Seit Donnerstag werden die überschüssigen Kartoffeln eines Agrarbetriebes aus Frohburg an sächsische Tafeln verteilt. Insgesamt 100 Tonnen der beliebten Knolle gehen an Bedürftige hierzulande, elf Tafeln in Sachsen werden beliefert. Los ging es am Donnerstagfrüh in Dresden, am Mittag war Leipzig an der Reihe.

Die Erdäpfel stammen von der Osterland-Agrar-Gesellschaft aus Frohburg , die zuvor auf 4.000 Tonnen Kartoffeln sitzengeblieben war. Die Bauern südlich von Leipzig starteten zunächst eine Verteilaktion in Berlin, gemeinsam mit der „Berliner Morgenpost“ und der Inernet-Suchmaschine Ecosia.

Sachsen-Kartoffeln nach Berlin? „Das kann ja nicht sein“

Das rief die Zeitungskollegen in Leipzig auf den Plan: „“Als wir die Nachricht gehört haben, dass in unserem Verbreitungsgebiet Kartoffeln übrig sind und die nach Berlin gehen sollen, da haben wir bei der LVZ gedacht, das kann ja nicht sein, sächsische Kartoffeln sollen doch auch in Sachsen Gutes tun“, erzählt Hannah Suppa, die Chefredakteurin der „Leipziger Volkszeitung“, über den Beginn der Aktion. Auch die „Sächsische Zeitung“ in Dresden wurde ins Boot geholt.

Elf Tafeln im Freistaat beteiligt

Als Abnehmer fanden sich die Tafeln im Freistaat. Der Landesvorsitzende Stephan Trutschler berichtet von „zwei Tagen gefühlter Standleitungen quer durch den Freistaat“, um das Ganze zu organisieren: „Elf Tafeln sind insgesamt mit dabei, das finde ich sehr schön.“ Für ihn ist der Besuch in Leipzig seine letzte Amtshandlung, bevor er den Staffelstab bei den Tafeln übergibt.

Größte Menge geht nach Grimma

Die Mindestmenge bei der Annahme betrage eine Tonne, mit vier Tonnen ginge die höchste Menge nach Grimma. Dort seien genügend große Lagermöglichkeiten vorhanden. „Die große Herausforderung war ja nicht nur, wer will Kartoffeln, sondern wer ist auch in der Lage, so große Mengen abzunehmen und so zu lagern, dass es der Kartoffel nicht schadet“, sagte Hannah Suppa MDR SACHSEN. Die Kosten für Transport und Logistik übernahm in Sachsen die Stiftung „Lichtblick“ der LVZ und der SZ.

In Leipzig hievte ein Gabelstapler große weiße Säcke, die einem überdimensionierten Kopfkissen ähneln, aus dem Anhänger eines großen Lkw. In ihr sind die wertvollen Kartoffeln. Auch Osterland-Geschäftsführer Hans-Joachim von Massow packte beim Ausladen in der Zentrale der Leipziger Tafel in Lindenau mit an: „Viele Bauern haben 2025 eine Rekordernte eingefahren. Wir haben 4.000 Tonnen, die nicht mehr vertraglich gebunden sind, und die wollen wir so nutzen, dass möglichst viele Menschen daran Freude haben.“

Sorte „Agria“ vor allem für Pommes angebaut

Bei der Sorte handele es sich um „Agria, das ist eine sehr universelle Kartoffel, die haben wir angebaut, um daraus Pommes machen zu lassen, aber wir können sie auch sehr gut in den Küchen als Speisekartoffel nutzen.“ Hauptabnehmer seien die Tafeln in Sachsen und Berlin. In die deutsche Hauptstadt würden insgesamt 200 Tonnen fließen, sagte Massow, 100 Tonnen in andere Regionen, ein weiterer Teil geht nach Aussage von Tafel-Chef Trutschler in die Ukraine.