Nach den Ende vergangenen Jahres laut gewordenen Vorwürfen im Seniorenheim Collegium 2000 in Kirchheim bei München hat die Gemeinde nun Veränderungen angekündigt, um wieder Ruhe in das kommunale Unternehmen zu bringen. Eine externe Geschäftsführung soll das Seniorenheim mit seinen 64 Pflegeplätzen sowie einer Tagespflege vorübergehend übernehmen und wirtschaftlich wie personell stabilisieren.
Es handelt sich dabei um die Firma Schwan und Partner aus Oberhaching, die sich auf die Beratung und Betreuung sozialer Einrichtungen spezialisiert hat. Das Beratungsunternehmen bietet Kommunen wie auch privaten oder gemeinnützigen Trägern seit 30 Jahren Unterstützung beim Betrieb von Altenhilfe- und Behinderteneinrichtungen an. Nach eigenen Angaben betreuen Schwan und Partner derzeit mehr als 100 Träger mit etwa 25 000 Bewohnerplätzen. In der Region hat das Unternehmen unter anderem die Geschäftsführung des kommunalen Maria-Stadler-Hauses in Haar sowie die des gemeindlichen Rudolf-und-Maria-Gunst-Hauses in Gräfelfing inne.
Das Kirchheimer Seniorenheim war in die Kritik geraten, weil Angehörige und Personal die Auswirkungen des Anfang 2025 umgesetzten Sparkurses beklagten. Es war von chaotischen Zuständen, häufig wechselnden Zeitarbeitskräften und überlastetem Stammpersonal die Rede.
Die bisherige Geschäftsführerin des Collegium 2000, die das Haus im September 2024 übernommen hatte, hat ihren ursprünglich bis Ende 2026 laufenden Vertrag nun vorzeitig zum 1. April gekündigt. Die neue Geschäftsführung wird personell in zwei Zuständigkeitsbereiche aufgeteilt sein: Künftig soll es wieder eine kaufmännische Leitung sowie eine Heimleitung geben.
Er sei sehr glücklich über die Zusammenarbeit mit diesem „sehr erfahrenen Büro“, sagt Kirchheims Bürgermeister Stephan Keck (SPD). Der Rathauschef zeigt sich zuversichtlich, dass die Gemeinde damit die richtigen Weichen für die Zukunft ihres Seniorenheims stellt. Bereits von Februar an sollen die neuen Geschäftsführer Einblick in die Daten des Hauses erhalten, sodass ein möglichst glatter Übergang von der alten zur neuen Geschäftsführung möglich ist. Spätestens am 1. April wird die neue Leitung übernehmen.
Die neue Geschäftsführung soll den Sanierungskurs fortsetzen und das Defizit begrenzen
Die neue Geschäftsführung soll unter anderem den begonnenen Sanierungskurs fortführen und das zuletzt überbordende finanzielle Defizit des Hauses begrenzen. Dabei steht die neue Geschäftsführung vor der Herausforderung, nach den teils heftigen Zerwürfnissen wieder Ruhe in die Belegschaft zu bringen und ein gutes Betriebsklima zu schaffen als Voraussetzung für gute Pflegebedingungen. Einigen Mitarbeitenden droht derzeit die Kündigung; das Haus wirft ihnen vor, sie hätten sich im Herbst gemeinsam zum Krankmelden verabredet. Die Klärung der Vorwürfe dürfte bald das Arbeitsgericht beschäftigen.
Derzeit besteht zudem für das Collegium 2000 ein Aufnahmestopp für neue Bewohner; diesen hatte das Haus im Sommer zunächst selbst verhängt, er wurde später durch die Heimaufsicht bestätigt. Um den Aufnahmestopp bald aufheben zu können, arbeite die Gemeinde derzeit eng und einvernehmlich mit der Heimaufsicht zusammen, bestätigt die Behörde.
„Wir versuchen alles, damit dieses Haus wieder auf einen guten Weg kommt“, versichert Bürgermeister Keck. Auch der im Auftrag der Gemeinde engagierte Mediator soll in Absprache mit der neuen Geschäftsführung weitermachen und unter anderem den Mitarbeitenden Einzelgespräche anbieten.