Keir Starmer

Stand: 23.01.2026 21:25 Uhr

Mit seinem Zweifel an der Leistungsbereitschaft der NATO-Soldaten im Afghanistan-Einsatz hat US-Präsident Trump große Empörung ausgelöst. Die schärfste Kritik kommt aus Großbritannien: Premier Starmer spricht von einer Beleidigung.

In Großbritannien ist der Ärger groß nach Äußerungen von US-Präsident Donald Trump über den NATO-Einsatz in Afghanistan. In einem Interview des US-Senders Fox News beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos hat Trump die Verlässlichkeit der Militärallianz infrage gestellt.

„Wir haben sie nie gebraucht, wir haben sie nie wirklich um irgendetwas gebeten“, so der US-Präsident. Die NATO-Verbündeten hätten zwar ein paar Truppen zur Unterstützung der USA nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001 nach Afghanistan geschickt. Dort hätten sich die Soldaten aber „zurückgehalten, ein wenig hinter den Frontlinien“.

Entsetzen in der britischen Politik

Der britische Premierminister Keir Starmer wies Trumps Behauptungen als „beleidigend“ und „entsetzlich“ zurück. Es sei nicht überraschend, „dass sie den Angehörigen der Getöteten und Verletzten und tatsächlich im ganzen Land so viel Schmerz bereitet haben“, sagte Starmer. Er selbst werde niemals den Mut der Soldaten und das Opfer, das sie für ihr Land brachten, vergessen.

Der britische Verteidigungsminister John Healey hob den Einsatz der britischen Soldaten hervor, den sie erbracht hätten. Sie sollten als „Helden, die im Dienst unserer Nation ihr Leben gaben“, in Erinnerung bleiben.

Afghanistan-Veteran Prinz Harry mit scharfen Worten

Auch Prinz Harry äußerte sich zu den Behauptungen des US-Präsidenten. Der Afghanistan-Veteran und jüngere Sohn von König Charles III. forderte Respekt für die Opfer der amerikanischen NATO-Verbündeten. Er verwies auch auf seine eigenen Einsätze als Soldat: „Ich habe dort gedient, ich habe Freunde fürs Leben gemacht. Und ich habe Freunde verloren.“ Tausende Leben seien für immer verändert worden, Eltern hätten ihre Kinder begraben müssen und Kinder ihre Eltern verloren.

Die Arbeit mit Kriegsveteranen und Hinterbliebenen von Gefallenen ist eines von Harrys Herzensanliegen. Mit den sogenannten Invictus Games hat er einen internationalen Wettbewerb für versehrte Veteranen geschaffen.

Britischer Veteran: Trump-Aussagen „sehr respektlos“

Großbritannien schickte im Laufe der Jahre mehr als 150.000 Soldaten nach Afghanistan – das zweitgrößte Kontingent nach den USA. 457 britische Militärangehörige kamen bei dem Einsatz ums Leben.

Auch mehrere britische Veteranen und Angehörige gefallener Soldaten reagierten entsetzt auf die Äußerungen des US-Präsidenten. Unteroffizier Andy Reid, der in Afghanistan beide Beine und den rechten Arm verloren hatte, nannte Trumps Aussagen „sehr respektlos“.

Janette Binnie, deren Sohn im Jahr 2009 in Afghanistan erschossen worden war, bezeichnete die Äußerungen gegenüber der BBC als „soul-destroying“ – auf Deutsch „die Seele zerstörend“.

Kritik auch aus Polen

In Polen, das ebenfalls Mitglied der NATO ist, stießen Trumps Worte auf ähnlichen Widerspruch. Für die Verteidigung der internationalen Sicherheit hätten polnische Soldaten bei Einsätzen in Afghanistan und im Irak ihr Leben gelassen, sagte Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz: „Dieses Opfer wird nie vergessen werden und darf nicht herabgewürdigt werden.“

Im Sender TVN24 erinnerte General Roman Polko daran, dass 43 polnische Soldaten und ein Zivilbeschäftigter der polnischen Armee im Afghanistan-Einsatz gestorben waren. Weitere 22 polnische Soldaten fielen im Irak. „Und natürlich waren wir in der vordersten Linie“, betonte Polko, der sowohl in Afghanistan als auch im Irak im Einsatz war.

Afghanistan war einziger NATO-Bündnisfall

Es war nicht das erste Mal, dass Trump das Engagement der NATO-Länder in Zweifel zog. Vorwürfe gegen die Verbündeten in der Militärallianz standen auch im Zentrum seiner Drohungen, Grönland unter Kontrolle der USA zu bringen.

Der Einsatz in Afghanistan war bisher der einzige Fall, in dem die sogenannte NATO-Beistandsklausel ausgelöst wurde. Diese besagt, dass ein bewaffneter Angriff gegen einen Alliierten als Angriff gegen alle betrachtet wird.

Auch Deutschland beteiligte sich, 59 Bundeswehrsoldaten kamen ums Leben.