Aus Sicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ist die oft von Arbeitgebern eingeforderte Krankschreibung in den ersten drei Tagen ein Problem. Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, sagte der Nachrichtenagentur KNA: „Wir plädieren dafür, diese Regelung ganz abzuschaffen – telefonisch, vor Ort oder digital“. Niemand, der krank ist, müsse sich dies in den ersten drei Tagen von einem Arzt bestätigen lassen. Derzeit gebe es noch 27 Millionen solcher Fälle.
Dass Hausärzte und Kinderärzte an der telefonischen Krankschreibung festhalten wollen, hält Gassen in der aktuellen Situation für nachvollziehbar. Bei den sogenannten Kinderkrankentagen sollte das ärztliche Attest in den ersten drei Tagen ihm zufolge ebenfalls abgeschafft werden. Das Kind werde krank zu Hause betreut, müsse gar nicht zum Arzt und die Eltern benötigten ein ärztliches Attest für den Arbeitgeber.
„Kein ärztliches Attest in den ersten drei Tagen wäre kein Freifahrtschein für Blaumacher“, sagte Gassen. Wer sich ein ärztliches Attest erschleichen wolle, schaffe das bereits jetzt, auch in der Arztpraxis. Gassens Ansicht nach könnten die Arbeitgeber es entweder auf Vertrauensbasis handhaben, allerdings sei auch ein Bonus für diejenigen, die sich nicht krank meldeten, denkbar. Andere Arbeitgeber führten womöglich einen unbezahlten Karenztag ein, an dem ein Arbeitnehmer ohne Gründe einen Tag nicht zur Arbeit erscheinen kann. Diese Regelung gebe es in vielen Ländern.
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Überprüfung der telefonischen Krankschreibung
In den vergangenen Tagen gab es in Deutschland heftige Debatten um die Krankschreibung. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Baden-Württemberg den aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand kritisiert und eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung gefordert. Nach Merz’ Äußerungen kündigte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) am Montag eine Überprüfung an.
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Je nach Krankenkasse variiert die Zahl der durchschnittlichen Krankschreibungen von 19 bis teils 22 Tagen und mehr pro Jahr. Aus Sicht der Kassen liegt dies aber vorrangig an Langzeitkrankmeldungen. Laut dem Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung machen telefonische Krankschreibungen bundesweit nur 0,9 Prozent aller Fälle aus. Die Daten stammen vom Herbst 2025.