Umsonstladen in Gostenhof

„Es ist eine Seltenheit, wenn jemand Danke sagt“

24.01.2026 – 06:06 UhrLesedauer: 2 Min.

Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Und das auch noch (fast) umsonst.Vergrößern des Bildes

Johanna Zwinscher in ihrem Umsonstladen in Nürnberg-Gostenhof: Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. (Quelle: Meike Kreil/t-online)

Der „Umsonstladen“ in Nürnberg will Dinge retten – und stößt dabei auch an menschliche Grenzen.

Ehrenamt kann ein harter Job sein. Das zeigt sich an Johanna Zwinscher und ihrem Team. Sie führt den „Umsonstladen“ an der Rothenburger Straße in Gostenhof. Ehrenamtliche betreuen den kleinen Laden, in dem Dinge, die andere nicht mehr benötigen, angeboten werden, um ein zweites Leben zu bekommen: Kleidung, Spiele, Bücher, Haushaltsgegenstände.

Das Prinzip ist einfach: Wer möchte, bringt etwas vorbei. Wer etwas braucht, darf es mitnehmen: gegen eine Mindestspende von zwei Euro pro Besuch – um zumindest die Miete bezahlen zu können, so Zwinscher.

Aber: Der Alltag im Laden sei anspruchsvoll. Häufig gerieten die unentgeltlichen Mitarbeiter an ihre persönlichen Grenzen, so Betreiberin Zwinscher. Das Publikum sei speziell und ließe oft Respekt vermissen. Johanna Zwinscher: „Es ist eine Seltenheit, wenn jemand Danke sagt.“ Regelmäßig komme es zu Auseinandersetzungen, wenn Besucher etwa auf die Regeln hingewiesen würden, sagt sie. Allzu oft werde der Ton auf der Besucherseite schärfer.

Es habe Fälle gegeben, in denen sich die Ehrenamtlichen bedroht fühlten. Einmal sei die Auseinandersetzung so heftig gewesen, dass fast die Polizei gerufen worden wäre. Ein Besucher wollte nicht akzeptieren, dass er nur eine begrenzte Anzahl von Dingen mitnehmen darf. Aus Sicherheitsgründen wird der Laden deshalb heute nicht mehr allein betreut. Schichten werden möglichst immer mit zwei Mitarbeitern besetzt.

Die Lage des Ladens spiegelt sich im Publikum wider: Gostenhof sei ein Stadtteil mit besonderen sozialen Herausforderungen, sagt sie und spricht von einem „Brennpunkt“. Andere Standorte in besserer Lage, etwa in Erlangen, hätten deutlich weniger mit vergleichbaren Problemen zu kämpfen, weiß sie.

Der Umsonstladen existiert seit 2008. Der Träger ist eine gemeinnützige Organisation mit christlichem Hintergrund, den sogenannten Jesus Freaks. Das sei für manche Besucher mit bestimmten Erwartungen verbunden, erklärt die 45-Jährige. Nicht alle betrachteten den Laden als freiwilliges Angebot, sondern als etwas, das ihnen zustehe. Der Laden sei nicht als klassische karitative Einrichtung gedacht, betont sie. Ziel sei es zu zeigen, dass gebrauchte Dinge für alle da sind – unabhängig von Einkommen oder Herkunft.