Lengede. Meere kamen und gingen, Gebirge hoben sich, Salz schob sich aus der Tiefe an die Oberfläche: Was heute als abwechslungsreiche Kulturlandschaft erscheint, ist das Ergebnis gewaltiger geologischer Prozesse. Der Geopark Braunschweiger Land, zu dem Teile des Landkreises Peine gehören, verbindet diese erdgeschichtlichen Zeugnisse mit archäologischen Funden, historischen Orten und moderner Umweltbildung. Die Region gehört zu den bedeutendsten Geolandschaften Deutschlands. Das wurde von der Unesco anerkannt.
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Seit dem 1. Januar 2023 ist die Gemeinde Lengede Mitglied im Unesco Global Geopark Harz, Braunschweiger Land, Ostfalen. Dieser erstreckt sich auf insgesamt fast 10.000 Quadratkilometern zwischen Harz und Heide und ist in zwei Untergebiete aufgeteilt.
Wirtschaftsminister Tonne zu Gast in Lengede
Lengede, vertreten durch Bürgermeisterin Maren Kleinschmidt (SPD), war jetzt Gastgeber für eine Sitzung des Trägervereins für das nördliche Teilgebiet Braunschweiger Land, die im Museum zum „Wunder von Lengede” stattfand. Neben den Vertretern anderer Mitgliedskommunen wie Schöningen, Cremlingen, Wolfsburg, Grasleben und dem Landkreis Peine sowie Mitarbeitenden der Geopark-Geschäftsstelle in Königslutter war auch der niedersächsische Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) gekommen.
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Der Minister informierte sich über die Aufgaben und Bedeutung des Geoparks und über die Sorgen und Nöte der Handelnden. Dabei ging es unter anderem auch ums Geld. „Zwar zahlt jede Gebietskörperschaft einen gewissen Beitrag. Insgesamt kommen wir aus diesem Topf auf rund 250.000 Euro im Jahr“, erklärte die Vorsitzende des Trägervereins, Wolfenbüttels Landrätin Christiana Steinbrügge (SPD).
Wenig finanzieller Spielraum für Projekte
Von diesem Geld würden 80 Prozent für die fixen Kosten eingesetzt – viel Spielraum für Projekte bleibe also nicht. Deshalb sei Fördergeld von großer Bedeutung. Minister Tonne zeigte Verständnis und machte deutlich, dass der Zeitpunkt, sich ins Spiel zu bringen, zurzeit günstig ist: „Jetzt beginnt die Debatte für das Haushaltsjahr 2027/2028.“
Zudem wies er auf neue Richtlinien für die Tourismusförderung hin, von denen der Geopark profitieren könnte. Allerdings dämpfte Tonne zugleich die Hoffnungen auf einen üppigen Geldsegen, denn der finanzielle Spielraum der Landesregierung sei begrenzt.

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Hintergrundinformationen zum Geopark gab es vom Leiter der Geschäftsstelle in Wolfenbüttel, Dr. Henning Zellmer. Er beantwortete unter anderem folgende Fragen:
Was ist eigentlich ein Geopark?
2015 hat die Unesco mit den Unesco Global Geoparks neben dem Welterbe und den Biosphärenreservaten eine weitere Kategorie geschaffen. Voraussetzung für die Auszeichnung ist ein erdgeschichtlich überregional bedeutendes Gebiet. Dieses enthält auch bedeutsame archäologische, historische und kulturelle Objekte, die mit den natürlichen Ressourcen eng verknüpft sind.
Im Mittelpunkt steht der Mensch in seiner Wechselwirkung mit der Landschaft und den Bodenschätzen. Der Anspruch an Geoparks ist hoch, und der Titel wird nur für jeweils vier Jahre verliehen. Dann ist eine neue, aufwendige Bewerbung nötig.
Welche Aufgaben erfüllen Geoparks?
Ein Geopark dient der nachhaltigen regionalen Entwicklung. „Aufgabe ist es, bestehende Einrichtungen miteinander zu vernetzen und gemeinsame Aktivitäten im Geotopschutz, im Freizeit- und Tourismusbereich sowie in der Umweltbildung und der wissenschaftlichen Forschung anzustoßen und umzusetzen“, erklärte Zellner.
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Wie viele Geoparks gibt es?
Weltweit gibt es 229 Geoparks in 50 Ländern. 109 Geoparks liegen in Europa, acht davon im Gebiet der Bundesrepublik, davon wiederum zwei in Niedersachsen. Der Geopark Harz, Braunschweiger Land, Ostfalen ist mit einer Gesamtfläche von fast 10.000 Quadratkilometern der größte in Deutschland und der zweitgrößte weltweit. Im Gebiet leben rund 1,2 Millionen Menschen.
Welche Bedeutung hat der Geopark Braunschweiger Land?
Die Geschichte der Menschen hing immer von der Landschaft und ihren Ressourcen ab. Für unsere Region heißt das: Die ersten Ackerbaukulturen haben wegen der Lössböden in unserer Region gesiedelt, die romanischen Bauwerke wären ohne den Muschelkalk und Rogenstein und ohne Kupfer, Blei, Zink und Silber im Harz nicht in ihrer Pracht entstanden.
Ohne das Eisenerz in Salzgitter und Peine hätte sich dort keine Stahlindustrie entwickelt und nachfolgend auch nicht Volkswagen. Die Beziehungen reichen bis in die Gegenwart: Ohne die stillgelegten Bergwerke gäbe es nicht die teilweise höchst problematischen Atommülllager im Braunschweiger Land.
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Wie profitiert die Bevölkerung vom Geopark?
Geoparks informieren über diese Zusammenhänge, sowohl im Freizeit- und Tourismusbereich als auch in Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen. Ein zentraler Nutzen liegt in der Vermittlung von Wissen. Geoparks machen Erdgeschichte verständlich und zugänglich – durch Lehrpfade, Informationszentren, Führungen und Bildungsprogramme.
Geoparks leisten einen Beitrag zum Natur- und Umweltschutz. Zudem entfalten sie wirtschaftliche Wirkung, indem sie sanften Tourismus stärken und neue Angebote schaffen. Davon profitieren regionale Betriebe.
Für die Bevölkerung vor Ort bieten Geoparks Identifikation und Orientierung. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden, Landkreisen und Städten sind die Geoparks fest in den Regionen verankert.
PAZ