Tunnel mindestens drei Mal teurer als Brücke

Rund 150 Millionen Euro würde so ein Tunnel kosten. Hinzu kämen weitere 40 Millionen für die Planung und den Erhalt, rechnete Kraushaar vor. Die Mehrkosten würde der Bund nicht bezahlen. Die Bauzeit wäre mit voraussichtlich zwölf Jahren deutlich länger als bei einer Ersatzbrücke. Hier könnte der Bau des ersten Abschnitts bereits im kommenden Jahr beginnen. Bis Ende 2031 soll die Brücke dann fertiggestellt sein. Kosten: Rund 50 Millionen Euro.

Offene, konstruktive Diskussion

Viele der Anwesenden lobten den Austausch, waren aber über das Ergebnis ernüchtert . „Weil das eben über Jahrzehnte verschlampt wurde“, machte ein Besucher seinem Frust Luft. „Man merkt die Enttäuschung, aber das ist nun eben leider nicht mehr änderbar.“ Es sei „prinzipiell eine offene Diskussion“ gewesen, sagte ein anderer Markkleeberger. „Aber das Ergebnis stand vorher fest. Und das ist das Problem. „Und weiter: Das trifft nicht den Nerv der Markkleeberger. Es ist total daran vorbei gedacht und das ist das Schlimme an der ganzen Sache.“

Das Ergebnis stand vorher fest. Und das ist das Problem.

Anwohner nach dem Bürgerdialog

Ministerin Regina Kraushaar zeigte für die Kritik Verständnis: „Ich bin dankbar, dass in einer so schwierigen, frustbeladenen Situation, ein so ruhiges Gespräch möglich war und dass die Bürgerinnen und Bürger von Markkleeberg gekommen sind und mir ihr Ohr geschenkt haben. Dass sie am Ende bereit sind, die Fakten, so wie ich sie dargelegt habe, zumindest zu hören, vielleicht auch zu akzeptieren.“ Zufrieden stellen könne sie nicht alle, meinte Kraushaar, aber vielleicht können jetzt einige die Variante der Brücke besser mittragen, als den Tunnel.

Ich bin dankbar, dass in einer so schwierigen, frustbeladenen Situation, ein so ruhiges Gespräch möglich war.

Regina Kraushaar
Landesverkehrsministerin Sachsen

Verkehrssituation spitzt sich zu

Aber es ging nicht nur um den Tunnel. Auch der Verkehr muss geregelt werden. Bereits jetzt rollen die Lkw durch Markkleeberg. Seit November ist die Brücke für den Schwerlastverkehr gesperrt. Die Behörden seien im Austausch, um eine Verkehrsberuhigung für die Anwohner zu erreichen, sagte Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD): „Am 4. Februar gibt es eine größere Runde, wo auch Verkehrsunternehmen mit am Tisch sitzen. Dort reden wir über das Problem des Umleitungsverkehrs und des fehlenden ÖPNV, weil wir die Situation noch einmal größer und komplexer betrachten müssen.“ Es sei wenig hilfreich, dass die Straßenbahnlinie 4 der LVB nach Markkleeberg gestrichen wurde, meinte Schütze.

Hoffnung einer Pendlerin

Das sagte auch eine Anwohnerin, die regelmäßig nach Leipzig pendelt. Sie hoffte wie viele an dem Abend, dass die Sorgen der Anwohner Gehör finden. „Auf jeden Fall wurde uns zugehört. Ob dann tatsächlich etwas dabei rumkommt, ist eine andere Sache. Insofern bleibt zu hoffen, dass es der heutige Abend auch Folgen hat.“