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Bonn (NRW) – Der Parlamentarische Rat feilte in seiner Gaststube an unserem Grundgesetz. Friedrich Nietzsche philosophierte an seinem Tresen. Und Alexander von Humboldt stieg in seiner Herberge ab. Jetzt ist eines der traditionsreichsten Gasthäuser Deutschlands pleite.

Der „Schaumburger Hof“ in Bonn-Plittersdorf meldete nach mehr als 270 Jahren Insolvenz an. „Der Schaumburger Hof ist auf Dauer geschlossen“, verkünden die Betreiber derzeit auf ihrer Homepage. Damit endet vorerst die Wirtshaus-Geschichte, die am 31. März 1755 begonnen hatte. Ein Weinbauer hatte damals die grandiose Idee, neben seinem Ausschank direkt am Rhein große Pferdeställe zu bauen. Das Konzept ging auf. Treidler (Unternehmer, die mit Pferden Schiffe flussaufwärts zogen, wenn Strömung oder Wind nicht reichten, Red.) sorgten fortan für sprunghafte Umsätze.

Der beliebte Biergarten musste wegen schlechten Wetters in der vergangenen Saison schließen, was die Pleite vorangetrieben haben soll

Der beliebte Biergarten musste wegen schlechten Wetters in der vergangenen Saison schließen, was die Pleite vorangetrieben haben soll

Foto: Schaumburger Hof/Facebook

Von der Treidler-Absteige zum Promi-Lokal

Später wurde das Restaurant zum Ausflugs-Lokal „Unter den Linden“ der Obrigkeit. Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha lernte dort 1839 Englands Königin Victoria kennen. Ein Jahr später heiratete das royale Paar. Neben Nietzsche oder Humboldt stieg auch Heinrich Heine dort ab, schwärmte von der „lindenbestandenen Terrasse“.

1949 trafen sich Spitzenpolitiker am Rande der Ministerpräsidenten-Konferenz auf der Terrasse des „Schaumburger Hofs“

1949 trafen sich Spitzenpolitiker am Rande der Ministerpräsidenten-Konferenz auf der Terrasse des „Schaumburger Hofs“

Foto: ullstein bild

Ein gutes Jahrhundert später tagte am 5. September 1948 der Parlamentarische Rat im mittlerweile in „Schaumburger Hof“ umbenannten Gasthaus zum acht Monate später verabschiedeten Grundgesetz der BRD. Nach dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin war das Haus in NRW einige Jahre geschlossen, bis in den 2000er Jahren private Investoren den Betrieb wieder aufnahmen.

Gründe für die Insolvenz

Doch die gerieten jetzt in Schwierigkeiten. Corona, steigende Mindestlöhne und Energiekosten ließen den „Schaumburger Hof“ in die Pleite schlittern. Anfang Januar eröffnete das Bonner Amtsgericht das Insolvenzverfahren, wie Insolvenzverwalter Andreas Schulte-Beckhausen dem „Kölner Stadtanzeiger“ bestätigte. Der wolle nun zunächst mit dem Eigentümer der Immobilie Gespräche führen.

Ob die Insolvenz des Betreibers das endgültige Aus für den „Schaumburger Hof“ bedeutet, ist derzeit unklar.