Partydroge oder Behandlungsmöglichkeit?

RWTH-Forscher diskutiert Therapie mit LSD und MDMA

Aktualisiert am 24.01.2026 – 07:22 UhrLesedauer: 2 Min.

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Drogen und Medikamente (Symbolbild): RWTH-Forscher will Möglichkeiten von Drogen fernab vom Partykonsum beleuchten. (Quelle: IMAGO/imageBROKER/Eskymaks)

Psychedelika gelten als Droge. Forschende sehen jedoch Therapiepotenzial. Ein RWTH-Professor bringt das Thema in die öffentliche Debatte.

Halluzinogene sind lange als Partydrogen bekannt gewesen. Nun hat ein Wissenschaftler der RWTH Aachen eine neue Debatte über den möglichen medizinischen Einsatz angestoßen. Professor Torsten Voigt vom Lehr- und Forschungsgebiet Technik und Diversität hat sich an einer Fachveranstaltung zur Zukunft psychedelika-assistierter Therapien beteiligt.

Voigt beschäftigt sich mit der Frage, ob psychoaktive Substanzen wie LSD oder MDMA künftig bei schweren psychischen Erkrankungen eingesetzt werden könnten. International rücken solche Ansätze stärker in den Fokus, in Deutschland hingegen bleibt die Diskussion bislang begrenzt. Genau das wolle man ändern, sagte Voigt bei einer Veranstaltung an der Berliner Charité.

Psychedelika seien Substanzen, die veränderte Bewusstseinszustände auslösen, erläuterte der RWTH-Professor. In der Medizin werde ihr Einsatz vor allem bei therapieresistenten Depressionen untersucht. Auch bei posttraumatischen Belastungsstörungen zeigten Studien mit MDMA vielversprechende Ergebnisse. Ferner laufe Forschung zu möglichen Anwendungen bei Abhängigkeitserkrankungen wie Alkoholismus.

In Deutschland beschränke sich der Einsatz bislang auf klinische Studien, unter anderem an der Charité, mit der die RWTH kooperiert. International sei man weiter: In der Schweiz seien Psychedelika seit Jahrzehnten in Ausnahmefällen erlaubt, Australien habe entsprechende Therapien jüngst unter strengen Auflagen zugelassen. In den USA liefen großangelegte Studien an Universitäten wie Johns Hopkins.

Eine zentrale Hürde sieht Voigt in der rechtlichen Einordnung der Substanzen. Sie müssten künftig als Medikamente zugelassen werden. Zudem erfordere die Therapie eine enge Zusammenarbeit von Psychotherapie und Psychiatrie, da Psychotherapeuten keine Medikamente verschreiben dürften.

Der Ablauf einer solchen Behandlung unterscheide sich deutlich vom Freizeitkonsum. Nach einer intensiven Vorbereitung folge eine begleitete Sitzung in geschützter Umgebung. Therapeutische Teams überwachten den gesamten Prozess. Voraussetzung sei ein sorgfältiges medizinisches Screening, da Psychedelika bei vorbelasteten Personen psychische Krisen auslösen könnten.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit von Voigt liegt auf gesellschaftlichen Fragen. Eine von seinem Team durchgeführte Studie zeigt, dass in Deutschland nur 39 Prozent der Bevölkerung von psychedelika-assistierter Therapie gehört hätten. In den USA liege der Wert bei mehr als 70 Prozent. Daraus leite sich ein hoher Informationsbedarf ab.

Mit öffentlichen Veranstaltungen wolle man Vorurteile abbauen und eine sachliche Diskussion ermöglichen, sagt Voigt. Ob und wie solche Therapien künftig eingesetzt werden, sei eine gesellschaftliche Entscheidung. Für die RWTH Aachen verstehe man die Beteiligung an der Debatte als Teil ihres wissenschaftlichen Auftrags.