Ein schwarzer Schwan tanzt in der Mitte, um ihn herum weiße Schwäne.

AUDIO: Abseits von weißen Tütüs: Ein dunkler „Schwanensee“ in Hannover (4 Min)

Stand: 24.01.2026 06:00 Uhr

Peter Tschaikowskys „Schwanensee“ verbinden viele Menschen mit weißen Tütüs und Federhaarreifen. An der Staatsoper Hannover kommt heute Abend eine Neuinterpretation des Balletts auf die Bühne. Allerdings widmet sie sich einer besonderen Figur aus dem Stück: dem Bösewicht Rotbart.

von Andrea Schwyzer

Selbst wer noch nie ein Ballett gesehen hat, sieht bei der Musik von „Schwanensee“ grazile Schwanenjungfrauen über die Bühne schweben. Peter Tschaikowskys düsterstes Ballett ist tausendfach aufgeführt worden, neu interpretiert und parodiert. Die Schwäne in Hannover muten ein bisschen futuristisch an: Aus den hautengen, silbrigen Ganzkörperkostümen erwachsen knorpelartige, flossenähnliche Gebilde. „Wir haben über viele verschiedenen Versionen beraten. Man erkennt in unserem Fall die Schwäne, aber wir werden keine klassischen Schwäne haben, zum Beispiel haben sie keine Spitzenschuhe“, sagt Goyo Montero, der neue Ballettchef der Staatsoper Hannover, der das Stück inszeniert hat.

Monteros Inszenierung erzählt die Geschichte des Bösewichts

Rotbart steht links im Bild, die Schwäne weichen rechts im Bild vor ihm zurück.

In Tschaikowskys Original verzaubert Rotbart die Prinzessin Odette in einen Schwan.

Der schwarze Schwan ist in üppig-wallenden Plissee-Stoff gehüllt. Die Narren tragen aufgetürmte Sahnehäubchen auf dem Kopf. Es sind bizarre Kreaturen, die sich da auf der Bühne versammeln – und sie alle gehören in das Reich von Rotbart. Diese Nebenfigur stellt Goyo Montero ins Zentrum seiner „Schwanensee“-Version. Er habe sich immer die Frage gestellt: „Wer ist dieser Charakter? Warum ist er dieser Bösewicht, dieser Zauberer, dieses Monster geworden? Darum habe ich gedacht, wir erzählen, wie er als Kind war und wer ihn „falsch“ gemacht hat.

Goyo Montero ist überzeugt davon, dass wir als gute, unschuldige Wesen auf die Welt kommen. Ein traumatisches Ereignis muss also aus Rotbart diesen bösen Charakter geformt haben. Auf der Suche nach einer Erklärung, ließ sich der Spanier von Büchern über magische Kreaturen inspirieren, von Manga-Zeichnungen, den Texten von E. T. A. Hoffmann, von Mary Shelleys „Frankenstein“ und der Ästhetik von Filmen wie „Blade Runner“.

Spagat zwischen Neuinterpretation und Klassiker

Ein Ballettänzer liegt links auf dem Boden, rechts daneben tanzen zwei weitere.

Goyo Monteros Inszenierungen versuchen immer wieder, Klassiker des Ballets oder des Theaters durch den Tanz neu zu interpretieren.

Obwohl Goyo Montero das ursprüngliche Ballett auseinanderzuzupfen scheint, bleibt er behutsam und ehrfürchtig. Denn ihn verbindet eine lange Geschichte mit den ikonischen Bewegungen und der unverwechselbaren Musik: Er hat selbst verschiedenste Versionen von „Schwanensee“ getanzt und weiß, was die Menschen mit diesem Stück verbinden. „Die Musik ist die Lösung und das Problem. Bei der Musik entstehen in unserem Kopf diese ikonischen Szenen. Die Zuschauer werden manche Szenen vermissen“, befürchtet er. Tschaikowsky bleibt er dennoch treu: „Ich versuche mit meinem klassischen Background eine Verbindung zu setzen. Wir hören also trotzdem Schwanensee, aber ich hoffe mit neuen Augen.“

Ein vielschichtiges Gesamtkunstwerk soll sein „Rotbart“ werden, so die Hoffnung des Ballettchefs. Dazu gehören ein bewegliches Bühnenbild, die fantasievollen Kostüme und die Bewegungen, die Bezüge zur 130 Jahre alten Choreografie von Lew Iwanow und Marius Petipa aufweisen, Video-Projektionen, die teils unter Wasser gefilmt worden sind und Tschaikowskys Musik, live gespielt vom Niedersächsischen Staatsorchester Hannover. Klingt vielversprechend.

Hannovers Ballettchef Goyo Montero steht neben Moderatorin Andrea Schwyzer.

Goyo Montero interpretiert Tschaikowskys Ballettklassiker neu und erzählt ihn aus der Sicht Rotbarts.

Ein schwarzer Schwan tanzt in der Mitte, um ihn herum weiße Schwäne.

Abseits von weißen Tütüs: Ein dunkler „Schwanensee“ in Hannover

Die Neuinterpretation des Tschaikowsky-Balletts in Hannover widmet sich einer besonderen Figur aus dem Stück: dem Bösewicht Rotbart.

Datum:
24.01.2026, 19:30 Uhr
Ende:
28.03.2026
Ort:

Niedersächsisches Staatstheater

Opernplatz 1

30159

Hannover

Preis:
ab 54 Euro

In meinen
Kalender eintragen

Schlagwörter zu diesem Artikel

Theater