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Samstagabend, Flutlicht, Primetime in Deutschland! Mit dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden prallen zwei Schwergewichte des Fußball-Ostens aufeinander. Zwei Traditionsklubs, die endlich dauerhaft in den zwei obersten Bundesliga-Etagen dabei sein wollen. Während der FCM im vierten Zweitliga-Jahr ist, tut sich Dresden nach dem Aufsteiger erneut schwer, sich dort festzubeißen.

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„Wir wollen uns mittelfristig in der 2. Liga etablieren und auch mal nichts mit dem Abstieg zu tun haben“, sagte SGD-Sportdirektor Sören Gonther (39) bei seiner Vorstellung im Januar. Genau das hat Magdeburg mit vergleichbaren Mitteln geschafft. Doch wie?

Dynamo-Trainer Thomas Stamm (42) meint: „Mit Christian Titz und Otmar Schork hatten sie in entscheidenden Positionen Kontinuität drin. Ihr Scouting war nicht so verkehrt, wenn man sieht, welche Spieler auch immer wieder in Magdeburg auflaufen. Und tja ein gutes Gespür, was Entscheidungen auf gewissen Stellen anbelangt. Es wirkt ruhig und kontinuierlich beim FCM.“

Sören Gonther hat bei Dynamo Dresden viel Arbeit vor sich, aber in kurzer Zeit auch schon einiges bewegt

Sören Gonther hat bei Dynamo Dresden viel Arbeit vor sich, aber in kurzer Zeit auch schon einiges bewegt

Foto: Olaf Rentsch

Dresdens Plan sah eigentlich ähnlich aus. Deshalb wurde mit Stamm frühzeitig bis Sommer 2028 verlängert. Den Hauptunterschied machte allerdings in den letzten Jahren die Qualität in der Sichtung von Neuzugängen aus.

Magdeburg angelte sich Profis, die nach kurzer Zeit für hohe Ablösen verkauft wurden. Für Moritz-Broni Kwarteng, der aus der Vereinslosigkeit kam, kassierte der FCM 1,1 Mio. Euro von Bochum. Daniel Elfadli (ablösefrei aus Aalen, später für 800.000 Euro zum HSV) und Amara Condé (kostenlos aus Essen, für 500.000 Euro zum SC Heerenveen) sind weitere Beispiele.

5,6 Mio. Euro Transfereinnahmen beim FCM

Der prägnanteste Fall ist Martijn Kaars. Für 800.000 Euro vom holländischen Zweitligisten Helmond Sport geholt, spülte der Stürmer mit seinem Wechsel zu Bundesligist St. Pauli nach nur einer Saison 4 Mio. Euro in die Kasse. Voraussetzung für die Entdeckung solcher „Perlen“ war ein gutes Scouting – einerseits in der Regionalliga, aber auch bis ins Ausland.

Der Gewinn aus den genannten Transfers bedeutete in Summe etwa 5,6 Mio. Euro für den FCM. Bei Verkäufen in diesen Größenordnungen steht bei Dynamo seit Spätsommer 2022 ein Strich. Obwohl auch in Magdeburg nicht jede Verpflichtung – man denke nur an das Trainer-Experiment Markus Fiedler (39) – einschlug, schleppte Dresden teils jahrelang teure Missverständnisse wie Jan Shcherbakovski oder Dennis Duah mit sich.

Martijn Kaars erzielte im Hinspiel das 2:1-Siegtor für Magdeburg, wechselte dann für 4 Mio. Euro zu St. Pauli

Martijn Kaars erzielte im Hinspiel das 2:1-Siegtor für Magdeburg, wechselte dann für 4 Mio. Euro zu St. Pauli

Foto: Olaf Rentsch

Doch die Problematik wurde bei den Schwarz-Gelben erkannt. Im Zuge der Freistellung von Ex-Sportdirektor Thomas Brendel (49) war dies an allen Ecken und Enden zu hören. Nachfolger Gonther räumt jetzt im Kader auf. Bei bereits fünf Winter-Neuzugängen sollen nach BILD-Informationen zwei weitere folgen, in der Innenverteidigung und auf dem linken Flügel.

Die zuvor verkorkste Transferpolitik befeuerte hausgemachte Streitigkeiten – und umgekehrt. Logischerweise ist personelle Kontinuität und Ruhe so schwer zu erreichen. Also eine andere Ausgangslage als beim FCM, wo ein Trainerwechsel für den Umschwung reichte.

Gonther krempelt den Kader um

Allerdings ist mit Sören Gonther bei der SGD nun komplett frischer Wind drin, Dynamo Dresden wird wieder umtriebiger und strategischer am Markt wahrgenommen. Dem neuen Sportchef wird zugetraut, die Wende sowohl in der Zusammenstellung des Teams als auch durch eine neue Scoutingstruktur hinzubekommen.

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Bis dahin ist der 1. FC Magdeburg – zumindest heimlich – wohl ein Vorbild für die Sachsen. Ein bisschen Neid ist bei der Anreise vielleicht auch im Gepäck. Aber Samstagabend ist ein guter Moment, den Erzrivalen zu ärgern…