Die britische Hauptstadt hat im Hinblick auf Kunst die Nase vorn. In keiner anderen europäischen Metropole gibt es in diesem Jahr so viele interessante Ausstellungen gleichzeitig zu sehen.
Anderson selbst eröffnete die Retrospektive mit über 700 Objekten aus seinem Archiv, die die Arbeit des Regisseurs anhand von Original-Storyboards, Polaroids, Skizzen, Gemälden, handgeschriebenen Notizbüchern, Puppen, Miniaturmodellen, Dutzenden von Kostümen beliebter Charaktere und vielem mehr zeigen. Zu den Highlights zählen ein bonbonrosa Modell des Grand Budapest Hotel, die Verkaufsautomaten aus «Asteroid City», der Fendi-Pelzmantel, den Gwyneth Paltrow als Margot Tenenbaum in «Die Royal Tenenbaums» trug, und die Stop-Motion-Puppen, mit denen die phantastischen Meereskreaturen in «Die Tiefseetaucher» dargestellt wurden.
Kostüme, Requisiten und Elemente des Szenenbilds aus Wes Andersons Filmen sind zurzeit im Design Museum London zu sehen.
Wes Anderson hat im Laufe seiner Karriere immer wieder Objekte gesammelt – auch in seinem neuesten Film spielt das Sammeln eine zentrale Rolle. Die Hauptfigur, Anatole «Zsa-Zsa» Korda, ist selbst ein leidenschaftlicher Sammler von Kunst, Büchern, Wohnhäusern und Unternehmen.
Ein Film-Still von «The Darjeeling Limited» aus dem Jahr 2007.
Courtesy of 20th Century Studios, Inc. All rights reserved
Im Rahmen der Ausstellung werden auch vier Kurzfilme gezeigt. Neben dem 14-minütigen «Bottle Rocket» (1993) laufen auch «Hotel Chevalier» (2007) sowie ein Prolog zu «The Darjeeling Limited» und «Castello Cavalcanti» (2013), der in Zusammenarbeit mit Prada entstanden ist. Die in der Ausstellung gezeigten Kurzfilme veranschaulichen Andersons sich wandelnde Nutzung des Formats – und es ist das erste Mal, dass sie gemeinsam präsentiert werden.
Bis 26. Juli, designmuseum.org
Modefans dürfen sich freuen. Das V&A South Kensington ist bekannt für seine phantastischen Inszenierungen – noch bis 22. März sind dort die pompösen Outfits der Fashion-Queen Marie-Antoinette zu sehen. Gleich im Anschluss folgt mit «Schiaparelli: Fashion Becomes Art» der nächste Paukenschlag.
Es ist die erste Ausstellung, die Grossbritannien der Modeschöpferin aus Paris widmet, und sie dürfte ein weiteres optisches Spektakel werden, das die Geschichte und das Vermächtnis einer der aufregendsten und innovativsten Couturières der Welt ins Rampenlicht rückt.
Das «Skeleton Dress» aus dem Jahre 1938 ist durch eine Zusammenarbeit zwischen Elsa Schiaparelli und Salvador Dalí entstanden.
© 2025 Salvador Dali / Fundació Gala-Salvador Dalí DACS, Photograph: © Emil Larsson
Ein Look der Schiaparelli-Haute-Couture-Kollektion Herbst/Winter 2024.
© Giovanni Giannoni / Photo courtesy Patrimoine Schiaparelli, Paris
Elsa Schiaparelli ist bekannt für ihren surrealistischen Modeansatz, der von ihren Freunden Salvador Dalí, Pablo Picasso, Jean Cocteau und Man Ray beeinflusst wurde. Die Ausstellung zeigt über 200 Exponate von den 1920er Jahren bis heute – darunter Kleidung, Accessoires, Fotografien, Schmuck, Möbel und Gemälde –, die von einem Leben und einer Karriere erzählen, die sowohl von der pulsierenden damaligen Kunstszene als auch von den sozialen Auswirkungen zweier Weltkriege beeinflusst waren.
Zu den Highlights zählen berühmte Kleider wie «Skeleton» und «Tears», die in Zusammenarbeit mit Dalí entstanden sind. «Schiaparellis Zusammenarbeit mit Künstlern und der Performancekunst macht das Modehaus und seine Gründerin zu einem idealen Thema für eine spektakuläre Ausstellung im V&A», erklärt Tristram Hunt, Direktor des V&A. «Elsa Schiaparellis furchtlose Phantasie und ihre radikale Vision haben die Grenzen zwischen Mode und Kunst neu definiert», ergänzt Delphine Bellini, CEO von Schiaparelli.
