Füchse ziehen immer mehr ins Stuttgarter Stadtgebiet ein. Foto: Shutterstock/Savanking
In Stuttgart leben zahlreiche Wildtiere, die man oftmals gar nicht bemerkt. Vor allem in der Dämmerung wagen sich einige tierische Nachbarn aus ihrem Versteck. Doch welche Wildtiere leben in Stuttgart und Umgebung?
Vom cleveren Waschbären bis zum scheuen Steinmarder: Welche Wildtiere leben in Stuttgart und Umgebung, was fressen sie und wie begegnet man ihnen idealerweise?
Wo leben Füchse in Stuttgart?
In Stuttgart ist vor allem der Rotfuchs ansässig. Die listigen Tiere sind in der Regel zwischen 45 und 90 Zentimetern groß (den Schwanz nicht eingerechnet). Je nach Größe wiegen die Tiere mit rotem Fell zwischen knapp drei und ganzen 14 Kilogramm.
Füchse zieht es zunehmend in städtische Bereiche. Die Tiere sind Allesfresser, weshalb sie sich in der Stadt häufig von Essensresten ernähren. Da Füchse auch Träger von Krankheiten wie Fuchsbandwurm oder Räude sind, steigt das Risiko der Verbreitung der Erreger. Deshalb fordern einige Stimmen die Eindämmung der Fuchspopulation in Städten. Da natürliche Feinde wie Wölfe oder Luchse vielerorts fehlen, findet keine natürliche Regulation der Fuchspopulation statt.
Die Stadt Stuttgart bittet ihre Bürger um Unterstützung bei der Eindämmung der Fuchspopulation. So sollen Gartenbesitzer keine Essensreste auf ihrem Kompost entsorgen. Hunde- und Katzenfutter soll sicher aufbewahrt werden. Auch Mülleimer und Mülltüten sollten an einem für Füchse unzugänglichen Ort abgestellt werden.
Neben Speiseresten stehen auch Mäuse, Ratten, Insekten, Regenwürmer und Früchte auf dem Speiseplan der Füchse.
In Stuttgart kann man Füchse überall dort sehen, wo es Gärten und Hinterhöfe gibt. Auch Parks und kleinere Grünflächen wie Friedhöfe besuchen Füchse gerne. In der Stadt nutzen sie Hecken, Gebüsche, Schuppen und Terrassen als Ruheplätze oder Wurfbauten. Füchse sind in der Regel scheu und meiden Menschen. Das Tier kann man gut aus der Entfernung beobachten. Man sollte es aber auf keinen Fall anlocken oder füttern.
Zu sehen bekommt man die Füchse selten, da sie vorwiegend in den frühen Morgen- oder Abendstunden beziehungsweise in der Nacht unterwegs sind.
Eichhörnchen beobachten in Stuttgart
In Stuttgart ist hauptsächlich das Eurasische Eichhörnchen beheimatet. Es ist in der Regel rotbraun, teils dunkelbraun oder sogar schwarz gefärbt. Die kleinen Tiere werden zwischen 20 und 25 Zentimeter groß. Der buschige Schwanz ist nochmal etwa 15 bis 20 Zentimeter lang. In der Regel wiegen Eichhörnchen zwischen 200 und 400 Gramm. Man findet sie vor allem in Parks und Gärten sowie Wohngebieten mit reichem Baumbestand. In der Wilhelma, im Rosensteinpark oder im Schlossgarten kann man zahlreiche Eichhörnchen entdecken. Auch auf Friedhöfen, wie dem Hoppenlaufriedhof sieht man viele Eichhörnchen an den Bäumen und über Wiesen flitzen.
Ihre Nester, sogenannte Kobel, bauen die kleinen Tiere in Astgabeln oder Baumhöhlen. Auf dem Speiseplan von Eichhörnchen stehen hauptsächlich Nüsse, Samen und Knospen sowie Früchte. Auch Pilze verspeisen sie gelegentlich.
