Mannheim. Tausende Menschen sind bei einem kurdischen Demonstrationszug am Samstagnachmittag vom Ehrenhof des Schlosses durch die Mannheimer Innenstadt zum Alten Meßplatz gezogen. Laut Stadtverwaltung waren im Vorfeld bis zu 1.200 Menschen erwartet worden. Erste Eindrücke unseres Reporters vor Ort deuteten aber bereits zu Beginn auf weit mehr Teilnehmende hin.
AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1
Die Veranstaltung stand unter dem Motto „ Gegen die Unterdrückung, Einschüchterung, Vertreibung und Gewalt gegenüber der kurdischen Bevölkerung und Rojava“. Bereits kurz nach 14 Uhr hatten sich zahlreiche Menschen im Ehrenhof des Mannheimer Schlosses eingefunden. Nach einer Rede setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung.
Kurdische Demonstration in Mannheim: Polizei mit Großaufgebot vor Ort
Gegen 14.40 Uhr erreichten die Demonstrierenden das Quadrat N1 – die letzten Teilnehmenden hatten da den Ehrenhof des Schlosses noch nicht verlassen. Unser Reporter vor Ort berichtete von zahlreichen Ordnern des Veranstalters und Polizeikräften, die den Demonstrationszug begleiteten. Der Zug verlief in einer friedlichen Atmosphäre.
Ein Plakat auf dem Ehrenhof des Mannheimer Schlosses. © Christian Gerards
Vor dem Demonstrationszug fuhr ein Lautsprecherwagen, von dem Reden zu hören waren. Unter anderem wurde skandiert: „Es lebe Rojava“. Die als Rojava bekannte Verwaltung ist Teil des langen Strebens der Kurden nach einem eigenen Staat (mehr dazu am Ende des Textes).
Die Demonstrierenden bewegten sich über die Kurpfalzstraße, den Paradeplatz in Richtung Abendakademie und die Kurpfalzbrücke bis zur Alten Feuerwache auf den Alten Meßplatz.
Während sich die Spitze des Demonstrationszugs gegen 15.30 Uhr bereits auf der nördlichen Seite der Kurpfalzbrücke befand, hielten sich zu diesem Zeitpunkt Demonstrierende noch in der Breiten Straße auf. Wie unser Reporter berichtete, wurde ein Rauchkörper gezündet, was zu einem Hinweis der Veranstalter führte, dies zu unterlassen. Auf einem Video des Vorfalls war auch ein Anti-Konflikt-Team der Polizei zu sehen.
Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut spricht auf Kundgebung
Bei der Abschlusskundgebung war der Alte Meßplatz etwa zur Hälfte gefüllt. Als Rednerin trat auch Gökay Akbulut auf. Die Mannheimer Bundestagsabgeordnete der Linken forderte, dass die deutsche Regierung die syrische Regierung nicht anerkenne. Angesichts des Vorgehens in den kurdischen Gebieten in Syrien sprach sie sich für eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats aus.
Während die Reden liefen, verließen gegen 16 Uhr die ersten Demonstrierenden bereits den Platz.
In der Spitze beteiligten sich etwa 6000 Menschen an dem Demonstrationszug, so die Polizei Mannheim in einer ersten Bilanz. Es sei vereinzelt zu kleineren Verstößen gegen das Vermummungsverbot gekommen, deshalb wurden auf dem Ehrenhof vier Platzverweise erteilt. Zudem wurden Verstöße gegen das Verbot von Pyrotechnik registriert. Insgesamt sei die Veranstaltung friedlich verlaufen. Die Polizei hatte im Vorfeld angekündigt an, mit „angemessener Stärke“ präsent zu sein, um einen friedlichen Verlauf zu gewährleisten. Vor Ort waren auch berittene Beamte auf Pferden.
Nach Angaben von Dilan Yildiz hatten die Kurdischen Vereine Mannheim, Bensheim und Darmstadt die Demonstration angemeldet.
Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort – auch berittene Beamte waren zu sehen. © Christian Gerards
Kurden demonstrieren in ganz Deutschland
Bereits am vergangenen Dienstagabend hatten 1.500 Menschen in der Mannheimer Innenstadt gegen die aktuellen Kämpfe auf kurdischem Gebiet in Syrien demonstriert. Dabei wurden Rauchtöpfe, Raketen und Böller gezündet.
Kurden in ganz Deutschland gehen derzeit gegen die Unterdrückung der kurdischen Bevölkerung in Syrien auf die Straße. In Frankfurt haben sich am Samstag beispielsweise mehrere Hundert Menschen zu einer pro-kurdischen Demonstration versammelt.
DemonstrationKurdische Demonstration am Samstagnachmittag in der Mannheimer Innenstadt
DemonstrationVor AfD-Veranstaltung in Mannheim: Gegenprotest auf der Rheinau verläuft friedlich
PolizeiKurdische Demo in Mannheimer Innenstadt: Böller und Körperverletzung
Konflikt in Nordsyrien bewegt die Menschen
Hintergrund ist die zugespitzte Lage in Nordsyrien. Seit Dienstag gilt dort ein Waffenstillstand zwischen den Regierungstruppen und ihren Verbündeten sowie den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF). Zuvor waren über Tage hinweg die Regierungstruppen mit Hilfe arabischer Stammeskämpfer immer weiter in Gebiete vorgerückt, die von den SDF kontrolliert werden.
Mit den Gefechten versuchte die Übergangsregierung unter Interimspräsident Ahmed al-Scharaa militärisch durchzusetzen, was auf anderem Wege nicht umgesetzt werden konnte: Die Regierung will die Gebiete, die bisher unter kurdischer Selbstverwaltung standen, unter ihre Kontrolle bringen. Die als Rojava bekannte Verwaltung ist Teil des langen Strebens der Kurden nach einem eigenen Staat.
Eine Schwächung der Kurden und der kurdisch angeführten SDF bedeutet unterdessen einen strategischen Erfolg für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Ankara betrachtet die SDF als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. (mitdpa)
Daniel Kraft © Horst/MALIX