Neue Carolabrücke

Was die Planer von einem Studentenprojekt lernen können

22.01.2026 – 17:46 UhrLesedauer: 2 Min.

Dieser Entwurf konnte die Jury überzeugen: Zu sehen ist der Siegerentwurf ab Freitag in der Ausstellung "Brücken neu denken" im Kulturpalast.Vergrößern des Bildes

Dieser Entwurf konnte die Jury überzeugen: Zu sehen ist der Siegerentwurf in der Ausstellung „Brücken neu denken“ im Kulturpalast. (Quelle: t-online)

Studenten haben einen Entwurf für die Carolabrücke entwickelt – ohne Kostenlimit, dafür mit viel Innovation. Ihr Projekt soll als Maßstab für die reale Vergabe des Bauprojekts dienen.

Vier Planungsbüros arbeiten derzeit am Entwurf für die neue Carolabrücke. In den Teams sitzen erfahrene Ingenieure, Architekten und Verkehrsplaner. Doch der Maßstab für ihre Arbeit soll ausgerechnet ein Projekt von vier Studenten der TU Dresden sein.

Gemeinsam mit der Stadt hatte die Universität einen Wettbewerb ausgerufen. Federführend bei der Organisation war Steffen Marx, Professor für Massivbau an der TU Dresden und einer der führenden Brückenexperten Deutschlands. Der Siegerentwurf „Plan C“ greift laut Marx Dresdens Bogenbrücken-Tradition auf und übersetzt sie ins Moderne. Sein Urteil: „Das ist eine Baseline, unter die sollten die Büros nicht fallen.“

Vor allem begeisterte die Jury, dass die Studenten die Elbwiesen und die Brühlsche Terrasse ganz anders eingebunden haben. Dresdner könnten künftig einen Rundgang über die Brücke zum Neustädter Ufer und zurück über die Augustusbrücke machen. „Wir sollten die Brücke zu mehr machen als nur zur Stadtautobahn, die sie vorher war“, so Marx.

Ein Grund, warum die Entwürfe so innovativ wirken, liegt auch daran, dass die Studenten keine Kostengrenze und weniger Vorschriften bei Spannweite und Elbschifffahrt einhalten mussten. Der echte Wiederaufbau muss zudem schnell gehen und darf keine neuen planungsrechtlichen Konflikte auslösen.

Und trotzdem erwartet Brückenexperte Marx von den Profis ähnlich kreative Vorschläge: „Mit dem Wettbewerb wollen wir den Rahmen öffnen, in dem wir denken dürfen.“ Es brauche eine zeitgemäße Brücke, die dennoch einen Bezug zur Dresdner Stadtgeschichte aufweist. „In Dresden darf keine Standardbrücke entstehen, sondern eine richtig gut gemachte Brücke für diesen Ort.“

Die vier beauftragten Büros haben bis Ende Mai 2026 Zeit für ihre Entwürfe. „Die sogenannte Mehrfachbeauftragung ist nichts anderes als der Fachbegriff für einen Ingenieurswettbewerb“, vereinfacht es Marx. „Es gibt keine Garantie, dass am Ende alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen“, sagt Marx. „Aber bis hierhin hat Dresden wirklich alles richtig gemacht.“