Seinen Elfmeter direkt vor der pfeifenden Waldseite hatte Emre Can in der Anfangsphase eiskalt zur Führung verwandelt und damit den 3:0-Sieg des BVB beim 1. FC Union Berlin eingeleitet. In der Dreierabwehrkette war er lange eine Stütze und überzeugte mit resoluter Zweikampfführung, doch in der zweiten Hälfte spielte der Kapitän von Borussia Dortmund mit dem Feuer.
Nach einem Foul gab er den Ball nicht frei und provozierte durch einen Schubser gegen Janik Haberer eine Rudelbildung. Spieler und Fans des 1. FC Union Berlin forderten Rot, doch Schiedsrichter Robert Hartmann beließ es korrekterweise bei einer gelben Karte.
Später wälzte sich Can nach einem Foul von Diogo Leite auf dem Boden, gestikulierte emotional und diskutierte. Es fehlte nicht viel und der langjährige Nationalspieler wäre vermutlich vom Platz geflogen.
Das ist Fußball, das sind Emotionen, Ob das alles richtig ist, ob das ladylike ist, keine Ahnung.
Steffen Baumgart
Für Unions Fans wurde er zur Zielscheibe. Bis ihn Niko Kovac in der 69. Minute auswechselte, pfiffen die Berliner Anhänger Can bei jeder Gelegenheit aus und beleidigten ihn übel („Emre Can, du Sohn einer …“). „Ich musste ihn runternehmen, weil schon die Gefahr bestand, dass wir mit einem Mann weniger spielen“, sagte Kovac.
Ilyas Ansah gingen die Beleidigungen der Anhänger gegen Can zu weit. „Ich foule ihn, er foult mich. Zweikämpfe gehören zum Fußball, das von den Fans nicht“, sagte Unions Stürmer, der vor Jahren in Dortmund spielte, allerdings nicht für den BVB, sondern für Eintracht. Unions Fans hätten wie üblich für eine großartige Stimmung gesorgt, „ein, zwei Sprüche sind aber ein Tick zu viel gewesen“.
BVB verkürzt Rückstand
Steffen Baumgart hatte hingegen keine Lust auf eine Diskussion über die Ausdrucksweise der Fans. „Wenn ich jetzt auf alles reagieren soll, was von der Tribüne kommt – das lassen wir“, sagte Unions Trainer. „Das ist Fußball, das sind Emotionen, Ob das alles richtig ist, ob das ladylike ist, keine Ahnung.“
Can selbst äußerte sich nicht zu den Beleidigungen, aber zu seinem Schubser gegen Haberer. „Das sind Emotionen. Das sollte nicht passieren, aber das kommt einfach hoch“, sagte er. Mit dem Spiel seiner Mannschaft war er hingegen sehr zufrieden. „Das war richtiger Männerfußball – nicht immer schön, aber die Punkte zählen.“ Durch die erste Saisonniederlage des FC Bayern gegen Augsburg hat der BVB den Rückstand auf acht Zähler verringert.
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Auf Instagram postete Can am Abend noch ein Foto, auf dem sein Fuß in einer leicht zerrissenen gelben Socke zu sehen ist, an der Ferse ein großer Blutfleck. Es war kein angenehmer Nachmittag in Köpenick für Emre Can – doch mit dem 3:0-Sieg ein erfolgreicher.