Russland und die Ukraine haben die erste Runde ihrer direkten Friedensgespräche seit Langem am späten Abend in Abu Dhabi beendet. „Das Treffen war den Bedingungen für die Beendigung des russischen Krieges und der weiteren Logik des Verhandlungsprozesses gewidmet, mit dem Ziel, einen würdigen und dauerhaften Frieden zu erreichen“, teilte der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umjerow in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) am späten Abend mit. Details nannte er nicht. Die Gespräche sollen an diesem Samstag fortgesetzt werden.

Nach monatelanger Pause sind dies die ersten offiziellen Gespräche auf hoher Ebene, vermittelt von den USA, die VAE sind Gastgeber der Beratungen. Sie sollten demnach zwei Tage andauern.

Größter Streitpunkt sind territoriale Fragen, vor allem der künftige Status der ostukrainischen Region Donezk. Russland fordert den vollständigen Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet, was die Ukraine ablehnt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wies zudem vor Beginn der Verhandlungen den russischen Vorschlag zurück, eingefrorene westliche Vermögenswerte für den Wiederaufbau russischer Regionen wie Kursk zu nutzen, und fordert stattdessen, russische Gelder für den Wiederaufbau der Ukraine zu verwenden.

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Moskaus Forderung ist ein Rückzug der ukrainischen Truppen aus dem Donbass. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnet dies als essenzielle Voraussetzung für ein Abkommen. Ohne Lösung der Territorialfrage werde es keinen dauerhaften Frieden geben, bekräftigte auch Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow. Solange keine Einigung erreicht sei, werde Russland den Krieg fortführen.

Das sind die Knackpunkte:

Peskow erklärte, territoriale Fragen sollten nach den sogenannten Vereinbarungen von Anchorage geregelt werden. Wie diese „Formel von Anchorage“ konkret aussieht, wolle er jedoch nicht offenlegen.

Putin und der damalige US‑Präsident Donald Trump hatten sich im August in Anchorage, Alaska, getroffen, ohne ein Ergebnis zu verkünden. Dennoch berufen sich russische Vertreter immer wieder auf ein angebliches Gipfelergebnis.

Inoffiziell kursierte dabei der Vorschlag, die Ukraine solle den Donbass räumen, während die Front weiter südlich in den Regionen Saporischschja und Cherson eingefroren werde – eine Idee, die später in einem US‑Friedensplanentwurf auftauchte, der offenbar aus Moskau stammte.

Bundesregierung bleibt skeptisch

In Berlin begrüßt man zwar grundsätzlich die Gespräche, doch die Bundesregierung bleibt skeptisch bezüglich Russlands Bereitschaft zu Kompromissen. Vize-Regierungssprecher Stefan Meyer mahnt, der Frieden dürfe nicht nur eine Atempause für Russland sein, sondern müsse dauerhaft sein.

Nichts wäre gewonnen, wenn ein Friedensschluss am Ende nur eine Atempause für Russland bedeutet, um dann zu einem späteren Zeitpunkt erneut Angriffe zu fahren.

Stefan Meyer, Vize-Regierungssprecher

Bundeskanzler Friedrich Merz betont am Rande eines Termins in Rom, dass diese Treffen „unser gemeinsamer Wille“ seien und eng mit den USA abgestimmt wurden. Laut Merz gibt es eine enge Koordinierung zwischen Ukraine, Amerika und Europa.

Zudem habe Präsident Selenskyj „in dieser Woche“ die endgültige US‑Zustimmung zu den gemeinsam ausgehandelten Sicherheitsgarantien erhalten – ein Ergebnis gemeinsamer Beratungen in Berlin und Genf, so Merz.

Der amerikanische Unterhändler Steve Witkoff erklärte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, die Verhandlungen seien weit fortgeschritten und auf „ein einziges Problem“ reduziert, ohne dieses zu benennen.

Was herauskommen könnte

Ein weiterer möglicher Verhandlungspunkt ist ein Ende der Angriffe auf Energienetze, deren Zerstörung besonders im vierten Kriegswinter die ukrainische Zivilbevölkerung schwer belastet. Auch Russland spürt die Folgen, etwa in der Region Belgorod.

Ob in den territorialen Fragen ebenfalls ein Kompromiss möglich ist? Für die ukrainische Armee bilden Städte wie Slowjansk und Kramatorsk im Gebiet Donezk einen zentralen Verteidigungsring, der einen russischen Vorstoß Richtung Charkiw und zum Dnipro stoppen soll. Auf die Forderung nach einem Rückzug antwortete Präsident Selenskyj mit dem Gegenangebot, Russland solle sich im gleichen Umfang zurückziehen.

Die Trump-Regierung versucht beiden Seiten die Idee einer entmilitarisierten Zone schmackhaft zu machen, indem dort eine Freihandelszone entstehen soll. Doch das Gebiet ist durch die Kämpfe weitgehend zerstört. Moskau wiederum fordert, dass in einer solchen Zone russische Polizei und Nationalgarde patrouillieren – beide jedoch militärisch ausgerüstet, was Kiew strikt ablehnt.

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Direkte offizielle Treffen zwischen Kiew und Moskau gab es seit Monaten nicht mehr, informelle Gespräche fanden jedoch zuletzt in Abu Dhabi statt, auch mit US-Vertretern.

Der ukrainischen Delegation gehörten laut Umjerow auch Präsidialkanzleichef Kyrylo Budanow, der Fraktionsvorsitzende der Präsidentenpartei im Parlament, David Arachamija, sowie Vize-Außenminister Serhij Kyslyzja an. Von US-Seite waren unter anderem der Sondergesandte Steve Witkoff, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, und der fürs Heer zuständige Staatssekretär Daniel Driscoll dabei. Die russische Verhandlungsdelegation wird vom Chef des Militärgeheimdienstes, Igor Kostjukow, angeführt. 

Selenskyj kündigte in Davos zudem an, sich mit Trump auf US-Sicherheitsgarantien geeinigt zu haben. Ein entsprechendes Dokument stehe bereit für Unterschriften und parlamentarische Abstimmungen. (Tsp mit Agenturen)