheatersparte am Theater Altenburg-Gera und amtierende Intendantin am Magdeburger Puppentheater, diesen Briefroman deswegen unbedingt auf die Figurentheater-Bühne bringen. Und sie hat es sich nicht nehmen lassen, dabei auch gleich alle Rollen selbst zu übernehmen.

Mit einem verzierten Kleid und weißer Turmperücke wird sie zur Marquise, die Rache an ihrem Geliebten nehmen will, der sie für eine Jüngere verlassen hat. Sie überzeugt den befreundeten Vicomte de Valmont, die neue Verlobte zu verführen. Im Hintergrund bewegt sich das junge Mädchen über die Bühne, in Briefe vertieft, die sie ihre Unschuld kosten. Die restlichen Figuren werden von großen, schlichten Stoffpuppen verkörpert, die in den Händen von Schramm zu echten Charakteren werden. Angelika Bohn ist in der „Ostthüringer Zeitung“ begeistert: „Virtuos belebt Sabine Schramm diese Puppen, enthüllt ihre Motive, ihre Seele; die Gleichung lautet: Je reduzierter die Puppe desto intensiver die Imagination. So zart und rührend, wie der abgefeimte Valmont und die naive Trouvel in Liebe fallen, bekommt man das sonst nicht zu sehen.“

Weitere Informationen
„Gefährliche Liebschaften“
nach dem Briefroman von Choderlos de Laclos

Adresse:
Puppentheater Magdeburg
Warschauer Straße 25
39104 Magdeburg

Termine:
30. Januar, 20 Uhr
31. Januar, 20 Uhr

Schauspiel in Halle: „Und nächsten Mittwoch“ im Schaufenster

Die Wunde heilt noch: Am 9. Oktober 2019, es war der hohe jüdische Feiertag Jom Kippur, versuchte ein Mann, die Synagoge in Halle zu stürmen, um möglichst viele Gemeindemitglieder zu ermorden – aus Hass und wegen antisemitischer Gesinnung. Der Attentäter kam jedoch nicht durch die geschlossenen Türen des Gotteshauses und so zog er weiter, um in seinem Zorn zwei Menschen zu erschießen, die zufällig seinen Weg kreuzten. Wie erinnert man sich an so einen Tag? Das haben sich die Bühnen Halle am Beginn der neuen Reihe „Erinnern ist Heimat“ gefragt. Für das Stück „Und nächsten Mittwoch?“ hat das Ensemble lange und viel recherchiert, ist in die Geschichte der Stadt eingetaucht und hat mit Menschen gesprochen, die in der Nähe des Tatorts leben, die während des versuchten Mords in der Synagoge waren oder die die später Ermordeten kannten. 

Aus all diesem Material ist ein konzentrierter Abend auf einer kleinen Bühne mit einem kleinen Ensemble entstanden: Immer wieder schlüpfen die drei Schauspielerinnen in andere Rollen, bringen auch eigene Beobachtungen ein. Die Szenen ergeben keine Geschichte, sondern stehen vielmehr nebeneinander. Es sind Gedanken zu einem einschneidenden Ereignis, das immer noch präsent ist, und zu einem Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Eine „kluge, empathische und sehr empfehlenswerte Inszenierung“, meint MDR KULTUR-Kritiker Wolfgang Schilling.

Weitere Informationen
„Und nächsten Mittwoch?“

Adresse:
Schaufenster
Große Ulrichstraße 51
06108 Halle (Saale)

Termine:
24. Januar, 20:15 Uhr