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Minneapolis/New York – Diese Aufnahmen sorgen erneut für Aufruhr in den USA: Ein kleiner Junge steht mit Spiderman-Rucksack und blauer Bommelmütze vor einem schwarzen Pick-up. Ein schwarz gekleideter Mann im Hintergrund hält ihn an seinem Rucksack fest. Der Junge, Liam Conejo Ramos, ist fünf Jahre alt. Die Aufnahmen sollen ihn bei seiner Festnahme in Minneapolis (Minnesota) durch ICE-Beamte zeigen. ICE ist das umstrittene Abschiebe-Kommando von US-Präsident Donald Trump (79).

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Die Leiterin des Schulbezirks Columbia Heights hat Liams Festnahme bestätigt. Der Junge soll am Dienstag gerade mit seinem Vater vom Kindergarten nach Hause zurückgekehrt sein, als die Beamten auftauchten. Der Vater soll zu Fuß geflohen sein. Liam hingegen blieb zurück. Das Heimatschutzministerium (DHS) erklärte, ein Beamter habe „zu seiner Sicherheit“ bei dem Jungen gestanden. Ein weiterer Erwachsener im Haushalt soll gefleht haben, den Fünfjährigen bei ihm zu lassen. Doch die ICE-Beamten lehnten wohl ab. Der Vater wurde gefasst und soll zusammen mit Liam in ein Abschiebezentrum nach Texas gebracht worden sein.

Die Festnahme des Fünfjährigen nur wenige Wochen nach dem tödlichen Schuss eines ICE-Beamten auf die dreifache Mutter Renée Good (†37) befeuert den Unmut der Amerikaner über die Praxis von Trumps neuer Abschiebebehörde. Seit Wochen gibt es Proteste.

ICE-Beamte stehen neben einem Jungen, den ein Zeuge als den fünfjährigen Liam Conejo Ramos identifizierte. Schulangaben zufolge wurde er am 20. Januar 2026 in Minneapolis, Minnesota, zusammen mit seinem Vater von Einwanderungsbeamten festgenommen

Vermummte Beamte stehen neben dem fünfjährigen Liam, sollen ihn und seinen Vater festgenommen haben. Die Leiterin des Schulbezirks Columbia Heights bestätigte den Vorfall

Foto: Rachel James/ Rachel James via REUTERS

„Warum nimmt man ein fünfjähriges Kind fest?“

Laut Heimatschutzbehörde sei es gängige Praxis, Eltern zu fragen, ob sie gemeinsam mit ihren Kindern abgeschoben werden wollen. Andernfalls würden Kinder an eine „sichere Bezugsperson“ übergeben. Der Anwalt der Familie, Marc Prokosch, bestätigte lediglich, dass ein Asylantrag läuft. Schulbezirksleiterin Zena Stenvik zeigte sich fassungslos: „Warum nimmt man ein fünfjähriges Kind fest?“

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Mit täglichen Verhaftungswellen in den „Twin Cities“ Minneapolis und Saint Paul häufen sich Berichte über harte Einsätze. Menschen werden aus Wohnungen und Autos gezerrt. Kritiker sprechen von wahllos wirkenden Festnahmen aufgrund von Hautfarbe oder Akzent. In sozialen Netzwerken kursieren Videos, die zeigen, wie Beamte Demonstranten Pfefferspray ins Gesicht sprühen.

Grenzschutz-Chef wirft selbst Rauchkanister

Auf X war zuletzt sogar der gefürchtete Border-Patrol-Chef Gregory Bovino (57) selbst zu sehen, wie er einen Rauchkanister in eine Menschenmenge wirft. Bei einer Pressekonferenz verteidigte Bovino das harte Vorgehen von ICE und Grenzschutz. Er verwies auf Vorstrafen vieler Festgenommener und erklärte, man hole „die Schlimmsten der Schlimmsten“ von der Straße.

Border-Patrol-Kommandeur Gregory Bovino hält ein Blatt Papier mit einer Darstellung der Verhaftung eines Mannes hoch: „Die Schlimmsten der Schlimmen“

Border-Patrol-Kommandeur Gregory Bovino hält bei einer Pressekonferenz am Donnerstag Fotos hoch, die die Festnahme eines Mannes zeigen: „Die Schlimmsten der Schlimmsten“

Foto: STEPHEN MATUREN/Getty Images via AFP

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Doch auch Aktionen der Anti-ICE-Bewegung sorgen für Kritik. Aktivisten stürmten eine Kirche und unterbrachen eine Messe – aus Protest gegen den Pastor, der zugleich ICE-Aufseher ist. Das FBI nahm inzwischen zwei Beteiligte fest.

Mehrheit der US-Wähler gegen ICE-Taktiken

Die Eskalation hat längst bundespolitische Dimensionen erreicht. Laut einer Quinnipiac-Umfrage lehnen 57 Prozent der US-Wähler die ICE-Offensiven ab. US-Präsident Donald Trump verteidigt den Kurs dennoch: „ICE macht seinen Job. Wir werden diese Einsätze nicht stoppen.“

Lage in Minneapolis eskaliert: Trump droht mit Militäreinsatz

Quelle: Reuters16.01.2026

Zuletzt wurde sogar der Einsatz von 1500 Soldaten des in Alaska stationierten 11. US-Luftlanderegiments zur Unterstützung der Bundesbeamten erwogen – ebenso die Verlegung von Militärpolizisten aus North Carolina nach Minneapolis. Die Zeichen stehen weiter auf Eskalation.