Facebooks Meta-Konzern macht erheblichen Umsatz mit illegaler Werbung. Die Spielbank Stuttgart will nun juristisch gegen die illegale Nutzung ihres Namens vorgehen.

Das Internet ist voll von Anzeigen, die einem versprechen, schnell reich zu werden. Ein Anbieter mit dem Namen „Glücklicher Tag“ nutzt auf Facebook eine besonders perfide Methode, um die Aufmerksamkeit der Nutzer zu gewinnen. Abgebildet sind Vor-und Nachnamen von Personen, die zu den großen Gewinnern eines erfolgversprechenden Glücksspiels gehören sollen.

Über allem prangert der Name „Spielbank Stuttgart“. Klickt man den Link der Anzeige an, gelangt man entweder auf die Seite eines illegalen Online-Casinos oder eines angeblichen Touristik-Dienstleisters aus Stuttgart. Nur hat die Spielbank Stuttgart nie die Erlaubnis gegeben, dass ihr Name für Werbung dieser Art verwendet wird. Sie wehrt sich seit Längerem dagegen, doch tauchen die Anzeigen immer wieder auf.

Zehn Prozent des Einkommens über illegale Werbung

Illegale Werbung dieser Art ist ein extrem erfolgreiches Geschäftsmodell, von dem sowohl der Facebook-Konzern Meta profitieriert als auch die vielen Anbieter illegaler Online-Casinos. Laut eines Berichts des Nachrichtenportals Reuters aus dem Jahr 2025 hat Meta im Jahr 2024 zehn Prozent seines weltweiten Einkommens durch illegale Anzeigen, Werbung und ähnliche Betrugsmaschen generiert. Laut einer Untersuchung des Glücksspiel-Anbieters Tipico gibt es in Deutschland 75.000 Kampagnen für illegales Glücksspiel. Monatlich würden dem Staat dadurch 20 Millionen Euro an Steuergeldern entgehen. Das sei mehr als das, was der Staat mit legalem Glücksspiel einnehme.

Tobias Wald ist Geschäftsführer der Baden-Württembergischen Spielbanken. Neben Stuttgart betreibt die landeseigene Gesellschaft Casinos in Konstanz und Baden-Baden. Wald sagt, dass sich seine Casinos schon seit Längerem gegen die missbräuchliche Nutzung ihres Namens in illegaler Online-Werbung wehren würden. „Unser Casino in Baden-Baden gehört zu den bekanntesten in Europa“, sagt Wald. Deswegen werde der Name häufig von illegalen Anbietern für Werbezwecke missbraucht.

„Wir betreiben kein Online-Casino“, sagt Wald. Dennoch erweckten illegale Plattformen genau diesen Eindruck. In einem besonders dreisten Fall sei sogar vor dem Casino in Baden-Baden ein Werbevideo für eine illegale Plattform gedreht worden. Hinweise auf solche Anzeigen kämen teilweise auch von Gästen. Jeder Hinweis auf illegale Werbung werde bei Meta gemeldet. Bislang jedoch mit dürftigem Erfolg.

Anfangs hätten die Verantwortlichen bei Meta auf Hinweise kaum reagiert. Zwar würden entsprechende Accounts laut Meta inzwischen häufiger gesperrt, aus Sicht der Spielbank reiche dies jedoch nicht aus. „Wir haben mehrere Fälle dokumentiert und werden gemeinsam mit dem Deutschen Spielbankenverband rechtliche Schritte gegen Meta einleiten“, kündigt Wald an. Dieses Vorgehen sei in Deutschland bislang neu. In Frankreich war eine Casinogruppe mit ähnlichem Vorgehen bereits erfolgreich. Die Gruppe Barrère Group hatte Meta zum Einlenken gezwungen.

Bis zu 600 Millionen Euro Marktvolumen

Online-Glücksspiel ist 2021 auch vom Gesetzgeber streng reglementiert worden. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) achtet darauf, dass ihre Regeln eingehalten werden und erteilt Genehmigungen für legale Anbieter. Sie warnt jedoch auch davor, dass gerade illegale Glücksspielanbieter keinerlei staatlicher Kontrolle unterliegen und insbesondere die Standards im Jugend- und Verbraucherschutz nicht einhielten. Auch könne man sie nicht dafür sanktionieren, wenn sie beispielsweise Gewinne nicht auszahlen. Für 2024 hat die GGL laut ihres Tätigkeitsberichts 858 deutschsprachige illegale Glücksspielseiten registriert, die ein Marktvolumen von 500 bis 600 Millionen Euro haben. Die Werbung für diese Anbieter ist auf Facebook weit verbreitet.

Auf Nachfrage betont Meta, dass der Konzern verschiedene Maßnahmen ergreife, um Betrug jeder Art auf ihren Plattformen zu erkennen und verbannen. „Wir erlauben keine Inhalte, die andere bewusst betrügen oder in die Irre führen“, sagt ein Sprecher. Sobald Meta auf problematische Werbung aufmerksam gemacht werde, würde man diese wieder entfernen.

Zudem betont der Sprecher, dass es nicht ganz zutreffe, dass Meta zehn Prozent seiner Einnahmen aus illegaler Werbung beziehe. „Die Zahl war eine grobe und weit gefasste Schätzung und keine definitive Zahl“, so der Sprecher. Viele der erfassten Anzeigen hätten gar nicht gegen die Richtlinien des Konzerns verstoßen. Das Problem sei zudem, dass manchen illegalen Machenschaften schwer zu erkennen seien, da die Anzeigen nicht angeben würden, auf was für eine Seite man letztlich geleitet werde. Diese Masche wir als Cloaking bezeichnet.

Legale von illegalen Casinos trennen

Auch Tobias Wald von der Spielbank Stuttgart betont das Ausmaß des Problems illegaler Online-Casinos. Viele Anbieter verfügten lediglich über ausländische Lizenzen und umgingen damit deutsche Gesetze. Hier müsse Meta deutlich konsequenter gegen rechtswidrige Werbung vorgehen. Auch ein Sprecher von Tipico sagt, dass Meta die illegale Werbung deutlich mehr einschränken könnte, wenn es die Ambition dazu hätte. Doch es lohne sich, mehr juristische Anzeigen in Kauf zu nehmen, statt auf die zusätzlichen Einnahmen zu verzichten. Deutschland müsse daher einen legalen Rahmen schaffen, der es Nutzern ermögliche, legal von illegal zu unterscheiden.