Szene aus dem Film "Die Stimme von Hind Rajab": Ein Mann hält ein Foto hoch, das ein Mädchen mit langen Haaren zeigt

AUDIO: Filmtipp: „Die Stimme von Hind Rajab“ (5 Min)

Stand: 24.01.2026 08:31 Uhr

„Die Stimme von Hind Rajab“, Gewinner des Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig 2025, ist für den Oscar für den besten internationalen Film nominiert. Brad Pitt, Joaquin Phoenix, Spike Lee und Michael Moore fungierten als Koproduzenten.

29. Januar 2024, Einsatzzentrale des Roten Halbmonds im Westjordanland. Omar, einer der Mitarbeiter, der die Anrufe entgegennimmt, versucht am Telefon den Namen eines fünfjährigen Kindes herauszufinden, das in einem vom israelischen Militär zerschossenen Auto eingeschlossen um Hilfe fleht.

„Ein Kind um sein Leben betteln zu hören, das vergisst man nicht so leicht. Ihre Stimme hat mich verfolgt. Aus Wut, Ohnmacht und Traurigkeit ist die Idee zu diesem Film entstanden, um wenigstens etwas zu tun und um Hind ihre Stimme zurückzugeben.“ Das sagt die Regisseurin Kaouther Ben Hania zu ihrem mit palästinensischen Schauspielern nachgestellten hybriden Dokudrama, das als fiktionales, 90-minütiges Kammerspiel aufgebaut ist und den unabhängig dokumentierten Fall des Todes von Hind Rajab und seiner flüchtenden Familie zum Inhalt hat.

Video:
Trailer zum Film: „Die Stimme von Hind Rajab“ (1 Min)

Rettungseinsatz wird zur tödlichen Falle

Omar und eine Kollegin versuchen von dem völlig verstörten, einsilbig antwortenden Kind, das zwischen toten Familienangehörigen im Auto sitzt, seinen Standort zu erfragen und es gleichzeitig zu beruhigen. Immer wieder hört man Schüsse, bricht der authentische 70-minütige Telefonkontakt ab – während man im Hintergrund fieberhaft nach Möglichkeiten sucht, zu helfen. Ein Rettungswagen des Roten Halbmonds wäre nur wenige Minuten von dem Mädchen entfernt, doch ohne die erteilte Sicherheitsfreigabe des israelischen Militärs kann die Leitstelle diesen nicht auf den gefährlichen Weg lotsen – es könnte das Leben ihrer Mitarbeiter kosten.

Der Leiter der Einsatzzentrale, der von dem verzweifelten Omar der Untätigkeit und damit Mitschuld am möglichen Tod des Mädchens geziehen wird, verweist auf die bereits bei derartigen Einsätzen gestorbenen Kollegen – auf einem Plakat werden sie als Märtyrer betitelt. Schließlich kann doch ein Rettungswagen losgeschickt werden; er wird beschossen, und die Sanitäter sterben. Wie letztlich auch Hind Rajab. Am Ende des Films werden die authentischen Fernsehbilder der beiden zerstörten Fahrzeuge in der surrealen Trümmerlandschaft gezeigt.

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Der neue Kinojahrgang ist vielversprechend – etwa mit einem Thriller von Steven Spielberg, „Der Teufel trägt Prada 2“, „Hamnet“ und dem Liebesfilm „Sturmhöhe“.

Zwischen Empathie und Propaganda-Vorwurf

Diese Chronik eines angekündigten Todes ist grausam, real und gekonnt suggestiv zugleich. Und blendet dabei den politischen Kontext, den Überfall der Hamas und die schrecklichen Morde des 7. Oktober völlig aus, was dem Film den Vorwurf der Einseitigkeit und propalästinensischen Propaganda einbrachte. „Propaganda ist ein Instrument der Mächtigen; sie nutzen Propaganda, um ihre Macht zu legitimieren“ stellt die Regisseurin fest. „Welche Macht hatte denn Hind Rajab? Sie hatte keine. Mir geht es darum, Kino zu einem Ort der Empathie und der gemeinsamen Menschlichkeit zu machen.“

„Die Stimme von Hind Rajab“ trifft mitten ins Herz

Dieser dramaturgisch gekonnt minimalistisch konstruierte Film zielt ohne Umweg über den Kopf auf das Herz, ist implizit absolut parteiisch – ohne jedoch plattes Betroffenheitskino zu sein. Er entwickelt eine manipulative Wucht, die einen wütend wie tief betroffen zugleich werden lässt. Es ist die zwingende, auswegslose Fokussierung auf das Leid, auf das einzelne Schicksal, das Kritiker aber auch polemisch von der „Hollywoodisierung des Mitgefühls“ sprechen ließ. Das Kino als Agitationsraum – im Dilemma zwischen Ideologie, Ästhetik und Trivialisierung.

Doch: Mit Opfern kann man final nur Mitleid haben – auf allen Seiten, meint die Regisseurin. Ihr Film soll etwas bewirken: „Dieser Film handelt von Ohnmacht. Das Gefühl, das ich hatte, als ich Hinds Stimme hörte, wollte ich an das Publikum weitergeben. Aber ich wünsche mir, dass niemand in dieser Ohnmacht verharrt, sondern ins Handeln kommt. Ich habe diesen Film gemacht – aber jeder kann etwas tun, um Teil von Veränderung zu sein.“

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Die Oscar-Kandidaten 2026 stehen fest: Mascha Schilinskis Drama „In die Sonne schauen“ ist nicht dabei. Ein Film mit deutscher Ko-Produktion schafft es auf neun Nominierungen.

Szene aus dem Film "Die Stimme von Hind Rajab": Ein Mann hält ein Foto hoch, das ein Mädchen mit langen Haaren zeigt

Die Stimme von Hind Rajab

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2025
Produktionsland:
Tunesien, Frankreich
Zusatzinfo:
mit Amer Hlehel, Clara Khoury, Motaz Malhees und anderen
Regie:
Kaouther Ben Hania
Länge:
90 Minuten
Altersempfehlung:
ab 12 Jahren
Kinostart:
22. Januar 2026