Bei „Maischberger“ geraten AfD-Chef Tino Chrupalla und Hubertus Heil aneinander. Heil, Sozialdemokrat und Transatlantiker, verurteilt den US-Anspruch auf Grönland scharf. Chrupalla scheint seinen außenpolitischen Kurs noch zu suchen. Dann wird es hitzig.

Ein Schlagabtausch zwischen SPD und AfD: In der Sendung von Sandra Maischberger am Mittwochabend ging es einmal mehr um US-Präsident Donald Trump, Grönland und Europas Rolle zwischen Abhängigkeit und Abgrenzung – und um die Frage, wer hier eigentlich wessen Interessen vertritt.

Im Studio trafen mit Ex-SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil, inzwischen Außenpolitiker, und AfD-Chef Tino Chrupalla außenpolitisch zwei Weltbilder aufeinander. Der Transatlantiker Heil zeichnete nach, wie sich Europa und die USA entfremdeten „Wir können uns auf diese Freundschaft auf Regierungsebene nicht mehr verlassen.“ Europa müsse unabhängiger werden, neue Bündnisse suchen – ein „Weckruf“, wie er es nannte.

Chrupalla wiederum schien seine Position bei „Maischberger“ noch zu suchen. Eigentlich ist er ein Vertreter des russlandfreundlichen Flügels der AfD; er hatte im Ukraine-Krieg wiederholt für Zugeständnisse an Moskau plädiert. Zugleich steht er inzwischen unter Druck, weil Teile der AfD außenpolitisch stärker auf Trump setzen, dessen Kurs offen unterstützen und mit Wahlkampfhilfe belohnt werden.

So zeigte auch Chrupalla grundsätzliches Verständnis für Trumps Politik des Stärkeren. „Das ist die Form der Außenpolitik, die wir erleben“, sagte der AfD-Chef. „Das haben wir in Grönland erlebt. Wir wissen auch, was die Gründe sind“, so Chrupalla und verwies auf den Raketenabwehrschirm Golden Dome und eine Kontrolle des Nordatlantiks durch die Amerikaner. „Diese Interessen müssen berücksichtigt werden.“ Auch Deutschland und Europa müssten ihre Interessen in den Raum werfen. „Die Deutschen Interessen sind nicht deckungsgleich mit den amerikanischen, das haben wir immer gesagt“, sagte Chrupalla.

Hubertus Heil reagierte auf die Ausführung des AfD-Politikers zunehmend ungehalten. „Ich kann mich nur fragen, wie Sie sich Patriot nennen können“, sagte er und warf Chrupalla vor, sich einer klaren Position zum Thema Grönland zu verweigern. Trumps Vorgehen sei eine „versuchte Erpressung“, Europa dürfe sich dem nicht beugen. „Wir dürfen uns nicht kleinmachen, wir dürfen nicht hinterherschleimen“, sagte Heil. Man werde zwar weiter mit den USA sprechen müssen, „aber wir werden als Europäer rote Linien aufzeigen müssen, um uns zu wehren.“

Erst auf Nachfrage der Moderatorin äußerte sich Chrupalla klar zu Grönland. „Natürlich gehört es zu Europa, gehört es zu Dänemark“, sagte er. Als die Moderatorin den AfD-Bundestagsabgeordneten Maximilian Krah und dessen Positionen ansprach, reagierte Chrupalla demonstrativ distanziert: „Wer ist jetzt Herr Krah?“

Bei der Bewertung der Trump-Politik blieb Chrupalla bei seinem verständnisvollen Kurs. „Ich würde nicht von Aggressor sprechen“, sagte er, als die Moderatorin erneut auf den US-Präsidenten zu sprechen kam, und nannte dessen Vorgehen einen „gewöhnungsbedürftigen Umgang“. Maischberger drängte auf eine klare Einordnung: „Ist er ein Imperialist oder nicht?“ Chrupalla wich aus, verwies stattdessen auf andere Konflikte und sagte mit Blick auf Venezuela: „Ich halte das für kritisch.“ Die Frage nach Trumps Gebietsansprüchen ließ er weiter unbeantwortet. Stattdessen relativierte er: „Imperialist, Kriegsverbrecher – das sind doch auch alles Titulierungen, die man trifft.“

Chrupalla: „Wir werden akzeptieren müssen, dass die Krim zu Russland gehört“

Als es um die Ukraine ging, wurde der Ton wieder schärfer. Chrupalla erklärte: „Wir werden akzeptieren müssen, dass die Krim zu Russland gehört, ob uns das gefällt oder nicht.“ Auf den Hinweis Maischbergers, dass er in einem Interview auch von möglichen Kompromissen gesprochen habe, räumte Chrupalla ein, es lägen auch „Teile, die noch nicht erobert sind“, auf dem Tisch. Auch zählte er Verzicht der Ukraine auf einen Eintritt in die Nato dazu.

Heil reagierte empört. Das seien „Kreml-Punkte“, urteilte er. „Sie sind das trojanische Pferd in Deutschland“, warf er Chrupalla dann vor und ergänzte: „Sie sind einer, der Täter-Opfer-Umkehr macht.“ Chrupalla verteidigte sich: „Es muss um Frieden gehen.“ Heil konterte: „Frieden ist nicht nur die Abwesenheit gegenwärtiger Gewalt.“

Dann eskalierte das Gespräch endgültig, beide fielen sich wiederholt ins Wort. Als Chrupalla sich weigerte, die russischen Luftangriffe auf zivile Ziele in Kiew klar als Kriegsverbrechen zu benennen – mit dem Verweis „Das müssen Gerichte machen“ – hakte Heil nach. Chrupalla sagte schließlich: „Ich würde schon sagen, dass es ein Verbrechen ist, keine Frage“, vermied aber eine eindeutige Position. „Warum verniedlichen Sie das?“, fragte Heil. Chrupalla reagierte gereizt: „Werden Sie doch jetzt nicht affig.“ Er mache „genug für den Frieden“.

Für Heil war das zu wenig. „Der Frieden der Ukraine ist Ihnen scheißegal“, sagte er in Richtung AfD-Chef und fragte direkt: „Putins Interessen vertreten?“ Chrupalla wich wieder aus. Auch bei der Frage, ob er eine Einladung zu Trumps angekündigtem „Friedensrat“ annehmen würde, blieb er unentschieden. Heil hingegen zog eine klare Grenze: „Nein, wir wollen keinen Club der Autoritären.“ Europa müsse sich verteidigen – politisch wie moralisch.

Chrupallas Argumentation wirkte nicht wie eine spontan erfolgte Zuspitzung, sondern wie die Fortsetzung einer Linie, die er jüngst auch in einem Interview mit der WELT AM SONNTAG vertreten hatte. Sein Kurs gegenüber Trump, das Beharren auf „Realität“ und die Forderung nach schmerzhaften Kompromissen in der Ukraine-Frage hatte er dort bereits ähnlich formuliert. „Maischberger“ zeigte an diesem Abend, wie brüchig Gewissheiten geworden sind und wie verhärtet politische Debatten geführt werden, wenn Grundfragen von Loyalität, Verantwortung und Moral aufeinandertreffen.