„Welle“ heißt eine Skulptur von Niclas Anatol. Wie es sich für eine Welle gehört, ist sie beweglich. Die Skulpturen sind voller Überraschungen, sie bieten Durchblicke. Bei einer ist der Marmor nur auf der Innenseite ganz glatt. Außen sind die Arbeitsspuren zu sehen. Steinbildhauerei ist eine harte, laute und schmutzige Arbeit.
Niclas Anatol lebt in zwei Welten
Der Künstler Niclas Anatol lebt ein halbes Jahr in Wien und ein halbes Jahr in Kärnten. Im Sommer entstehen im Krastal die Skulpturen, in Winter die Bilder und Zeichnungen im Atelier. Derzeit zeigt der Künstler in der Galerie Freihausgasse in Villach eine Werkschau mit der ganzen Bandbreite seines Könnens.
Trotzdem liebt Anatol dieses widerspenstige Material und arbeitet schon seit zehn Jahren im Steinbruch Krastal: „Ich habe mein Material gefunden. Den Widerstand, den das Material erzeugt, den brauche ich.“ In der Ausstellung sind kleinere Skulpturen zu sehen. Durch fast alle Skulpturen kann man durchschauen und sieht dann großformatige abstrakte Bilder.
Ausgangspunkt waren Fotos von der Oberfläche des Mars: „Was ich auch spannend gefunden habe, dass jeder Stein einen Namen hat. Es ist mir aber nicht wichtig, dass man sieht, dass es der Mars ist. Es war für mich nur irgendwie die Faszination des Unberührten. Da war noch nie jemand oben, es weiß eigentlich keiner, wie das wirklich ausschaut.“
Skulpturen bieten neue Perspektiven auf Bilder
Bilder und Skulpturen gehören zusammen. Erst der Blick durch die hohen Skulpturen auf die Bilder erzeugt einen Sog. Es entsteht so etwas wie ein Wurmloch, das einen in eine ferne Galaxie transportiert. Es geht viel um das Sehen und das Erkunden. Hier ist fast alles möglich und nichts ist fix, schon gar nichts bei den Steinen: „Es stellt sich dann ein Gefühl ein, wo der Stein spricht zu mir und mir dann sagt, was zu tun ist. Ich brauche da gar nicht viel nachdenken, sondern es ist eine Kommunikation mit dem Stein. Deswegen ist der Stein für mich jetzt kein passives Medium, sondern ein aktiver Mitarbeiter, kann man sagen“, so der Künstler.
Fotostrecke mit 10 Bildern
Skulptur aus Steuererklärungen
Im Zwischenstock ließ der Anatol eine ganze Unterwasserwelt aus 60 kleinformatigen Bildern und einigen Skulpturen entstehen. Hier kann man sogar Seepferdchen entdecken: „Meine Bilder wirken abstrakt und da tauchen dann unbewusst natürlich immer wieder Sachen auf, die man entdeckt. Die sind aber nicht gesteuert, das ergibt sich und gehört dazu.“
Alles geht ineinander über und ist ständig in Bewegung. Der Künstler gibt zu, dass ihm schnell langweilig wird, also macht er einfach immer weiter und entdeckt ganz neue Ausdrucksmöglichkeiten. Das gilt auch für seine große Leidenschaft, die Zeichnungen. Es ist aber auch ein völlig anderes Werk zu sehen, weder Stein noch Zeichnung: Eine Skulptur aus Papier, darunter auch Steuererklärungen, die mit Klarsichtfolie umwickelt ist und sich immer noch erweitern lässt.
Die Ausstellung „Formen des Unfassbaren“ ist bis 28. Februar Galerie Freihausasse in Villach zu sehen.