• Die Kunstsammlungen Chemnitz setzen sich 2026 in einer Vielzahl von Ausstellungen mit Utopien und Mythen auseinander.
  • Mit Ausstellungen zu Käthe Kollwitz und zum Künstlerpaar Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer werden vor allem eigene Sammlungsstücke gezeigt.
  • Trotz Sparpolitik will Generaldirektorin Florence Thurmes aber auch die Internationalität von Chemnitz hochhalten.

Bei ihrem Ausblick auf das Jahresprogramm 2026 zogen die Kunstsammlungen Chemnitz am Freitag zunächst eine positive Bilanz des letzten Jahres. 253.000 Besucherinnen und Besucher konnten laut Sammlungen während des Kulturhauptstadtjahres begrüßt werden. Die Munch-Ausstellung und die Schau „European Realities“ im Museum Gunzenhauser zogen besonders viel Publikum an.

Chemnitz 2026: Kunst zwischen Utopie, Alltag und Mythos

Von dieser großen Aufmerksamkeit erhoffen sich die Kunstsammlungen einen Schub für das laufende Jahr. Doch auch inhaltlich werde der Anschluss an 2025 gesucht. Im Zentrum stünden die großen Themen Utopie und Mythos, sagte Generaldirektorin Florence Thurmes MDR KULTUR.

Was sind heutige Utopien, wie können wir eine bessere Gesellschaft hinterlassen, wie können wir in Zukunft besser zusammenleben?

Florence Thurmes, Generaldirektorin der Chemnitzer Kunstsammlungen

Man beobachte, was gerade in der Gesellschaft passiert, so Thurmes: „Und da sind es natürlich sehr große Erzählungen, die uns bewegen – oder große, meistens schwerwiegende Nachrichten.“

Und man versuche, einen Gegenpol zu schaffen: „Was sind heutige Utopien, wie können wir eine bessere Gesellschaft hinterlassen, wie können wir in Zukunft besser zusammenleben? Und ich glaube, das sind Fragestellungen, die viel zu kurz kommen in der aktuellen Zeit.“

Den Auftakt zum Themenkomplex bildet ab dem 11. April die Ausstellung „Utopia. Recht auf Hoffnung“, eine Co-Produktion mit dem Kunstmuseum Wolfsburg. Die Ausstellung versammelt laut Ankündigung internationale Positionen der zeitgenössischen Kunst, die angesichts globaler Krisen konkrete Ideen für ein gerechteres und nachhaltigeres Zusammenleben entwerfen.

Ausstellungen geplant zu Käthe Kollwitz und Wolfgang Mattheuer

Mit zwei großen Werkschauen soll in diesem Jahr auch gezeigt werden, wie bedeutend die hauseigenen Sammlungen sind. Ab dem 7. Mai widmet sich die Ausstellung „Spuren der Nähe“ einer der wichtigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts: Käthe Kollwitz.

Über 90 druckgrafische Arbeiten befinden sich im Bestand, darunter ihre berühmten Zyklen „Ein Weberaufstand“ und „Bauernkrieg“. Nach fast 40 Jahren werden beide erstmals wieder in Chemnitz zu sehen sein.

Kollwitz‘ Arbeiten, die sich um Themen wie Krieg, Frieden, Sehnsucht, soziales Engagement und den Menschen drehen, sollen zudem in einen Dialog mit zeitgenössischen fotografischen Arbeiten treten.

Ein weiterer Jahreshöhepunkt soll die Doppelausstellung „Allegorien des Lebens. Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer“ sein, die ab dem 3. Oktober anlässlich der 100. Geburtstage beider Künstler gezeigt wird.

Von Wolfgang Mattheuer befindet sich fast das ganze druckgrafische Werk im Bestand der Sammlungen. Von seiner Frau Ursula Mattheuer-Neustadt sind es zwar nur sieben Zeichnungen und Druckgrafiken. Doch in der Jubiläumsschau sollen sich beide auf Augenhöhe begegnen, so Kuratorin Diana Kopke, „in Liebe vereint“.

Gunzenhauser Museum: Fokus auf Essen in der Kunst

Das Gunzenhauser Museum, in dem 2026 der 100. Geburtstag des Stifters Alfred Gunzenhauser gefeiert wird, setzt einen Schwerpunkt auf das Essen – mit einer dreiteiligen Ausstellungsreihe „Mahlzeit“.

Den Auftakt macht eine sogenannte „Feinkunsthalle“, die wie ein Supermarkt mit den hauseigenen Werken inszeniert wird, so Museumsleiterin Anja Richter. So könne man etwa darüber nachdenken, was Karl Schmidt-Rottluffs „Kohlkopf“, der während des Krieges entstand ist, über seine Zeit aussage.

Das Schloßbergmuseum spürt in seinem Programm 2026 verschiedenen Räumen und Erinnerungen nach. In der Ausstellung „Ganz rein! Jüdische Ritualbäder“ zeigen Fotografien von Peter Seidel unter anderem jüdische Ritualbäder in Europa – zu sehen ab dem 29. März. Generell soll es darum gehen, neue Perspektiven auf jüdische Kultur, Architekturgeschichte und religiöse Praxis zu eröffnen.

Kuratieren trotz Sparmaßnahmen

Trotz des Erfolgs im letzten Jahr müssen die Kunstsammlungen im Jahr 2026 allerdings aufgrund von Sparmaßnahmen gut haushalten, so Generaldirektorin Thurmes. Das wirke sich auch auf das Programm aus. Beispielsweise werden Sonderausstellungen über einen längeren Zeitraum gezeigt, zum Teil bis zu einem halben Jahr. Durch das Ausstellen eigener Bestände ließen sich außerdem Transportkosten sparen.

Auf der anderen Seite seien aber auch internationale Leihgaben wichtig: „Wir sind als Museen und Kulturinstitutionen diejenigen, die auch Internationalität hineinbringen können, um nicht nur in diesem Lokalen und Regionalen verhaftet zu sein“, so Thurmes. Das werde in den nächsten Jahren ein schwieriger Balanceakt.

Quellen: MDR KULTUR (Grit Krause), Kunstsammlungen Chemnitz,
Redaktionelle Bearbeitung: lm