Vor zehn Jahren beschloss der Bundestag den Wiederaufbau von Schinkels Bauakademie, aber Gegner des Projektes blockierten die Umsetzung. Jetzt haben sich Bund und Berlin endlich geeinigt: Der Neubau muss die historischen Fassaden erhalten.
Nie war die äußerliche Rekonstruktion der Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel greifbarer als in dieser Woche. Nach Jahren des Verzögerns und Blockierens durch Anhänger einer „modernen Interpretation“ haben sich Berlin und der Bund darauf geeinigt, beim Wettbewerb für den Wiederaufbau des ikonischen Gebäudes die Rekonstruktion der historischen Fassaden als „maßgebliches Leitbild“ festzulegen.
Endlich könnte die Mitte Berlins also jenen wichtigen Schlussstein erhalten, der bisher fehlt. Die 1836 vollendete Bauakademie gegenüber dem Berliner Schloss war mit ihren vier identischen Fassaden ohne Mittelachse ein frühmodernes Gebäude, das großen Einfluss auf die Entwicklung der Architektur hatte – bis hin zur sogenannten Chicago School und deren Hochhäusern. Schinkels „roter Kasten“ wird in nahezu jeder internationalen Baugeschichte erwähnt. Kein zeitgenössischer Entwurf könnte eine solche Bedeutung erlangen.
Mit dem jüngsten Beschluss geht ein Projekt auf die Zielgerade, das schon längst hätte fertig sein müssen. Schon 2016 beschloss der Deutsche Bundestag die Wiedererrichtung und stellte dafür 62 Millionen Euro bereit. 2019 wurde die Bundesstiftung Bauakademie gegründet. Im Sommer 2022 ergab eine repräsentative Umfrage von Forsa, dass 67 Prozent der befragten Bundesbürger für eine äußerlich originalgetreue Rekonstruktion des Schinkel-Entwurfs sind.
Doch es blieb umstritten, wie eng sich der Neubau am Original orientieren sollte: Dürfen die Architekten das Werk Schinkels „zeitgenössisch interpretieren“ – oder wird die exakte Kopie der einstigen Fassaden zur Vorgabe gemacht? Besonders die Bundesstiftung Bauakademie, die doch gegründet worden war, um den Bundestagsbeschluss umzusetzen, hatte in einem jahrelangen Palaver die Idee eines avantgardistischen Gebäudes verfolgt.
Wenn Schinkels Spätwerk nun tatsächlich in der historischen Gestalt zurückkehrt, vollendet sich ein staunenswertes Wiederaufbauwerk, das schon zu DDR-Zeiten begann. Die Sozialisten rekonstruierten nach dem Zweiten Weltkrieg viele schwer getroffene Gebäude: das Alte Museum, das Zeughaus, die Neue Wache, das Forum Fridericianum mit Opernhaus und Prinzessinnenpalais, den Berliner Dom. Das Kronprinzenpalais, dessen Ruine abgetragen worden war, musste sogar aus dem Nichts rekonstruiert werden. Nach dem Fall der Mauer kehrte das Kommandantenhaus zu Beginn der Linden zurück, schließlich die alles dominierende Gestalt des Berliner Schlosses. Man sollte sich einmal vorstellen, alle diese Gebäude wären im jeweils aktuellen Zeitstil neu errichtet worden. Dann wird klar, welch glückliche Hand die Verantwortlichen hier durch die Zeiten und politischen Systeme hinweg bewiesen haben.
Es bleibt eine Fehlentscheidung, dass zwischen Berliner Schloss und Bauakademie künftig die Volksbelustigung der „Einheits-Wippe“ stehen wird, die an die Friedliche Revolution von 1989 erinnern soll. Die Zeit wird zeigen, ob sie wirklich dauerhaft dort stehen bleibt.