Gäbe es ein Ranking der überzeugendsten Leistungen von Borussia Mönchengladbach in der laufenden Saison, das Spiel beim VfB Stuttgart müsste ziemlich weit oben auftauchen. An der Spitze kann es selbstredend nicht stehen, dafür hätten die Gladbacher schon gewinnen müssen. Dass dies ohne Weiteres möglich gewesen wäre, verdeutlichen die Zahlen zur bitteren 0:1-Niederlage Ende August des vergangenen Jahres.
So sprach der Expected-Goals-Wert, der die Chancenqualität eines Teams bemisst, klar für die Gäste (1,82:0:84), die insgesamt auch häufiger schossen (15:13). Während der Gladbacher Matchplan aufging, bei dem Philipp Sander als Pendler zwischen Mittelfeld und Fünfer-Abwehrkette fungierte, murrte das Stuttgarter Publikum über weite Strecken des Spiels deutlich vernehmbar.
Am Ende jedoch hatte der VfB etwas zu feiern – weil die Borussen gute Gelegenheiten ausließen, Kevin Stöger leistete sich den weiterhin größten Fehlschuss der Saison aus Sicht der Gladbacher. Und dann waren sie unaufmerksam nach einer – unnötig zugelassenen – Ecke der Gastgeber, bei der Kostenpflichtiger Inhalt der eingewechselte Jens Castrop unter der Hereingabe hindurch sprang. „Billiger kannst du ein Tor nicht wegschenken“, sagte Noch-Manager Roland Virkus später in der Mixed Zone.
„Es war ein gutes Auswärtsspiel – zu einem sehr guten haben die Effizienz und der Umgang mit den Chancen gefehlt. Beim Gegentor hat die Wachsamkeit gefehlt, und auf dem Niveau ist halt jedes Detail entscheidend“, analysierte Trainer Gerardo Seoane auf der Pressekonferenz nach seinem vorletzten Spiel.
Es ist hypothetisch, zu spekulieren, wie die Saison auch für Borussias sportliche Führung bei einem positiven Ausgang des Stuttgart-Spiels weitergegangen wäre. Klar ist jedoch, dass diese Niederlage ihren Teil dazu beitrug, dass Seoane einen Spieltag später nach einem 0:4 gegen Werder Bremen gehen musste und Virkus wiederum zwei Wochen später nach dem 4:6 gegen Eintracht Frankfurt seinen Posten räumte.
Der Rucksack, den die Gladbacher nach dem desolaten Saison-Endspurt im Frühjahr 2025 mit in die neue Spielzeit genommen hatten, war früh zu schwer. Das galt nicht nur für Trainer und Sportchef – die Mannschaft war trotz einiger Neuzugänge verunsichert, erst in der Nachspielzeit der vierten Partie gelang beim 1:1 in Leverkusen das erste Saisontor.
Angesichts dieser Zustandsbeschreibungen mutet das Spiel beim VfB, der am kommenden Sonntag (15.30 Uhr, Dazn) im Borussia-Park zu Gast sein wird, an wie eine Partie aus einer anderen Zeit – obwohl sie erst fünf Monate zurückliegt. Haris Tabakovic, der in Stuttgart erkrankt fehlte, hatte noch nicht Fahrt aufgenommen, Shuto Machino war nicht bei 100 Prozent, Giovanni Reyna hatte noch nicht debütiert, Yannik Engelhardt kam erst zwei Tage später am „Deadline Day“. Mit den nun vom neuen Manager Rouven Schröder ausgeliehenen Kota Takai und Alejo Sarco, der am Sonntag erstmals spielen könnte, verändert sich das Gesicht des Teams weiter.
Gladbach: Sonntag sollte das Ergebnis stimmen
Vor allem fruchteten Mitte der Hinrunde die Maßnahmen Eugen Polanskis, der Wechsel des neuen Coaches auf ein 5-4-1 gegen den Ball sorgte für die nötige Stabilität. Der Matchplan ging häufiger auf als noch zu Saisonbeginn, als das Stuttgart-Spiel eine der wenigen Ausnahmen war. Zuletzt waren die Leistungen der Borussen wieder sehr wechselhaft, gegen den VfB würde ein überzeugender Auftritt dem Team nach zwei schwachen Auswärtsspielen gut zu Gesicht stehen.
Natürlich sollte am Sonntag auch das Ergebnis stimmen und nachher nicht wieder von einer verpassten Chance gesprochen werden müssen. „Ich glaube, ich habe schon lange nicht mehr so unnötig verloren“, brachte es Sander damals in Stuttgart auf den Punkt.