Mehr als 8.000 schwer kranke Menschen hoffen derzeit in Deutschland auf ein Spenderorgan. In sozialen Medien verbreitet sich nun, dass es einen aktuellen Organspendeskandal gebe: „Die Münchner Polizei enthüllte ein Organhandelsnetzwerk, das fast drei Jahre lang im Krankenhaus aktiv war“, heißt es in einem Video auf Facebook und Tiktok. Die Polizei habe Durchsuchungen durchgeführt. Ein Vorwurf laute, dass Menschen auf dem Weg der Besserung plötzlich verstarben, um heimlich ihre Organe zu entnehmen. Kann das stimmen?

Bewertung

Frei erfunden. Der Polizei München ist ein solcher Fall nicht bekannt. Die Bilder in dem Video passen nicht zu Vorfällen in Deutschland.

Fakten

In dem kursierenden Video heißt es, die Polizei in München ermittele in dem Fall und habe Räume in dem – nicht näher bezeichneten – Krankenhaus durchsucht. Doch der Polizei in München ist kein solcher Fall bekannt. „Das Video ist fake. Einen entsprechenden Fall gibt es nicht“, teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums München der Deutschen Presse-Agentur (dpa) auf Anfrage mit.

Weitere Details in dem Video zeigen deutlich, dass es sich um eine Falschmeldung handelt: Es finden sich keine seriösen Medienberichte über den vermeintlichen Fall – nur das kursierende Social-Media-Video. Das Social-Media-Video nennt keinen Namen eines angeblich betroffenen Krankenhauses in München. Ein echter Bericht enthielte mehr Details zu Zeit und Ort.

Bilder im Video zeigen Hinweise auf KI-Einsatz

Wer im Netz auf vermeintlich sensationelle Nachrichten stößt, sollte skeptisch sein und prüfen, ob seriöse Medien ebenfalls darüber berichten oder Behörden dazu informieren.

Die Bilder, die in dem Video zu sehen sind, wirken teilweise KI-generiert oder anderweitig manipuliert. Ein Bild zeigt etwa einen Polizisten vor einem grauen Mikrofon einer Journalistin. Der Polizist hat zwar den deutschen Schriftzug „Polizei“ auf der Uniform, doch zu sehen ist auch ein Abzeichen auf seiner Brust – das ist in Deutschland nicht gebräuchlich. Auch das Blaulicht auf seinem Auto im Bildhintergrund entspricht nicht den Blaulichtern auf deutschen Polizeiautos. Die Hand der Journalistin am Mikrofon wirkt verformt.

In München und anderswo in Deutschland spielte sich 2012 allerdings ein Fall ab, der entfernt an diese frei erfundene Falschmeldung erinnert – allerdings ging es dabei nicht darum, dass angeblich Menschen zum Zweck der Organentnahme getötet wurden.

Organtransplantationsskandal von 2012 lief anders ab

Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ brachten 2012 den bisher wohl größten Organtransplantationsskandal seit Bestehen der Bundesrepublik ans Licht. Ärzte sollen in Göttingen, Regensburg und München Krankenakten gefälscht haben, um bestimmte Patienten bevorzugt mit Spenderorganen zu versorgen. Indem sie die Patienten kränker darstellten, als sie waren, rückten diese in der Liste der Wartenden für ein Spenderorgan weiter nach oben. Es wurden aber keine Menschen zum Zweck der Organentnahme geschädigt oder gar getötet. In keinem Fall konnte eine persönliche Bereicherung der verwickelten Ärzte festgestellt werden.

Seither werden die Transplantationszentren in Deutschland schärfer kontrolliert. Nach den 2012 aufgedeckten Transplantationsskandalen wurden zudem die Regeln, um den Hirntod eines Patienten festzustellen, weiter verschärft.

(Stand: 15.1.2026)

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Transparenzhinweis

Das Projekt „Augsburg checkt’s“ erfolgt in gemeinsamer Zusammenarbeit der Stadt Augsburg, den Stadtwerken Augsburg, der Augsburger Allgemeinen und der Deutschen Presseagentur. Stadt und Stadtwerke stellen Gebäude, Liegenschaften sowie Fahrzeuge für die Initiative zur Verfügung. Auf Inhalte haben sie keinen Einfluss. Die Faktenchecks wurden von der Deutschen Presseagentur recherchiert und werden über die Augsburger Allgemeine publiziert. 

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