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Koblenz – Jetzt erwischt es den nächsten großen Namen der deutschen Industrie: Der weltweit bekannte Fahrrad-Hersteller Canyon plant einen deutlichen Stellenabbau. Bis zu 320 der aktuell rund 1600 Mitarbeiter sollen ihre Jobs verlieren.
Besonders betroffen sind der Hauptsitz in Koblenz (Rheinland-Pfalz) und das Werk in Amsterdam. In welchen Bereichen genau gestrichen werden soll, ließ das Unternehmen in einer Mitteilung offen. Demnach sind die Arbeitsplätze am Standort Carlsbad im US-Bundesstaat Kalifornien allerdings nicht betroffen.
Canyon zählt weltweit zu den führenden Herstellern im Premium-Segment. Das Unternehmen entwickelt und verkauft Rennräder, Mountainbikes, Triathlonräder und Elektrofahrräder – direkt an Kunden.

Rennrad-Spitzenmodell: Das Canyon Aeroad CFR Di2 kostet 8999 Euro
Foto: Canyon
Die Gründe für die Krise des Fahrrad-Herstellers
Die Personaleinschnitte begründet der Hersteller vor allem mit dem schwierigen Marktumfeld: Die Fahrradbranche schrumpft. Dazu kommen US-Zölle, weltweite Spannungen und eine schwache Wirtschaft.
Die Canyon Bicycles GmbH wurde 2002 gegründet und geht auf ein Radgeschäft zurück, das 1985 in Koblenz entstand. Seitdem entwickelte sich Canyon zu einer der bekanntesten Fahrradmarken weltweit. Nach dem starken Boom während und nach der Corona-Pandemie von 2020 bis 2023 hat sich die Lage spürbar abgekühlt, der Absatz von Fahrrädern lahmt.

Radsport-Star Matthieu van der Poel (31) fährt Canyon, wurde 7-mal Cross-Weltmeister und 2023 Straßen-Radweltmeister
Foto: Canyon
Firmen-Gründer und CEO Roman Arnold (62) hatte Canyon in Koblenz mitaufgebaut. Er zog sich 2020 aus gesundheitlichen Gründen (Prostatakrebs) aus dem Tagesgeschäft zurück und übernahm die Rolle des Chairman im Beirat. Im September 2025 kam er jedoch als Geschäftsführer zurück.

Firmen-Gründer und CEO Roman Arnold (62)
Foto: Canyon
Was mit dem Stellenabbau erreicht werden soll
Der Stellenabbau soll Canyon effizienter machen. Arnold sagt: „Im Radsport gewinnt man ein Rennen nicht durch schiere Größe, sondern durch Schnelligkeit, Präzision und Agilität.“ Und weiter: „Wir bilden jetzt das Fundament, um unsere Position an der Weltspitze zu verteidigen.“
Gleichzeitig betont der CEO, wie schwer ihm die Entscheidung fällt: „Canyon ist eine gewachsene Gemeinschaft, verbunden durch die Leidenschaft für den Radsport. Es ist daher besonders schmerzhaft, dass wir uns von geschätzten Kolleginnen und Kollegen trennen müssen.“
Künftig will sich das Unternehmen stärker auf strategische Wachstumsfelder wie E-Bikes konzentrieren. Dazu zählt auch das neue E-Bike-Center in Koblenz, das im Laufe des Jahres 2026 eröffnen soll.