Die Erdäpfel stammen von der Osterland-Agrar-Gesellschaft aus Frohburg, die zuvor auf 4.000 Tonnen Kartoffeln sitzengeblieben war. Die Bauern südlich von Leipzig starteten zunächst eine Verteilaktion in Berlin, gemeinsam mit der „Berliner Morgenpost“ und der Internet-Suchmaschine Ecosia.
Sachsen-Kartoffeln nach Berlin? „Das kann ja nicht sein“
Das rief die Zeitungskollegen in Leipzig auf den Plan: „Als wir die Nachricht gehört haben, dass in unserem Verbreitungsgebiet Kartoffeln übrig sind und die nach Berlin gehen sollen, da haben wir bei der LVZ gedacht, das kann ja nicht sein, sächsische Kartoffeln sollen doch auch in Sachsen Gutes tun“, erzählt Hannah Suppa, die Chefredakteurin der „Leipziger Volkszeitung“, über den Beginn der Aktion. Auch die „Sächsische Zeitung“ in Dresden wurde ins Boot geholt.
Elf Tafeln im Freistaat beteiligt
Als Abnehmer fanden sich die Tafeln in Sachsen. Der Landesvorsitzende Stephan Trutschler berichtet von „zwei Tagen gefühlter Standleitungen quer durch den Freistaat“, um das Ganze zu organisieren: „Elf Tafeln sind insgesamt mit dabei, das finde ich sehr schön.“ Für ihn ist der Besuch in Leipzig seine letzte Amtshandlung, bevor er den Staffelstab bei den Tafeln übergibt.
Größte Menge geht nach Grimma
Die Mindestmenge bei der Annahme betrage eine Tonne. Mit vier Tonnen ginge die höchste Menge nach Grimma. Dort seien genug Lagermöglichkeiten vorhanden. „Die große Herausforderung war ja nicht nur, wer will Kartoffeln, sondern wer ist auch in der Lage, so große Mengen abzunehmen und so zu lagern, dass es der Kartoffel nicht schadet“, sagte Hannah Suppa MDR SACHSEN.
Die Kosten für Transport und Logistik übernahm in Sachsen die Stiftung „Lichtblick“ der LVZ und der SZ.
In Leipzig hievte ein Gabelstapler große weiße Säcke, die einem überdimensionierten Kopfkissen ähneln, aus dem Anhänger eines großen Lkw. Darin waren die wertvollen Kartoffeln.
Auch Osterland-Geschäftsführer Hans-Joachim von Massow packte beim Ausladen in der Zentrale der Leipziger Tafel in Lindenau mit an: „Viele Bauern haben 2025 eine Rekordernte eingefahren. Wir haben 4.000 Tonnen, die nicht mehr vertraglich gebunden sind, und die wollen wir so nutzen, dass möglichst viele Menschen daran Freude haben.“
Rund 500 Tonnen sind weg
Nach Auskunft seines Mit-Geschäftsführers Markus Wiggert seien bislang 500 Tonnen weg. Man wolle die Kartoffeln „nicht irgendwohin schmeißen“, sondern suche Sponsoren, um sie zu verschenken. Denn das Packen der Erdäpfel sowie die Fahrten und das Ausliefern kosteten Geld: „Die Tafel wollen eine deutschlandweite Sache daraus machen und suchen ebenfalls Sponsoren“ berichtet Wiggert MDR SACHSEN.
Einer Anfrage für die Ukraine stehe die Firma „extrem wohlwollend“ gegenüber. Allerdings sei es bei Transporten in das Nicht-EU-Ausland nicht so einfach. Da gehe es zum Beispiel um Unbedenklichkeiten in Sachen Schädlingen. Bei den aktuellen Frosttemperaturen würden die Kartoffeln auch keine Drei-Tages-Tour im Lkw überstehen: „Es darf nur minimal über Null sein.“
Sorte „Agria“ vor allem für Pommes angebaut
Bei der Sorte handele es sich um „Agria. Das ist eine sehr universelle Kartoffel, die haben wir angebaut, um daraus Pommes machen zu lassen. Aber wir können sie auch sehr gut in den Küchen als Speisekartoffel nutzen.“