„Der Junge saß gerade wie ein Häufchen Elend in der Kabine“, sagte Trainer Markus Anfang über das Talent, das eine Achterbahnfahrt der Gefühle erlebt hatte. In der 49. Minute jubelte der 23-Jährige zunächst noch: Nur zwei Zeigerumdrehungen nach dem 0:2 durch Benjamin Källman verkürzte er nach einem Freistoß von Christian Rasmussen per Kopf auf 1:2 – es war sein erstes Tor als Profi. Dennoch überwog in der Gesamtbetrachtung der Feldverweis, der es Fortuna nicht einfacher gemacht hatte, den Rückstand noch aufzuholen.
Anfang hadert mit der ersten Gelben Karte
Schon nach einer Viertelstunde war Egouli wegen eines Fouls verwarnt worden, ehe er nach dem Seitenwechsel einen Konter der Gastgeber unterband, indem er Noel Aseko von den Beinen holte. Schiedsrichter Patrick Ittrich entschied auf Strafstoß für die Niedersachsen und schickte Egouli, der insgesamt nur zwei Mal gefoult hatte, vorzeitig vom Platz. „Zurecht“, räumte Anfang ein. An dieser Entscheidung hatte der 51-Jährige nichts auszusetzen, anders als an der ersten Verwarnung: „Man hätte vorher ein Handspiel abpfeifen können. Satoshi Tanaka gewinnt den Ball und trifft einen Spieler von Hannover am Arm, dadurch entsteht die Situation überhaupt erst. Das ist am Ende ärgerlich.“
Egouli schleppte sich lange mit seiner Gelben Karte herum, es wurden Parallelen zum Spiel gegen Fürth offensichtlich, als er nach 38. Minuten verwarnt worden war, die Partie aber beendete. In Hannover gelang ihm das allerdings nicht. „So etwas passiert“, sagte Anfang und nahm auch Rasmussen ins Gebet. Der Däne hätte den Konter, der in das zweite Foul von Egouli und somit auch in dessen Platzverweis mündete, noch in der gegnerischen Hälfte unbedingt unterbinden müssen. „Er kann sich da im Mittelfeld schon besser verhalten“, urteilte der Coach.
Mislintat macht Egouli keine Vorwürfe
Anders als Rasmussen wurde der Innenverteidiger nicht getadelt. „Ich mache ‚Eli’ überhaupt keinen Vorwurf. Er hat versucht, zu retten, was irgendwie noch zu retten war. Es war eine Millimeter-Entscheidung, ob er eher am Ball ist oder nicht“, sagte Sportvorstand Sven Mislintat. „Das hat wehgetan und das Spiel für uns schwieriger gemacht. Wenn wir länger in Gleichzahl geblieben wären, hätten wir uns noch Chancen erspielen können. Selbst in Unterzahl haben wir es hintenraus aber echt gut gemacht.“
Für Egouli ging es nach der Partie in Hannover vor allem darum, den Auftritt schnell abzuhaken und gestärkt zurückzukommen. An einen Lerneffekt für den bislang gut aufspielenden 2,04-Meter-Mann glaubte Mislintat ganz fest. „So etwas gehört zur Entwicklung eines jungen Spielers dazu, und eigentlich zur Entwicklung von allen Innenverteidigern“, betonte der Sportvorstand. Diese Worte bekam der 23-Jährige allerdings nicht mehr mit. Zu diesem Zeitpunkt war er mit seiner weißen Kapuze über dem Kopf längst im Mannschaftsbus verschwunden.