64 000 Euro soll das externe Gutachten kosten, das das Ausländeramt genauer unter die Lupe nimmt. Erstellen soll es die „Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement“ (KGSt). Am Montag sollen die Politiker im Stadtrat offiziell den Auftrag erteilen. Eine Menge Arbeit wurde aber auch schon in der Behörde selbst geleistet.

Der Anstoß zu der externen Untersuchung kam im Juli 2025. Nach einem Antrag von SPD und CDU beauftragte der Rat die Stadtverwaltung, eine solche Untersuchung in die Wege zu leiten. Vorausgegangen waren anhaltende Diskussionen übers Ausländeramt: Mitarbeiter seien schwer erreichbar, die Bearbeitung der Anliegen dauere lange.

Unabhängig von der Untersuchung wurde 2025 auch der Stellenplan für die Ausländerbehörde weiter aufgestockt: In 60 zusätzliche Stellen für die Stadtverwaltung waren 13 für das Ausländeramt. Die Besetzung ist erfolgt, die neuen Mitarbeiter werden ab Februar ihre Stellen antreten, müssen aber noch eingearbeitet werden.

Für die externe Untersuchung hat die Verwaltung den Auftrag der Politik konkretisiert auf die Bereiche Einbürgerung, Rückkehrmanagement und Fachkräftezuwanderung. Und Vorgespräche mit der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) geführt. Diese ist ein Fachverband für kommunales Management, der Kommunen berät. Weil Wuppertal Mitglied ist, kann der Auftrag ohne Ausschreibung vergeben werden. Die KGSt hat nun ein Angebot gemacht.

In einer ersten Phase will die KGSt die Organisation des Ausländeramts analysieren, Empfehlungen zu kurzfristig umsetzbaren Optimierungen („Quick Wins“) geben und darstellen, welche Aspekte eine vertiefte Untersuchung brauchen. Nicht untersucht werden soll in dieser Phase der Stellenbedarf. Dieser oder vertiefte Untersuchungen könnten Gegenstand einer zweiten Phase sein, über die der Rat neu entscheiden müsste und die zusätzliches Geld kosten würde. Für die erste Phase sind 64 000 Euro bereitgestellt. Bei einem positiven Beschluss am Montag will die KGSt im März beginnen, das Projekt soll vier Monate dauern. Die Verwaltung will die Politik im zweiten Halbjahr über die Ergebnisse informieren.

Mit der Beschlussvorlage legt die Stadtverwaltung zudem einen Bericht zum Ausländeramt vor, der auf 19 Seiten die aktuelle Situation, bereits umgesetzte und noch geplante Maßnahmen darstellt. Denn mit Übernahme der Leitung des Ressorts Zuwanderung und Integration 2022 hat Suna Lenz schon Maßnahmen auf den Weg gebracht. Schon kurz nach ihrem Antritt hatte sie erklärt, über weitere Stellen zu verhandeln und die Organisation zu optimieren.

Was seither passiert ist, listet der Bericht auf: Das Ausländeramt wurde umstrukturiert, Teams zusammengelegt, andere aufgeteilt, das Team Einbürgerung zu einem Sachgebiet mit drei Teams ausgebaut. Organisatorische Aufgaben wie Stellenbesetzungen, Optimierung von Abläufen, Vergabeverfahren, IT-Betreuung oder Arbeitssicherheit wurden aus den Fachbereichen in eine zentrale Steuerung zusammengeführt.

Wissensmanagement, Digitalisierung und Kennzahlen

Die Digitalisierung der Akten ist erfolgt, jetzt geht es um Digitalisierung von Abläufen und der Kommunikation mit den Kunden, etwa durch Kontaktformulare und erste Möglichkeiten, Anträge digital zu stellen. An einem Chatbot wird gearbeitet. Ein Online-Termintool könnte bald starten. Wegen der hohen Fluktuation und des Fachkräftemangels wurden Konzepte entwickelt, Wissen weiterzugeben, neue Fachkräfte einzuarbeiten, Gesetzesänderungen zu vermitteln, etwa mit Checklisten, Leitfäden und Online-Tools.

Für die Kommunikation wurden klare Regeln eingeführt, damit Informationen sowohl intern als auch bei den Antragstellern ankommen, etwa, wie mit dringenden Fällen wie drohendem Arbeitsplatzverlust umgegangen wird. Es gibt umfangreiche Angaben auf der Homepage, regelmäßige interne Besprechungen und Berichte.

Derzeit wird daran gearbeitet, Kennzahlen zu erfassen, um die Leistungsfähigkeit beurteilen und Ziele formulieren zu können. Ein ressorteigenes „Dashboard“ (digitale Übersichtsgrafik) zu strategischen Themen, um Krisentendenzen früh zu erkennen, ist in Arbeit.

Einige Zahlen am Ende des Berichts machen die Problemstellen deutlich. Die Zahl der Menschen ohne Pass in Wuppertal hat sich seit 2010 von 47 000 auf 95 000 verdoppelt, unerledigt sind aktuell fast 17 000 Anträge auf Aufenthaltserlaubnis, 12 000 Anträge auf Einbürgerung. Zur Einbürgerung laufen 400 Klageverfahren. Im Vergleich zu anderen Städten hat Wuppertal ein schlechtes Verhältnis von Mitarbeitern und Kunden: In Köln betreut ein Mitarbeiter 523 Menschen, in Wuppertal sind es 941.

Der Bericht solle den Ausgangspunkt für die Untersuchung der KGSt markieren, so sei nicht nur eine Bestandsaufnahme möglich, sondern auch eine Überprüfung der Maßnahmen, heißt es in dem Bericht. Das erklärt auch Sozialdezernentin Annette Berg: „Wir glauben, dass wir mit der KGSt noch mal einen Blick von außen bekommen und noch weitere Optimierungsmöglichkeiten finden.“ Sie verweist auf schon Erreichtes, unter anderem die 13 zusätzlichen Stellen. Auch die Möglichkeit, Anträge online stellen zu können, sei ein wichtiger Schritt – wenn das auch nicht helfe, den Rückstau aufzuarbeiten.

Arif Izgi (SPD), Vorsitzender des Integrationsausschusses des Stadtrats, ist positiv überrascht von dem Bericht: „Dass sich ein Amt selbst so engagiert, die Abläufe zu verbessern, das ist nicht üblich, deshalb lobe ich das sehr.“ Das sei „ein guter Ausgangspunkt für die Untersuchung“. Diese werde der Integrationsausschuss begleiten. Er ist zuversichtlich: „Wir werden einen Weg finden, dass das Amt besser funktioniert.“