Zum Interview kommt Musiker Stefan Gwildis nicht allein. Begleitet wird er von seiner Partnerin Ivana Hammerle-Szmyt. Die in Düsseldorf lebende Künstlerin hat den gebürtigen Hamburger an den Rhein gelockt – und sie war es auch, die den Musiker und Schauspieler selbst zum Pinsel greifen ließ. Doch der Reihe nach.

Das Paar sitzt bei kleinen Snacks an der „Schinken Bar“ bei Zurheide im Crown, genießt bei einem Glas Wein die Anonymität. „Wir mögen die Atmosphäre hier“, sagt Gwildis, der noch am gleichen Abend wieder zurück nach Hamburg fahren muss. Die Tour zu seinem Jubiläum – 50 Jahre auf der Bühne – will vorbereitet sein. Diese Tour wird ihn am 31. Januar auch ins Savoy-Theater führen.

Das Konzert, bei dem er seine neue Doppel-CD „Das war doch grad’ erst eben“ vorstellt, ist fast ein kleines Heimspiel, denn Gwildis pendelt seit er Ivana Hammerle-Szmyt 2021 kennengelernt hat, zwischen Elbe und Rhein.

Apropos kennengelernt. Wie haben sie sich getroffen? „Während der Pandemie habe ich etwas mehr bei Instagram reingeschaut, was so los ist“, erinnert sich Gwildis. Dabei stieß er auf die Seite von Hammerle-Szmyt, die seine Posts kommentiert hatte. Ihm gefielen die Beiträge der Künstlerin und er schrieb ihr eine Nachricht. Sie antwortete und bald schon verabredeten sich die beiden für einen weiteren Austausch am Telefon. Die Chemie stimmte, aus den langen Gesprächen wurden Treffen. „Es hat schon mächtig zwischen uns gefunkt“, sagt der 67-Jährige.

Was die beiden vereint, ist auch die Liebe zur Musik und zur Kunst. „Durch Ivana habe ich Malerei noch einmal mit ganz neuem Blick betrachtet“, schwärmt Gwildis. Da sich die Künstlerin in Düsseldorf sehr wohl fühlt und den Rhein nicht verlassen wollte, entschied der Hamburger Jung, der seinen Wurzeln im Norden treu bleiben will, zu pendeln. Die Verbindung der beiden ist so stark, dass sie das schon seit gut fünf Jahren aushält; wenn Ivana auch zugibt: „Ich vermisse dich schon in dem Moment, wenn du wieder ins Auto steigst.“

Aber genau diese Distanz ist es auch, die den Songschreiber Gwildis inspiriert. „Als ich frisch in Ivana verknallt war, habe ich auf den langen Autofahrten getextet. Viele meiner Lieder handeln deshalb von ihr“, verrät der Vater eines Sohnes.

Schon als kleiner Junge begeisterte sich Gwildis für die Musik, machte erste Gesangsübungen im Elternhaus. Zunächst entschied er sich jedoch, eine Ausbildung für Fecht- und Stuntszenen am Hamburger Thalia-Theater zu machen. Anfang der 1980er begann er seine musikalische Karriere. Gemeinsam mit Rolf Claussen gründete er das Duo „Aprilfrisch“. Parallel verdiente er sein Geld als Straßenmusiker und weil das nicht genug zum Leben einbrachte, verdingte sich Gwildis als Lkw-Fahrer, Lagerarbeiter, Sonnenbankaufsteller oder Weihnachtsmann. In den 90ern konnte er sich mehr und mehr auf die Musik konzentrieren. 1998 startete Stefan Gwildis schließlich mit seiner eigenen Band „The Drückerkolonne“ und mit dem 2000er-Album „Komms zu nix“ als Solokünstler durch.

Einem großen Publikum wurde das Nordlicht 2003 mit der Veröffentlichung von „Neues Spiel“ bekannt. Dafür hatte er Soulklassiker eingedeutscht und traf damit genau den Geschmack des Publikums. Gwildis-Konzerte reißen die Fans schon nach wenigen Minuten von den Sitzen. Die Energie des Hamburgers überträgt sich in den Saal. Den Ausgleich zum kräftezehrenden Touralltag findet der Musiker in der Malerei und bei Reisen mit Partnerin Ivana. „Wir lieben es, gemeinsam neue Orte zu entdecken“, schwärmt sie. Bei all dem Trubel schätzt Gwildis aber auch die Phasen der Ruhe, in seinem mitten im Wald gelegenen Haus vor den Toren Hamburgs.

Die beiden seien auch nach fünf Jahren Fernbeziehung immer noch „schwer verliebt“. So intensiv sie die gemeinsame Zeit erleben, so können sie sich, wenn sie nicht zusammen sind, auf ihre jeweiligen Projekte konzentrieren. Beide sind sozial engagiert. „Gerade in diesen stürmischen Zeiten finden wir das wichtig“, sagen sie. Gwildis unterstützt mit gemeinsamen Auftritten den inklusiven Gebärdenchor HandsUp. Seine Partnerin Ivana versteigert ihre Bilder immer wieder für gute Zwecke.