Mehr als 1,5 Millionen Tonnen Rohöl sind seit 1979 aus dem Aitinger Feld an die Oberfläche gepumpt worden. 30 000 Liter pro Jahr sind es derzeit, das entspricht etwa einem Prozent des jährlichen bundesdeutschen Verbrauchs. Das Ölfeld im Augsburger Land gilt als das größte im Voralpenland, und nun soll es noch weiter ausgebeutet werden. Die Firma Oneo will unweit der Gemeinde Großaitingen Probebohrungen starten – der Bund Naturschutz protestiert.

Das bayerische Wirtschaftsministerium hat einen Antrag auf sogenannte bergrechtliche Erlaubnis bereits erteilt, die Probebohrungen sind demnach genehmigt. Oneo betont, dass es sich bei dem Vorhaben nicht um die Erschließung eines neuen Ölfelds handle, sondern die bisherige Bewilligung zur Förderung nicht das gesamte Ausbreitungsgebiet des bereits bekannten Erdölfelds umfasse. Die Aufsuchungserlaubnis „Wertach“ am gleichnamigen Fluss solle helfen, das Ölfeld und seine Ausbeutung besser abzudecken.

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Für den Bund Naturschutz macht dies keinen Unterschied. „Jede neue Förderung liegt über unserem Klimabudget“, kritisiert Kasimir Buhr, Klimareferent des Bunds Naturschutz. Bereits alle bestehenden fossilen Infrastrukturen weltweit reichten aus, um die Klimaziele zu reißen. Das Vorhaben vor den Toren Augsburgs sei rückwärtsgewandt. Anstatt in Bayern nach Öl und Gas zu bohren, argumentieren die Naturschützer, müsse der Ausbau von erneuerbaren Energien vorangetrieben werden.

Auch in Reichling nahe Landsberg am Lech protestieren unter anderem Bund Naturschutz und Greenpeace vehement gegen Pläne eines anderen Unternehmens, dort Gas zu fördern. Die ersten Probebohrungen des Konzerns Genexco haben vergangenes Jahr stattgefunden, der 40 Meter hohe, rot-weiße Bohrturm ist bereits wieder abgebaut. Derzeit werden die Ergebnisse ausgewertet. Erste Erkenntnisse, ob sich in 3400 Metern Tiefe tatsächlich wie vermutet nennenswerte, förderfähige Mengen an Erdgas befinden, könnte es in den nächsten Wochen geben.

Naturschützer demonstrieren nicht nur gegen die beteiligten Konzerne, sie greifen auch die bayerische Politik an, vor allem Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Der Chef der Freien Wähler hat die Bohrungen in Reichling wiederholt verteidigt, er hat auch immer wieder argumentiert, dass er die Gasbohrungen gar nicht verhindern könne, da sie Bundesbergrecht unterliegen. Laut einem Gutachten, das Greenpeace und Bund Naturschutz haben erstellen lassen, macht es sich Aiwanger damit jedoch zu einfach.

Naturschützer greifen Wirtschaftsminister Aiwanger an

Das Gutachten der Anwaltskanzlei Baumann aus Würzburg besagt, dass ein Verbot von Gasbohrungen im bayerischen Landesentwicklungsprogramm verankert werden könnte, das dann bei künftigen Entscheidungen nach dem Bundesbergbaugesetz beachtet werden müsse. „Das Gutachten zeigt klar, dass Wirtschaftsminister Aiwanger einen effektiven Hebel hat, um neue Gasbohrungen in Bayern zu verhindern“, hatte der Leiter des Greenpeace Landesbüros Bayern, Stefan Krug, bei der Vorstellung des Gutachtens argumentiert.

Naturschützer kritisieren auch, dass Bayern die Ausbeutung fossiler Rohstoffe indirekt subventioniert. Die meisten anderen Bundesländer erheben im Gegensatz zu Bayern Förderabgaben. Der Freistaat dagegen verlangt kein Geld, was die Förderung teils überhaupt erst attraktiv machen dürfte.

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Der Bund Naturschutz hat am Donnerstag an der Wertach bei Großaitingen gegen die Ölbohrpläne von Oneo protestiert – dort, wo der Konzern zur Probe bohren darf. Energiereferent Buhr führt auch Sicherheitsbedenken gegen das neue Bohrvorhaben ins Feld. In Landau in Rheinland-Pfalz, dem Sitz von Oneo, gab es vor etwa einem Jahr ein Leck in einer Leitung. Erdöl trat aus. „Wir hoffen natürlich, dass nichts passiert“, sagt Buhr. „Aber mit jeder zusätzlichen Anlage steigt das Risiko, dass etwas schiefläuft.“

Oneo betont, dass es in diesem Jahr zunächst einmal um eine geologische Evaluierung und in der Folge um eine Wirtschaftlichkeitsprüfung des neuen Projekts gehe. Mit Bohrungen, Bohrplatzbau oder Tests wäre frühestens im Jahr 2027 zu rechnen. Dafür müssten jedoch zusätzliche berg-, umwelt- und wasserrechtliche Genehmigungsverfahren angestoßen werden. „Wir gehen davon aus, dass die nach den Ergebnissen der Aufsuchung genutzte Fläche in Wertach nur einen Bruchteil der bewilligten Fläche ausmachen wird“, heißt es in einer Stellungnahme.

Kritik an der Förderung von Erdöl begegnet das Unternehmen mit dem Argument, dass die Energiewende einen „realistischen, verantwortungsvollen Übergang“ brauche, in dem „erneuerbare Energien konsequent ausgebaut werden und unverzichtbare Rohstoffe wie Erdöl übergangsweise noch aus heimischen Quellen genutzt werden“. Oneo arbeite auch selbst mit neuen Konzepten bei der Geothermienutzung, in einem Pilotprojekt habe das Unternehmen zum Beispiel am Standort Landau in der Pfalz eine ehemalige Erdölproduktionsstätte in einen Standort für Photovoltaik umgebaut.