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In Europa wird überlegt, im Grönland-Streit den Verkauf von US-Papieren als Druckmittel zu nutzen. US-Präsident Trump reagiert darauf mit wüsten Drohungen.
Davos – Der Grönland-Streit zwischen den USA und Europa ist noch lange nicht vorbei: US-Präsident Donald Trump hat nun den Europäern mit vehementen Vergeltungsmaßnahmen für den Fall gedroht, dass sie in großem Stil US-Staatsanleihen abstoßen. Sollte dies geschehen, würden die USA mit einem „großen Gegenschlag“ antworten, sagte Trump am Donnerstag (22. Januar) dem US-Sender Fox Business.
„Und wir haben alle Karten in der Hand“, fügte der US-Präsident in dem Interview hinzu, das er am Rande des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos gab. Über die Möglichkeit eines massiven Abstoßens von US-Staatsanleihen war in den vergangenen Tagen in Europa im Zuge des Streits mit den USA um Grönland diskutiert worden. Trump will sich die arktische Insel, die zu Dänemark gehört, wegen ihrer strategischen Bedeutung und ihrer Bodenschätze einverleiben; Europa hält dagegen.
US-Präsident Donald Trump hat den Europäern mit vehementen Vergeltungsmaßnahmen für den Fall gedroht, dass sie in großem Stil US-Staatsanleihen abstoßen. (Archivbild) © Gian Ehrenzeller/dpa„Sell America“? Europas Finanzmacht im Grönland-Streit könnte Trump hart treffen
Dänische und schwedische Pensionsfonds hatten schon verkündet, US-Staatsanleihen verkaufen zu wollen. US-Finanzminister Scott Bessent äußerte sich dazu zwar abfällig: „Die Investitionen Dänemarks in US-Staatsanleihen sind, wie Dänemark selbst, irrelevant“, sagte Bessent am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos vor Journalisten. Die dänischen Investitionen seien gering. „Ich bin überhaupt nicht besorgt“, fügte er hinzu. „Als Finanzminister sehe ich ja unsere Auktionen von Staatsanleihen. Wir verzeichnen ausländische Investitionen in Rekordhöhe.“
Sollte die Nachfrage nach US-Staatsanleihen sinken, dürfte das für Washington aber sehr teuer werden: Bei geringerer Nachfrage müssen die Papiere den Anlegern schmackhafter gemacht werden in Form höherer Zinsen. Das wiederum würde die Kreditkosten der US-Regierung in die Höhe treiben. Und da hätte Europa insgesamt einen großen Hebel: Der Analyst George Saravelos von Deutsche Bank Research sagte Reuters, dass die europäischen Länder US-Anleihen und -Aktien im Wert von acht Billionen Dollar besitzen würden. „Fast doppelt so viel wie der Rest der Welt zusammen“, sagte der Experte.
US-Staatsanleihen diese Woche unter Druck – auch wegen Trumps Drohungen?
Auch der Markt reagierte dementsprechend auf diese Neuigkeiten: Der Euro-Kurs hat in dieser Woche um etwa ein Prozent zum Dollar aufgewertet – für viele Beobachter eine Folge von „Sell America“, also einer Flucht aus US-Wertpapieren. Viele Analysten erklären dies mit den Drohungen der USA, Grönland auf die eine oder andere Weise einzunehmen. Auch US-Staatsanleihen gerieten unter Druck: Deren Kurse fielen, die Zinsen stiegen auf den höchsten Stand seit Monaten. Das wiederum erklären Experten aber nicht nur mit dem Streit zwischen Europäern und Amerikanern, sondern auch mit den Turbulenzen am japanischen Anleihemarkt. So oder so dürfte Trump den Druck durchaus spüren.
Denn neben der Unberechenbarkeit Trumps schreckt auch die immer höhere Staatsverschuldung der USA die Anleger ab. „Es findet derzeit eine Art ‚Sell America‘ statt. Ich habe mich mit einigen Vermögensverwaltern getroffen: Globale Fonds schichten ein wenig um – und ziehen Kapital aus den Vereinigten Staaten ab“, berichtet der Investmentbanker Gary Cohn in einem Interview mit Bloomberg.
Grönland-Streit: Trump gibt vorläufige Einigung bekannt
Der US-Präsident vollzog am Mittwoch dann auch eine Kehrtwende, indem er in einer Rede beim Weltwirtschaftsforum die Anwendung von Gewalt für eine US-Übernahme von Grönland ausschloss. Wenig später gab Trump dann eine vorläufige Einigung mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Grönland-Streit bekannt. Die angedrohten Strafzölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Länder sagte der US-Präsident ab – vorerst. Dass er nun beim Thema US-Staatsanleihen doch wieder von einem „großen Gegenschlag“ poltert, zeigt aber, dass der Handelsstreit sowie der Konflikt um Grönland noch nicht beigelegt sind und jederzeit wieder neu entflammen könnten. Quellen: Reuters, AFP, Bloomberg