Baumfällungen gefährden den Lebensraum der Eichhörnchen. Auch Katzen oder der Straßenverkehr stellen ein Risiko für die kleinen Säuger dar. Wer ein verwundetes oder krankes Eichhörnchen entdeckt, bekommt Hilfe von der Eichhörnchenhilfe Stuttgart. Die Organisation besteht aus privaten Auffangstationen, die Eichhörnchen aufnehmen, aufpäppeln und wieder auswildern.
Der Feldhase auf Stuttgarts Wiesen und Feldern
Groß und Klein kennen ihn als Osterhasen: der Feldhase mit seinen langen Löffeln und seiner enormen Sprungkraft in den Beinen lebt auch auf Feldern und Äckern rund um Stuttgart. Die putzigen Hasen werden zwischen 40 und 70 Zentimeter groß und können ganze drei Meter weit und zwei Meter hoch springen. In der Regel wiegen die Tiere zwischen drei und sieben Kilogramm. Mit ihren seitlich stehenden Augen können Feldhasen nahezu 360 Grad überblicken. Jedoch sind die Tiere kurzsichtig und sehen insbesondere Bewegungen. Feldhasen sind nachtaktive Tiere, tagsüber verstecken sie sich in einer flachen Mulde, der sogenannten „Sasse“.
Auf dem Speiseplan des Feldhasen steht ausschließlich pflanzliche Nahrung. Besonders gerne frisst er Klatschmohn, Kräuter und Gräser. Ausgewachsene Hasen benötigen täglich zwischen 1300 und 1400 Gramm Nahrung. Seine natürlichen Fressfeinde sind Wildschweine, Füchse, Greifvögel und Rabenvögel.
Durch die Intensivierung der Landwirtschaft verliert der Feldhase zunehmend an Lebensraum und Nahrung. Durch diesen Lebensraumverlust wird der Fellhase gezwungen in dichter besiedelte Gebiete zu ziehen, doch hier ist er der Gefahr des Verkehrs ausgesetzt.
Feldhasen werden in allen Stuttgarter Stadtbezirken beobachtet. Besonders häufig sieht man sie im Rosensteinpark, im Schlossgarten und rund um den Schlossplatz. Auch in Vaihingen an der Uni sieht man Feldhasen hoppeln. Auch Hasen sind scheue Tiere, die durch Tarnung überleben. Deshalb sollten Menschen Abstand halten, wenn sie Feldhasen sehen.
Wildkaninchen hoppeln in Stuttgart
Neben Feldhasen leben in Stuttgart auch Wildkaninchen. Im Durchschnitt werden die kleinen Säugetiere um die 42 Zentimeter groß. Sie wiegen zwischen einem und zweieinhalb Kilogramm. Auch sie sind dämmerungs- und nachtaktiv und leben meist in Kolonien aus sechs bis zwölf Tieren. Auch Wildkaninchen sind Pflanzenfresser und ernähren sich von Kräutern und Süßgräsern sowie Kulturpflanzen wie Getreide und Karotten. Im Winter fressen sie auch Rinde und Wurzeln von Bäumen sowie Knospen.
Rehe in Stuttgart entdecken
Ein Reh erreicht in der Regel eine Schulterhöhe zwischen 54 und 84 Zentimetern und eine Körperlänge von 1,20 Metern. Weibliche Ricken wiegen in der Regel zwischen zehn und 20 Kilogramm, während männliche Böcke häufig 15 bis 32 Kilo schwer werden.
Rehe leben in Stuttgart in Waldrandzonen, Parkanlagen und Gärten. Vorwiegend leben sie in Misch- und Laubwäldern. In der Regel begegnet man ihnen in den frühen Morgen- und Abendstunden an Waldrändern, wie in Feuerbach, Heslach oder auf der Waldebene Ost. Wer Rehe und Hirsche im Raum Stuttgart beobachten möchte, kann einen Ausflug in den Rot- und Schwarzwildpark im Westen Stuttgarts machen. Im Favoritepark in Ludwigsburg kann man bei einem Spaziergang auch freilebende Hirsche und Rehe entdecken.
