
Arminia Bielefeld hat sich in einem aufregenden Spiel am Freitagabend einen Punkt gegen Holstein Kiel erkämpft. Ein Platzverweis, ein Elfmeter und die leidenschaftliche Bielefelder Alm brachten das Spiel in der zweiten Halbzeit zum Kippen. Am Ende stand es 2:2 (0:2).
Bielefelds Verteidiger Leon Schneider sorgte mit einem Eigentor für den 0:1-Rückstand (33. Minute), ehe Kiels Verteidiger Ivan Nekic kurz vor der Pause auf 0:2 erhöhte (45.+2). Joel Grodowski brachte die Arminia mit einem Elfmeter zurück ins Spiel (70.). Der eingewechselte Noah Sarenren Bazee schoss in der Schlussphase mit seinem ersten Ballkontakt den verdienten Ausgleich zum 2:2-Endstand (87.). Kiels Torschütze Nekic, der auch den Elfmeter verschuldete, flog in der 69. Minute zu Recht mit Gelb-Rot vom Platz.
Holstein Kiel ist jetzt zwar seit sechs Pflichtspielen ungeschlagen, hat damit aber die große Chance verspielt, den Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz auf sieben Punkte zu erhöhen. Holstein-Trainer Marcel Rapp, der nach dem erfolgreichen Rückrundenauftakt gegen Aufstiegsaspirant Paderborn im euphorisierten Kieler Umfeld noch zu Zurückhaltung aufgerufen hatte, dürfte sich bestätigt fühlen.
„Wir können am Ende froh sein, dass wir einen Punkt mitgenommen haben“, sagte Kiels Coach im Sportschau-Interview. „Die gelb-rote Karte und der Elfmeter haben alles auf den Kopf gestellt. Wir mussten auf Verteidigung umstellen, und die Jungs haben dann alles reingeworfen. Von daher bin ich glücklich.“
Zerfahrene Anfangsphase
Arminia Bielefeld stand vor dem Spieltag auf dem 16. Platz, und der dadurch ausgelöste Druck war der Mannschaft von der ersten Minute an anzumerken. Unter der Woche habe die Arminia nach Aussage ihres Trainers vor allem daran gearbeitet, sich mehr Standards und Torchancen herauszuspielen – doch davon war in der ersten Halbzeit wenig zu sehen. Die Arminia lief die Gäste aus Kiel aggressiv an und erzwang so viele Ballverluste, war im eigenen Ballbesitz aber zu hektisch, um daraus Kapital zu schlagen.
Auch die Kieler taten sich in der nervösen Anfangsphase schwer. Ein Distanzschuss von Steven Skrzybski ans Außennetz (6. Minute) blieb ihre einzige konkrete Torchance in der ersten halben Stunde.
Eigentor sorgt für den ersten Treffer
Es brauchte einen individuellen Fehler, um den Bann zu brechen. Kiels Stürmer Phil Harres brachte in der 33. Minute aus halbrechter Position einen wuchtigen, flachen Pass in den Fünfmeterraum, wo Leon Schneider den Ball zum 0:1 ins eigene Tor grätschte. Schneider musste zum Ball, weil der einschussbereite Niklas Niehoff am zweiten Pfosten bereit gestanden hätte, seine Abwehraktion sah trotzdem sehr unglücklich aus.
Arminia Bielefelds Leon Schneider (2. v. r.) trifft ins eigene Tor zum 0:1 für Kiel
Eine Viertelstunde später kam Niehoff dann trotzdem zu seinem dritten Scorerpunkt in dieser Saison. Mit seinem präzisen Eckstoß fand er den vollkommen alleine gelassenen Nekic, der seelenruhig zum 2:0 (45.+2) einköpfte.
Bielefeld kommt besser aus der Pause
Wer auf Kieler Seite die Hoffnung hatte, dass Bielefeld nach dem zweiten Tor in sich zusammenbrechen könnte, wurde enttäuscht. Die Arminia kam mutig aus der Kabine und erkämpfte sich Zweikampf für Zweikampf das eigene Selbstvertrauen zurück. Die Partie blieb unstrukturiert und die Ballbesitzphasen kurz, aber dafür spielte sich das Geschehen nicht mehr nur hauptsächlich zwischen den Sechzehnern ab.
In der 50. Minute fehlten Kiel nur Millimeter zum 0:3 als Harres‘ abgefälschter Schuss aus der zweiten Reihe knapp am linken Pfosten vorbeiflog. Auf der anderen Seite hätte Kiels Torwart Jonas Kumrey mit einer Unsicherheit fast für das zweite Eigentor des Abends gesorgt, als er eine flache Flanke nicht einfach fing, sondern knapp an seinem Tor vorbei baggerte (52.).
Das Spiel wurde in der zweiten Halbzeit noch wilder.
Elfmeter bringt Spiel zum Kippen
Auch Bielefeld war auf einen individuellen Fehler des Gegners angewiesen, um sich für seinen hohen Aufwand zu belohnen. Kiels Torschütze Nekic räumte den mit viel Tempo davongezogenen Marius Wörl von hinten im Strafraum ab und kassierte damit nicht nur Gelb-Rot, sondern auch völlig zu Recht einen Elfmeter. Joel Grodowski verwandelte sicher zum 1:2 und brachte seine Arminia zurück in die Partie (70.)
Die restlichen 25 Minuten entwickelten sich zum Spiel auf ein Tor. Angepeitscht vom nach dem Anschlusstreffer wieder aufgewachten Publikum auf der Bielefelder Alm spielte die Arminia Flanke um Flanke in den Kieler Strafraum. Die Störche zogen sich in der Phase vollkommen zurück und beschränkten das eigene Offensivspiel auf Konter.
Joker Sarenren Bazee sticht zu
Kurz vor Schluss sorgte der nur eine Minute vorher eingewechselte Noah Sarenren Bazee dann für den verdienten Ausgleich (87.). Nach einer Kopfballvorlage vom ebenfalls eingewechselten Roberts Uldrikis blieb Bazee aus sechs Metern eiskalt und nickte den Ball ohne viel Tempo, dafür aber gegen die Laufrichtung von Kumrey ins linke Eck.
Bielefeld in Dresden, Kiel gegen Fürth
Für Bielefeld geht es nächstes Wochenende am Sonntagmittag zum wichtigen Abstiegsduell gegen Tabellennachbar Dynamo Dresden (13.30 Uhr). Kiel empfängt schon am Samstagmittag Greuther Fürth (13 Uhr).