Halle. Bilder von Kundinnen und Kunden, die – wie beispielsweise in Gelsenkirchen – gerade vor der Kreissparkasse Halle-Wiedenbrück protestieren, gibt es keine. Und dennoch steht die Bank aktuell ganz schön im Feuer: bei den Menschen, die hier ihr Geld angelegt oder Wertgegenstände deponiert haben. Bei den Ermittlerinnen und Ermittlern von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei. Und vermutlich auch bei den zuständigen Versicherungen. Schließlich geht es hier um eine Schadenssumme im sechsstelligen Bereich. Alle miteinander wollen wissen, wieso hier am 30. Dezember während des laufenden Betriebes vier Schließfächer geknackt und ausgeraubt sowie vier weitere beschädigt werden konnten. Die Masse an Ungereimtheiten lässt das Kreditinstitut dabei alles andere als souverän dastehen.

Die mutmaßlichen Täter hielten sich an jenem Dienstag kurz vor Silvester zwischen 12.35 und 13.15 Uhr im Gebäude auf. Wie Überwachungskameras dokumentiert haben, nutzten sie ganz offenbar den Haupteingang an der Bahnhofstraße, um erst rein- und später wieder rauszugehen.

Dass schon hier niemand stutzig geworden ist, also weder das Personal der Kreissparkasse noch die anwesenden Kundinnen und Kunden, ist schwer nachvollziehbar. Immerhin waren die beiden Typen komplett vermummt und obendrein mit zwei Rollkoffern und einem Rucksack ausgestattet, als sie durch die Halle der Kreissparkasse hin bis zum Treppenhaus und dann runter zu den Schließfächern im Keller spaziert sind.

Standen die Türen des Tresorraumes der Kreissparkasse Halle-Wiedenbrück etwa offen?


So sieht einer der mutmaßlichen Täter aus, der beim Einbruch in den Tresor der Haller Kreissparkasse beteiligt gewesen sein soll. - © Polizei Gütersloh

So sieht einer der mutmaßlichen Täter aus, der beim Einbruch in den Tresor der Haller Kreissparkasse beteiligt gewesen sein soll.
| © Polizei Gütersloh

Zur Erinnerung: Die beiden Männer werden als schlank beschrieben, einer trug dunkle Hose, dunkle Jacke mit hellem Pelzrand an der Kapuze und schwarze Sneaker mit weißen Streifen. Der andere trug blaue Jeans, schwarze Jacke, dunkelblaue Basecap und braune Schuhe mit weißer Sohle. Fahndungsfotos hat die Polizei veröffentlicht. Die Frage ist allerdings, warum es die überhaupt braucht, denn zum Zeitpunkt der Tat konnten die Schließfachkunden mit Karte und PIN in den Vorraum gelangen, um ihr Fach mit einem Schlüssel zu öffnen. Vorgänge, die natürlich digital erfasst und registriert werden. Aber offenbar gibt es diese Daten zu den Gesuchten bei der Kreissparkasse nicht.

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Dafür wiederum kann es nur zwei Erklärungen geben: Entweder wurden die Daten gelöscht – das ist definitiv die unwahrscheinlichere Variante. Oder die Täter sind ohne PIN und Karte in den Tresorraum gelangt, ganz unspektakulär. Womöglich konnten sie einfach hereingehen, denn wie die Polizei gegenüber unserer Zeitung bestätigt hat, gibt es am Tresorraum keinerlei Aufbruchspuren. Und das bedeutet natürlich nichts anderes, als dass die Türen unverschlossen waren. Ob sie das wussten, steht noch auf einem ganz anderen Blatt.

Wieso reagierte niemand angemessen schnell auf die Alarmanlage in der Bank?


So sah der zweite Mann aus, der mutmaßlich an dem Aufbruch der Schließfächer am 30. Dezember beteiligt war. - © Polizei Gütersloh

So sah der zweite Mann aus, der mutmaßlich an dem Aufbruch der Schließfächer am 30. Dezember beteiligt war.
| © Polizei Gütersloh

Wie die Männer als Nächstes die Schließfächer geöffnet haben – ob mit der Brechstange, mit einer Flex oder anderem Gerät –, dazu macht die Polizei keine Angaben. In jedem Fall müssen sie bei ihrer Aktion aber ordentlich Krach verursacht haben, was ebenfalls niemandem aufgefallen sein soll. Dass sich der Tresorraum im Keller der Bank befindet, kann dabei nicht wirklich die Begründung sein.

Nicht zuletzt hat die Polizei bestätigt, dass es in dem Geldinstitut eine Alarmanlage gibt. Kein Modell, das bei Gefahr laute Sirenengeräusche ertönen lässt, vielmehr löse die Anlage still aus, wie es heißt. Hinweise, dass sie an diesem Tag ihren Dienst versagt hat, gibt es keine. Und damit stellt sich die nächste Frage: Warum hat auf den Alarm aus den Reihen der Belegschaft offenbar niemand angemessen schnell reagiert?

Niemand in der Sparkasse hielt vermummte Männer mit Rollkoffern und Rucksack auf


Über den Eingang an der Bahnhofstraße sind die mutmaßlichen Täter in die Bank rein- und wieder rausgegangen. - © Uwe Pollmeier

Über den Eingang an der Bahnhofstraße sind die mutmaßlichen Täter in die Bank rein- und wieder rausgegangen.
| © Uwe Pollmeier

Und so schafften es die mutmaßlichen Täter am Ende, ebenso unbehelligt wie schon auf dem Hinweg die Bank, die obendrein auch noch neben der Haller Polizeiwache liegt, auch wieder zu verlassen: komplett vermummt und obendrein mit zwei Rollkoffern und einem Rucksack ausgestattet. Ein weiteres Mal wurde niemand stutzig – weder das Personal der Kreissparkasse noch die Kundinnen und Kunden. Das alles muss man erst mal hinkriegen!

Hoffentlich bringen die Ermittlerinnen und Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft schnell Licht ins Dunkel. Zurzeit jedenfalls sieht alles noch nach einem Desaster für die Kreissparkasse Halle-Wiedenbrück aus.

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