
AUDIO: Hannovers neuer Ballettchef Goyo Montero (54 Min)
Stand: 23.01.2026 16:37 Uhr
Goyo Montero erzählt „Schwanensee“ neu: Aus Rotbarts Perspektive wird der Ballettklassiker zu einer düsteren Geschichte über Trauma, Macht und Sehnsucht.
Warum begehen Menschen immer wieder die gleichen Fehler? Warum nutzen sie das Wissen der Geschichte nicht für Gegenwart und Zukunft? Davon handelt „Schwanensee. Rotbarts Geschichte“. Goyo Montero erzählt Tschaikowskys Ballettklassiker „Schwanensee“ aus neuer Perspektive, verwandelt die Märchenerzählung zu einem atemberaubenden Tanzereignis über Traumata, Träume, Sehnsüchte, Liebe, finstere Fantasien.
Seit der Spielzeit 2025/2026 ist der Tänzer, Choreograf Goyo Montero neuer Ballettdirektor des Staatsballetts Hannover. Zuvor leitete der 1975 in Madrid geborene Montero 17 Jahre das Ballett des Staatstheaters Nürnberg. Mit Kreationen für Compagnien in London, Birmingham, Monte Carlo, Buenos Aires, São Paulo, Ankara, Berlin oder Kiel verschaffte er sich internationales Ansehen.
Mit Andrea Schwyzer spricht Goyo Montero in NDR Kultur à la carte über seine Uraufführung „Schwanensee. Rotbarts Geschichte“, über seine neuen Projekte und seine Ideen für das Staatsballett Hannover.
Sie haben sich aus dem Originalstück für eine Nebenrolle entschieden. Es ist die Figur des Rotbart und die stellen Sie in den Vordergrund. Wann kam Ihnen die Idee, wie hat sie sich entwickelt?
Goyo Montero: Ich liebe Nebenrollen. Ich habe selbst auch als Künstler und Tänzer vor allem diese Nebenrollen gespielt, wie zum Beispiel Mercutio in „Romeo und Julia“, oder den Lago in „Othello“. Ich liebe auch Lady Macbeth in „Macbeth“. Ich interessiere mich immer für die Nebenrollen, also den Sidekick, wie Robin bei Batman.
Ich habe immer gedacht, wer ist Rotbart? Warum spielt er in ein paar Szenen von Schwanensee, aber man weiß nicht genau, warum er so böse ist oder warum er diese dunkle Macht bekommen hat. Ich habe gedacht, warum machen wir nicht einen Prolog von „Schwanensee“, um zu zeigen, wie sich dieser Charakter formiert und was der Hintergrund war. Wie hat bei ihm alles angefangen, dass er auf die dunkle Seite wechselt? Das war der Weg dahin.
Ich habe mich viele Monate mit der Partitur beschäftigt, weil das natürlich der erste Schritt war, sich Tschaikowsky anzuhören, um zu sehen, was wir von der originalen Partitur nehmen können und was nicht. Das ist natürlich traurig, weil die ganze Partitur perfekt ist. Aber für unsere Geschichte brauchen wir eine besondere Selektion von all dieser tollen Musik.

Der neue Ballettchef in Hannover probt derzeit intensiv mit seinem Ensemble eine Neuauflage seines Stückes „Goldberg“.
Lassen Sie uns mal über die Ästhetik sprechen. Bei Ihnen wird es keine weißen Tütüs auf der Bühne geben. Sie haben Schwäne, die ein bisschen futuristisch anmuten. Die sind in silbrigen Ganzkörperkostümen unterwegs und aus ihnen wachsen eine Art Flügel. Erzählen Sie uns etwas über die Kostüme, die Sie da auf der Bühne zeigen.
Montero: Das war die große Herausforderung für mich und für Salvador Mateu Andújar, unseren Kostümdesigner. Denn der ikonische Blick auf die Schwäne sind diese Tütüs mit den Federn und Spitzenschuhen – das ist perfekt. Man erkennt sofort die Idee und man erkennt die Musik. Wir wollten etwas Ikonisches machen, aber es ist weit weg von der klassischen Ästhetik. Trotzdem gibt es die Verbindung mit den Schwänen. Es kann auch ein fantastisches Wesen sein, aber es sind Schwäne.
Allerdings ist der Schnabel hinter dem Kopf und die Flügel sind vorne. Es ist ein bisschen anders. Trotzdem bekommt man das Gefühl der Schwäne. Eine Kreatur, die tief gehen, aber auch fliegen kann. Die Dualität zwischen schwarzen und weißen Schwänen wollten wir sehr stark machen. Das war unser Versuch. Aber das war die große Herausforderung und die große Frage, wird das funktionieren? Wir werden sehen.
Das Gespräch führte Andrea Schwyzer. Einen Ausschnitt davon lesen Sie hier, das ganze Gespräch können Sie oben auf dieser Seite und in der ARD Audiothek hören.

Ballett · Staatstheater Nürnberg
„Der Steppenwolf“ als Ballett von Goyo Montero basierend auf Hermann Hesses Roman wurde am Staatstheater Nürnberg uraufgeführt. Der Clou: das Publikum wird durch immersive Techniken einbezogen. (Bild: Staatstheater Nürnberg/Jesús Vallinas)

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