Die Designerin Elsa Schiaparelli trägt für ein Fotoshooting mit der «Vogue» 1940 ein schwarzes Seidenkleid mit weissem gehäkeltem Kragen, das sie selbst designt hat. Dazu kombiniert sie grossen Schmuck und einen Turban.
Fredrich Baker / Condé Nast via Getty Images
21. März bis 1. November 2026, vam.ac.uk
Tracey Emin galt lange als das grosse Enfant terrible der Young-British-Artists-Bewegung, doch in den letzten Jahren hat sie sich als eine der beständigsten und vielseitigsten zeitgenössischen Künstlerinnen Grossbritanniens etabliert.
In der Retrospektive werden einige ihrer bekanntesten Installationen präsentiert, darunter das berühmte zerwühlte «My Bed», das zur eigenen Sammlung der Tate gehört, sowie ihre Textilarbeiten, ihre Texte, die zwischen Humor, Romantik und Melancholie wechseln, und ihre Videoarbeiten, die ebenfalls ihren Humor, ihre Offenheit und ihren Witz widerspiegeln.
«My Bed» gehört zur Sammlung des Tate Modern.
Courtesy The Saatchi Gallery, London / Photograph by Prudence Cuming Associates Ltd
Der Höhepunkt der Rückschau auf die provokante und wegweisende 40-jährige Karriere der Künstlerin dürfte jedoch ihr malerisches Schaffen sein, das in den letzten Jahren im Zentrum ihrer Arbeit stand. Die Schau ist eine grossartige Gelegenheit, Emins Leinwände – grosse wie kleine – zu sehen, auf denen ihre charakteristische, geschwungene Linie oft die Konturen ihres Körpers in verschiedenen Momenten der Verletzlichkeit nachzeichnet.
Tracey Emin, «I followed you to the end», 2024. Yale Centre for British Art. © Tracey Emin
Tracey Emin, «Ascension», 2024. © Tracey Emin
Die Retrospektive zeigt die vielseitige Arbeitsweise der Künstlerin.
27. Februar bis 31. August 2026, tate.org.uk
Die Ausstellung «Zeichnen als Weg zur Malerei» umfasst 170 Zeichnungen, Radierungen und Gemälde – von denen einige erstmals öffentlich gezeigt werden – und beleuchtet, wie zentral die Zeichnung für einen der bedeutendsten figurativen Maler des 20. Jahrhunderts war. Freud zeichnete von klein auf, wie die faszinierende Sammlung von Kinderzeichnungen, Skizzenbüchern, Briefen und unvollendeten Gemälden zeigt, die sich im Lucian-Freud-Archiv in der National Portrait Gallery befindet.
«Portrait of a Young Man», 1944, Lucian Freud, schwarzer Wachsmalstift und Kreide auf Papier.
© The Lucian Freud Archive. All rights reserved 2025 / Bridgeman Images, lent by a private collection
Diese lebendigen Dokumente offenbaren Freuds Denkprozesse im Laufe seiner Karriere und enthalten auch kuriose Details und wiederkehrende Motive, Telefonnummern – von der Gasgesellschaft bis zum britischen Adel –, Entwürfe von Liebesbriefen, Wett-Tipps und Gedanken zu Gemälden.
«Girl in Bed», 1952, Lucian Freud, Öl auf Leinwand.
© The Lucian Freud Archive. All rights reserved 2025 / BridgemanImages.Photo© National Portrait Gallery, London. Lent by a private collection, courtesy of Ordovas, 2014
In den 1940er Jahren entwickelte sich Freuds künstlerische Praxis hin zu hochpräzisen linearen Zeichnungen, anschliessend wandte er sich der Malerei zu und kehrte erst viel später wieder zu den Skizzen zurück. Indem die Ausstellung Zeichnungen und Gemälde gegenüberstellt, zeigt sie, wie Freud das Zeichnen nicht nur zur Vorbereitung, sondern als essenzielles Werkzeug zur Beobachtung, zur Erforschung und zum Verständnis seiner menschlichen Studien und Porträts nutzte.
12. Februar bis 4. Mai 2026, npg.org.uk
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