Rehe kann man still aus der Ferne beobachten, ohne sie zu rufen oder zu füttern. Den Tieren sollte immer ein möglicher Fluchtweg offenstehen. Sind die Tiere unerwartet zutraulich oder erscheinen krank, sollte man Abstand halten und die Forstbehörde kontaktieren.
Waschbären: Kleine Bären mit schwarzer Maske
Waschbären stammen ursprünglich aus Nordamerika, sind jedoch mittlerweile auch in Deutschland anzutreffen. Sie gehören zu der Familie der Kleinbären. Waschbären werden zwischen 40 und 70 Zentimeter groß und wiegen in der Regel zwischen 3,5 und neun Kilogramm. Am liebsten leben sie in Wäldern mit Gewässern, sie sind jedoch sehr anpassungsfähig, weshalb sie sich auch in Städten sehr wohl fühlen. Hier suchen sie in Mülltonnen, Gärten und auf Komposthäufen nach Nahrung.
Waschbären sind dämmerungs- und nachtaktiv, schlafen tagsüber in Baumhöhlen, auf Dachböden oder in alten Dachshöhlen. Häufig leben sie in Kleingruppen. Sie sind Allesfresser, bevorzugen Fische, Krebse, Insekten, Mäuse, Würmer, Vogeleier aber auch Nüsse, Früchte oder Getreide.
Wer Waschbären beobachten möchte, trifft diese am ehesten abends und nachts an. Typische Orte zum Beobachten sind die Uferbereiche am Neckar und rund um den Max-Eyth-See. Auch in Wald- und Parkgebieten fühlen sie sich wohl. Im Winter sind sie kaum zu beobachten, da sie Winterruhe halten.
Steinmarder leben in Stuttgarts Schatten
Steinmarder werden zwischen 38 und 59 Zentimeter groß, der Schwanz kann nochmals zwischen 20 und 30 Zentimeter lang sein. Marder wiegen in der Regel zwischen 1300 und 1700 Gramm. Steinmarder leben als Einzelgänger und sind dämmerungs- und nachtaktiv. In Städten nutzen sie vor allem Dachböden, Garagen, Scheunen, Schuppen oder auch Holzstapel. Sie meiden häufig offene Flächen und halten sich gerne im Schatten von Hecken, Mauern und Gebüschen auf.
Die Tiere sind Allesfresser, ernähren sich im Sommer und Herbst hauptsächlich von pflanzlicher Kost und im Winter von Aas und Fallwild. Auch Mäuse, Ratten, Vögel und Regenwürmer stehen auf dem Speiseplan von Mardern. In der Stadt fressen sie auch Tauben und deren Eier.
Der gebietsfremde Marderhund kommt nach Stuttgart
Wenn auch in Stuttgart selten anzutreffen, gibt es in der Region freilebende Marderhunde. Das Tier stammt ursprünglich aus Asien und breitet sich auch in Baden-Württemberg aus. Dafür sucht der Marderhund feuchte Gebiete und dichte Wälder auf. Auch dieses Tier ist nachaktiv und tritt meist in der Dämmerung oder der Nacht auf. Die Tiere werden zwischen 50 und 70 Zentimetern groß (den Schwanz nicht eingerechnet). Sie wiegen in der Regel zwischen 3,5 und neun Kilogramm und leben häufig als Einzelgänger oder in Paaren.
Marderhunde ernähren sich überwiegend von Kleinsäugern wie Mäusen oder Maulwürfen, Vögeln und deren Eiern, von Fischen und Fröschen, Insekten und Schnecken. Als pflanzliche Kost fressen sie gerne Nüsse, Obst, Beeren, Eicheln und Samen.
Auch Marderhunde sollte man aus sicherer Entfernung beobachten, ohne sie anzulocken oder zu füttern. Ist ein Marderhund zutraulich, flieht nicht oder scheint aggressiv, sollte man sich fernhalten und die Polizei oder die Jagdbehörden rufen.
