Darsteller auf der Bühne

AUDIO: „Die Möwe“ in Hamburg: Mit Witz und Ironie an den Abgrund (4 Min)

Stand: 24.01.2026 12:42 Uhr

Vor einem Jahr feierte „Die Möwe“ von Anton Tschechow am Thalia Theater Premiere, jetzt hat Yana Ross das Stück für das Hamburger Schauspielhaus bearbeitet und dort auf der großen Bühne inszeniert.

von Katja Weise

Museum, Wartezimmer – der runde Bühnenraum mit den holzverkleideten Wänden scheint Wärme auszustrahlen, die große runde Öffnung in der Decke suggeriert Weite, doch die Blumenkübel mit den immergrünen Gewächsen, das Fehlen jeden Mobiliars erzählen von Unbehaustheit und Verlorensein. Und die Menschen, die sich hier versammelt haben, um der Aufführung eines Stückes von Kostja beizuwohnen, strahlen nur wenig Freude aus.

– Warum trägst Du eigentlich immer schwarz?
– Ich trauere um mein Leben. Ich bin unglücklich.

Dialog aus „Die Möwe“ von Anton Tschechow

Mascha ist unglücklich verliebt in Kostja, und auch Kostja, der angehende Dramatiker, hat kein Glück in der Liebe. Außerdem fühlt er sich von seiner Mutter, einer berühmten Schauspielerin, nicht wertgeschätzt. Für fast alle der hier versammelten Figuren gilt – wie so oft bei Tschechow: Sie wollen weg, weg in die Stadt und in ein anderes Leben. „Das war überhaupt das größte Vergnügen, hier wieder wegzufahren“, sagt einer, der das nicht mehr kann. Er ist zu alt und sitzt im Rollstuhl. Doch Yana Ross setzt von Anfang an auch auf Ironie und Witz.

Mit spritzigen Dialogen und Tanzelementen

Tschechow nennt sein Stück eine Komödie, Ross arbeitet das in ihrer Fassung heraus – mit heutigen, spritzigen Dialogen, Tanzelementen und kleinen geschickt kommentierenden, musikalischen Einlagen. Glücklich ist nicht einmal der vielfach beneidete, berühmte Autor Trigorin. Im Stück sagt er: „Nein, das macht gar nichts mit mir. Ich will auch überhaupt gar nichts mehr. Ich will eigentlich nicht mal reden.“ Und bei Lichte betrachtet, ist Trigorin auch ein ziemlicher Waschlappen.

Yana Ross stellt in ihrer Inszenierung keine Figur besonders heraus, hier sind alle wichtig und fast immer präsent. Jede und jeder hat seine Geschichte, seine Träume, die, wenn nicht mit Worten, dann pantomimisch oder tänzerisch dargestellt werden. Glückliche Beziehungen gibt es innerhalb der Gruppe nicht, vor allem zwischen Kostja und seiner Mutter fallen harte Worte.

Macbeth

Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg ist eines der größten und wichtigsten Sprechtheater im deutschsprachigen Raum.

Verlorenheit der Figuren wird greifbar

Für einige im Publikum fühlte sich das Stück sehr kurzweilig an: „Am Anfang hatten wir so gedacht: Okay, jetzt ein dreistündiges Stück, das könnte sich schon ziehen. Aber es hätte fast keine Pause gebraucht. Es hat sich angefühlt wie eine halbe Stunde. Man war die ganze Zeit sehr gut entertaint“, meint ein Zuschauer im Anschluss. Und einer anderen Besucherin hat die Adaption ebenfalls sehr gut gefallen: „Ich finde, es ist ihnen sehr gut gelungen, es mit Musik und Tanz fürs junge Publikum ansprechend zu machen.“

Auch durch die manchmal krassen Brüche gelingt es der Regisseurin, die Verlorenheit der Figuren greifbar zu machen. Es gibt Momente, da dehnt sich die Zeit fast ins Unerträgliche. Yana Ross ist nah dran an Tschechow und findet zusammen mit dem tollen, fast immer auf den Punkt spielenden Ensemble ihren Ton. Am Ende hat sich die Decke des runden Bühnenraums geschlossen, dafür klafft im Boden ein großes Loch. Und es wird Bingo gespielt. Am Rande Abgrunds.

Darsteller auf einer dunklen Bühne

Die Premiere zeigt die Abgründe hinter den schillernden Fassaden von Lady Di, Sissi und der Prinzessin Sophie Dorothea.

Zwei Männer in weißen gewändern sitzen auf dem Wal und reden mit einer Frau, die davor steht

1992 ist der Roman von Peter Høeg erschienen, fünf Jahre später wurde er verfilmt. Am Sonntag hatte das Theaterstück am Kieler Schauspielhaus Premiere.

Zwei Männer sitzen in blaues Licht getaucht vor einem übergroßen Ventilator.

Am Freitagabend feierte Maria Lazars Stück um einen Flüchtling auf einem Fischkutter Premiere.

Darsteller auf der Bühne

„Die Möwe“ in Hamburg: Mit Witz und Ironie an den Abgrund

Nach der Premiere von Tschechows „Die Möwe“ am Thalia Theater 2025, zieht das Stück weiter ins Schauspielhaus Hamburg.

Datum:
25.01.2026, 16:00 Uhr
07.02.2026, 20:00 Uhr
19.02.2026, 20:00 Uhr
Ort:

Deutsches Schauspielhaus Hamburg

Kirchenallee 39

20099

Hamburg

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