In den vergangenen Jahren hat die Szene der sogenannten „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ eine immer größere Aufmerksamkeit erfahren. So etwa bei dem Treffen am 26. Juli 2025 in Karlsruhe, bei dem etwa 300 Menschen gegen rund 350 Reichsbürger demonstrierten.
Zahl der Reichsbürger in Karlsruhe um 30 Prozent gestiegen
Doch nicht nur das öffentliche Interesse nimmt zu – auch die Zahl der Reichsbürger im Stadt- und Landkreis Karlsruhe selbst steigt immer weiter an. Das hat das Innenministerium Baden-Württemberg nach einer Kleinen Anfrage der grünen Landtagsabgeordneten Alexander Salomon und Ute Leidig im Dezember 2025 bestätigt.
Demnach habe es im Jahr 2025 rund 900 bis 950 Personen aus dem Milieu der Reichsbürger und Selbstverwalter im Regierungsbezirk Karlsruhe gegeben. Zum Vergleich: 2021 lag die Zahl noch bei 700 bis 750 Personen.
„Das ist ein 30-prozentiger Anstieg in kurzer Zeit – das ist nicht nur beunruhigend, das ist sogar sehr bedenklich“, sagt Alexander Salomon im Gespräch mit ka-news am Freitag, 23. Januar.
Corona als Auslöser für Reichsbürger-Boom?
Der Grünen-Politiker, der selbst aus der Fächerstadt kommt, sieht unter anderem die zurückliegende Corona-Zeit als Grund für das Wachstum der Reichsbürger-Szene in Karlsruhe und der Region: „Hier kam es bei Vielen zu einer Abkehr vom Staat und zur Hinwendung zu solchen Szenen“, so Salomon.

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Reichsbürgerdemo und Gegendemo in Karlsruhe am 26. Juli
Foto: Paul Needham
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Reichsbürgerdemo und Gegendemo in Karlsruhe am 26. Juli
Foto: Paul Needham
Auch das verstärkte Aufkommen der AfD könne man mit dieser Zeit erklären. „Reichsbürger und die AfD kann man meiner Ansicht nach thematisch auch nicht trennen.“ Das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) geht davon aus, dass rund fünf Prozent der Reichsbürger und Selbstverwalter neben milieutypischen Ansichten „auch rechtsextremistische Narrative“ vertreten.
Gefahrenpotenzial der Reichsbürger ist hoch
Das Gefahrenpotenzial der Szene sei nach Ansicht des LfV dabei hoch: „Es lässt sich immer wieder zum Teil Widerstand – auch mittels körperlicher Gewalt – gegen staatliche Repräsentanten feststellen. Im Schriftverkehr oder persönlichen Kontakt kommt es zudem zu Einschüchterungsversuchen gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Behörden“, erklärt das Innenministerium in seiner Antwort an die Landtagsabgeordneten.

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Reichsbürgerdemo und Gegendemo in Karlsruhe am 26. Juli
Foto: Paul Needham
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Reichsbürgerdemo und Gegendemo in Karlsruhe am 26. Juli
Foto: Paul Needham
Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe seien demnach im Zeitraum von 2022 bis 2024 insgesamt vierzehn politisch motivierte Straftaten von Reichsbürgern festgestellt worden. Bedenklich sei auch, dass die Anhänger staatsfeindliche Ideologien auf Kundgebungen, wie etwa im vergangenen Juli in Karlsruhe, verbreiten.
„Wir brauchen mehr Aufklärung und Sensibilisierung“
„Wir können von Glück reden, dass die Zahl der Straftaten in Karlsruhe sich noch in Grenzen hält. Das trägt aber bei den Menschen dennoch zur Verunsicherung bei. Hier braucht es mehr Aufklärung und Sensibilisierung zu dem Thema Reichsbürger- gerade auch im Wohnumfeld der Menschen“, erklärt Salomon gegenüber ka-news und nimmt damit die Landesregierung in die Pflicht. Wichtig sei es, den Reichsbürgern schnellstmöglich „Grenzen aufzuzeigen“.

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Alexander Salomon
Foto: Lena Lux/Grünen-Landtagsfraktion
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Alexander Salomon
Foto: Lena Lux/Grünen-Landtagsfraktion
„Wenn die Zahl der Anhänger steigt, bleiben diese vielleicht irgendwann mit ihren Ideologien nicht mehr unter sich, sondern wenden sich aktiv gegen den Staat. Das muss man im Keim ersticken“, so der Grünen-Landtagsabgeordnete. „Sonst kann sich solch eine Situation schnell potenzieren.“
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Melissa Betsch
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