Eine Ära geht zu Ende. Am Mittwoch ist der letzte Kunde durch die Tür zur Löwen-Apotheke geschritten, nun sind Betriebsferien bis zum 31. Januar. Dem Tag, an dem die Apotheke nach fast 30 Jahren ihre Pforten für immer schließt.
„Es war der letzte Tag mit Kundenverkehr. Es war eigenartig und unwirklich“, berichtet Inhaber Wolfgang Biehl. 1997 übernahmen er und seine Frau Petra die Apotheke und machten sich selbstständig. Nun heißt es Abschied nehmen, für ihn, aber auch für die Menschen in Beyenburg. Mit der Löwen-Apotheke hat die letzte Apotheke im Stadtteil geschlossen.
Die Nachricht verbreitete sich rasant und bereits Wochen zuvor haben sich die Menschen von Wolfgang Biehl verabschiedet. Viele kleine Abschiede, die zeigen, wie gern die Beyenburger die Löwen-Apotheke hatten. „Die Kunden kamen mit Karten, mit Briefen, mit Tränen in den Augen“, berichtet Biehl. „Die Menschen waren unheimlich herzlich. Ich war richtiggehend überwältigt.“ Die große Anteilnahme unterstreicht das gute Verhältnis, das Wolfgang Biehl und sein Team in fast drei Jahrzehnten zu ihren Kunden aufgebaut haben.
Dennoch sei es kein leichter Weg gewesen. Anstatt einer 40-Stunden-Woche habe Wolfgang Biehl eher 60 Stunden die Woche gearbeitet, sei an zahlreichen Samstagen im Dienst gewesen, dazu kamen Notdienste. Dabei kommt die Begeisterung für die Materie nicht von ungefähr: Schon seine Eltern waren Apotheker. Aber das Arbeitspensum war für den leidenschaftlichen Apotheker nicht der Grund, den Laden zu schließen. „Ich komme langsam ins Rentenalter“, sagt er. „Und wir hätten eine größere Investition vornehmen müssen, um unsere Computer-Systeme zu erneuern.“ Das Geld dafür hätte die Apotheke in den anderthalb Jahren bis zu seinem Renteneintritt realistisch nicht wieder erwirtschaftet. Daher sei gen Ende 2025 entschieden worden, die Apotheke zu schließen. Einen Nachfolger gibt es nicht. „Die Situation der Apotheken ist nicht rosig“, sagt Biehl. Daher gebe es nun schon seit einigen Jahren das bundesweite Apothekensterben. Drei wesentliche Faktoren sorgen dafür, dass aktuell Sand im Getriebe ist.
Die hohe Arbeitsbelastung
macht Job unattraktiv
„Es ist eine hohe Arbeitsbelastung, vor allem, wenn man selbstständig ist“, erklärt der Apotheker, der ursprünglich aus Bonn stammt. „Dazu kommt die übergeordnete Bürokratie, die viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Zeit, die der eigentlich wichtigen Arbeit fehlt.“ Und darüber hinaus? „Die Vergütung ist nicht gut. Kosten, auch Personalkosten, steigen immer weiter, genauso wie der Arbeitsaufwand.“ Da sei der Weg des selbstständigen Apothekers nicht mehr so attraktiv. Grundsätzlich gebe es noch viele Apotheker, aber: „In einem Angestelltenverhältnis verdienen die im Schnitt 20 Prozent mehr und arbeiten nur 40 Stunden.“ Die Verhältnisse stimmen also nicht. Und doch sind es zahllose kleine Dinge, die die Zeit in und mit der Löwen-Apotheke in Beyenburg besonders gemacht haben. „Wir hatten richtig viel Spaß mit den Kunden und haben immer viel gelacht. Das wird mir fehlen“, sagt Wolfgang Biehl. Das Vertrauen und die persönlichen Bindungen bauten sich über die Jahre und Jahrzehnte auf. „Wir konnten die Kunden in Ruhe beraten, es gab keinen Stress, keine ungeduldigen Schlangen.“
Wolfgang Biehl wird nicht sofort in Rente gehen. „Da ich nicht von 100 auf 0 gehen wollte, arbeite ich noch in der Schwelmer Apotheke zehn Stunden die Woche.“ Das Gebäude gehört seiner Frau Petra, das Ladenlokal wird zunächst leer stehen. Allerdings gebe es bereits Interessenten.