Miro Schluroff freut sich über sienen Treffer

Stand: 23.01.2026 11:24 Uhr

Deutschland hält bei der Handball-Europameisterschaft weiter Kurs aufs Halbfinale – auch weil die Gegner einfach nicht wissen, wer aus dem Team von Alfred Gislason jeweils über sich hinauswächst.


Christian Hornung

Beim Auftaktsieg gegen Österreich war es Johannes Golla, gegen Spanien glänzte vor allem Renars Uscins und jetzt beim ersten Sieg in der Hauptrunde gegen Portugal überragte Miro Schluroff. Das Kuriose: Der Matchwinner beim 32:20 mit sieben Toren bei acht Versuchen war in der kompletten ersten Hälfte überhaupt kein Faktor gewesen, saß ausschließlich auf der Bank. Alle seine Treffer erzielte er also im zweiten Durchgang.

Norwegen hat ein Problem

Genau das könnte nun für den nächsten Gegner Norwegen am Samstagabend (24.01.2026, 20.30 Uhr/Live im Audiostream bei sportschau.de) das große Problem werden. Wundertüte Deutschland – im DHB-Team kann an jedem Tag in Dänemark ein anderer der „Go-to-guy“ sein, also der, der plötzlich die Sache in die Hand nimmt.

Während es bei den Portugiesen in erster Linie die Costa-Brüder zu kontrollieren gilt, sich bei den Dänen viel auf Mathias Gidsel und Simon Pytlick oder bei Norwegen auf August Pedersen oder Superstar Sander Sagosen konzentriert, sind bei den Deutschen neben Golla, Uscins oder Schluroff auch noch viele andere Lage, der X-Faktor zu werden.

Zerbe schon bei 17 Turniertoren

Das gilt auch für einzelne Phasen in den Partien. Zu Beginn gegen Portugal hatte Nils Lichtlein einen Top-Lauf, zwischendurch glänzten die im DHB-Team oft vernachlässigten Außenspieler Lukas Mertens und Lukas Zerbe. Auch Uscins war zur Stelle, als er gebraucht wurde – vor allem mit seinen drei entscheidenden Treffern in den letzten zweieinhalb Minuten.

In den drei Vorrundenspielen explodierten zwischenzeitlich auch mal Julian Köster, Juri Knorr, Justus Fischer, Lukas Mertens und Lukas Zerbe, der immerhin schon 17 Turniertreffer erzielt hat und damit gemeinsam mit Schluroff hinter Uscins (24) auf Rang zwei unter den Deutschen liegt. Im internationalen Vergleich liegt Uscins aber nur auf dem geteilten 10. Platz.

Breite zu spät genutzt – Kritik von Hanning

Über diese Breite des deutschen Kaders hatte es vor und während der EM heiße Diskussionen gegeben. Gislason und Keeper Andreas Wolff sprachen in Bezug auf die Ausgeglichenheit von der „besten Nationalmannschaft“, seit die beiden Trainer und Torwart dieser Auswahl sind.

Doch als Gislason durch seine Coachingfehler die Partie gegen Serbien in den Sand setzte (27:30), kritisierte der in der Handballszene traditionell wortgewaltige und aktuelle Italien-Trainer Bob Hanning Gislason scharf: „Was nützt die Breite des Kaders, wenn der Trainer sie nicht nutzt?“

Lichtlein: „Haben alle das Zeug, ein Spiel zu formen“

Seit dem letzten Gruppenspiel gegen Spanien nutzt er sie konsequent. Nils Lichtlein sagt über die „Mystery Box Deutschland“ zur Sportschau: „Ich würde sagen, dass wir alle das Zeug dazu haben, ein Spiel zu formen und zu leiten.“

In Bezug auf Norwegen und die weiteren Gegner sagt der Spielmacher: „Das kann natürlich den großen Vorteil haben, dass man sich nicht so auf die Leute vorbereitet, die dann von der Bank kommen.“ Er mahnt aber auch: „Das kann den Nachteil haben, dass man sich dann auch mal aus der Verantwortung zieht. Aber das hoffe ich natürlich nicht. Auf jeden Fall würde ich als Gegner sehr ungern gegen Deutschland spielen.“

Fischer über die „Mystery Box“

Justus Fischer kommentierte in der ARD gewohnt launig: „Mystery Box? Jein… Wenn wir 60 Minuten unseren Stiefel runterspielen, weiß ich schon, was ich kriege – das ist dann Handball auf Weltklasse-Niveau. Aber zu dem Punkt müssen wir halt kommen und das ist dann diese Mystery Box – dass wir das noch nicht so richtig konstant hinbekommen haben.“

Keeper Andreas Wollf fasst das Phänomen übrigens so zusammen: „Unsere große Stärke ist, dass wir unberechenbar sind und jeden überraschen können. Manchmal aber auch uns selbst.“