Wildschweine im Schwarzwildpark beobachten
Wildschweine leben in Mischwäldern und an Waldrändern rund um Stuttgart, beispielsweise im Schönbuch, am Uhlberg oder auch in den Killesberg-Anlagen. In Städten nutzen sie Parks, Wiesen und auch Kleingärten, die ein reiches Nahrungsangebot bieten. Häufig werden die Wildtiere in Botnang, Heslach, Dürrlewang oder Stuttgart-Süd gesichtet. Der wachsende Bestand in Stadtgebieten ist in der Regel unerwünscht, da Wildschweine auch Angriffe auf Menschen ausüben.
Im Stuttgarter Westen finden Tierfreunde das Schwarzwild- und Rotwildgehege. Hier kann man Wildschweine beobachten. Wer Glück hat, sieht im Frühjahr auch Frischlinge.
Wildschweine sind Allesfresser. Häufig finden sie Wurzeln, Gräser und Nüsse, Feldfrüchte und verspeisen diese. Auch Insekten, Würmer, Schnecken, Vogeleier oder sogar Aas wird verspeist. So kommen Wildschweine auf ein stattliches Gewicht von bis zu 200 Kilogramm. Ein erwachsener Eber wird zwischen 90 Zentimeter und zwei Meter groß.
Begegnet man einem Wildschwein, sollte man dringend auf Abstand gehen. Ist man dem Tier zu nah, sollte man sich groß machen und es durch Klatschen abschrecken. Dabei sollte man sich vorsichtig zurückziehen und auf Warnsignale wie Schnauben, Zähneklappern oder einen aufgestellten Schwanz achten.
Dachse leben in Stuttgart
Dachse werden bis zu 80 Zentimeter groß und 17 Kilo schwer. Damit ist er der größte Vertreter der Marderfamilie. Obwohl das Raubtier etwas plump erscheint, ist er sowohl wendig als auch wehrhaft. Der Dachs lebt in Wäldern und wird überwiegend in der Nacht aktiv. Er trägt auch den Spitznamen „Erdmarder“, da er sein Leben größtenteils unter Tage verbringt in Erdbauten. Hier werden die Tage verschlafen, bevor man in der Dämmerung und Nacht auf Futtersuche geht. Der Dachs ernährt sich von Baumfrüchten, Feldfrüchten, Kleinvögeln, Vogeleiern und Kleinsäugern. Dachse leben in Familien, die einem Wolfsrudel gleichen.
Dachse kommen dort vor, wo sie ausreichend Nahrung finden. Im Hinblick auf Nahrung sind sie jedoch flexibel, weshalb sie ihr Territorium nach Bodenbeschaffenheit aussuchen. Sie bevorzugen hügelige und dicht bewachsene Landschaften mit Laub- und Mischwäldern. In Stuttgart leben sie beispielsweise am Schönbuch oder in städtischen Grünanlagen wie am Killesberg oder um den Fernsehturm.
Sieht man einen Dachs, sollte man ruhig bleiben und Abstand halten. Geht man langsam weiter, sollte der Dachs nicht angreifen oder folgen. Bei zutraulichem, krankem oder aggressivem Verhalten sollte man die Polizei und die zuständigen Behörden kontaktieren.
Nutria leben an Gewässern
Nutria, auch Sumpfbiber genannt, sind eher im Umland zu finden. Sie leben entlang von Flüssen und Bächen, beispielsweise im Neckartal oder an kleineren Gewässern in der Umgebung. Vereinzelt wurden Nutria auch in Stuttgart gemeldet, nachdem sie am Neckar-Ufer oder Parkgewässern gesichtet wurden. Da der Sumpfbiber Deiche und Uferböschungen mit Tunneln untergräbt, zählt er als problematische und invasive Art. Besonders in wirtschaftlich genutzten Zonen wird die steigende Population zum Problem.
Nutria werden bis zu 52 Zentimeter groß und zwischen vier und neun Kilo schwer. Verwandt sind die Tiere weder mit dem Biber noch mit Ratten, sondern mit Meerschweinchen. Sie sind hauptsächlich Vegetarier, die sich von Wasser- und Uferpflanzen, sowie Wurzeln, Blättern und Rinde ernähren. Gelegentlich fressen sie auch Schnecken oder Muscheln.