200 Sportvereine, 45.000 Sportler: Das sind zwei Zahlen, die gut zeigen, wie groß die Sportszene in Berlin-Spandau ist. Mittendrin steckt der TSV Staaken 1906.

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Der Traditionsverein wird geführt von Oliver Hänsgen. Der Spandau-Newsletter des Tagesspiegels sprach mit dem 42-Jährigen über fehlende Sporthallen, fehlende Radwege, Olympia – und ein erfolgreiches Sportprogramm, um Kinder von der Couch zu holen: „Die Familien rennen uns die Bude ein!“

Herr Hänsgen, Sie sind Chef des TSV Staaken. Weil jetzt alle zu Jahresbeginn über Fitness und gute Vorsätze reden: Wie halten Sie sich fit?
Ich spiele Tischtennis und bin oft beim Lauf der Sympathie dabei. Und ich fahre gerne Rad, manchmal 80 Kilometer am Tag, vier Stunden raus nach Ribbeck und zurück.

1000

Mitglieder hat der TSV Staaken, davon sind 600 Jugendliche und Kinder.

Wer Ihren Verein nicht kennt: Wo findet man den TSV?
Nicht weit entfernt von der Gartenstadt Staaken. Straße 331, da ist unser Vereinsheim. Und im Internet unter www.tsvstaaken.de.

Und wo findet man den TSV sportlich?
Für die Kinder in Staaken: Grundschule am Brandwerder, Astrid-Lindgren-Grundschule, Zeppelin-Grundschule. Für die Erwachsenen ist der Radius etwas größer: unsere Volleyballer zum Beispiel in der Carlo-Schmid-Schule, Badminton an der Falkenseer Chaussee, die Tischtennisspieler in der Lily-Braun-Schule nahe der Altstadt…

Vorsitzender des TSV Staaken aus Berlin Spandau, Oliver Hänsgen Vorsitzender des TSV Staaken aus Berlin-Spandau: Oliver Hänsgen.

© privat

Wo kommen Ihre Mitglieder her?
Die meisten wirklich aus Staaken. Zwei Drittel sind Kinder und Jugendliche, also 600 der knapp 1000 Vereinsmitglieder.

Was ist aktuell gefragt bei den Kindern?
Turnen, Gymnastik, Spielen – generell der Spaß an spielerischer Bewegung. Allerdings muss ich neugierige Eltern etwas bremsen: Wir laufen über und haben wie fast alle Sportvereine Wartelisten.

Wenn es wieder mal reinregnet in die Sporthalle und das Training abgesagt wird, ist es anstrengend.

Oliver Hänsgen

Liegt’s an fehlenden Trainern oder fehlenden Hallen in Spandau?
Beide sind Mangelware, sowohl ausgebildete Trainer mit Lizenz des Landessportbundes als auch Hallenkapazitäten. Das Sportamt kann nicht zaubern, die versuchen jeden Tag ganz viel. Aber wenn es mal wieder reinregnet in die Astrid-Lindgren-Halle und uns die Sperrung kurz vorm Training per Mail mitgeteilt wird, ist das anstrengend.

Richtfest Spandau Staaken Grundschule an der Heerstraße zw Weidenweg und Wiesenweg An der Heerstraße entsteht neben der neuen Schule auch eine neue Halle. Geplante Eröffnung: Sommer 2026.

© André Görke

Wir hoffen auf Entlastung durch die neue Sporthalle, die 2026 an der neuen Schule in Staaken entsteht. Vermutlich haben andere Vereine aber auch diese Hoffnung (lacht).

200 Sportvereine gibt’s in Spandau. Kurz und knapp: Was muss man über Ihren Klub wissen?
Wir sind ein Breitensportverein für Familien und feiern 2026 unser 120-jähriges Bestehen mit einer Dampferfahrt und werden auch mal wieder beim traditionsreichen Umzug in der Gartenstadt dabei sein. Wir hatten sogar mal einen Spielmannszug, der beim großen Festumzug durch die Gartenstadt Staaken eine echte Attraktion war. Hier ein Foto von damals aus der Gartenstadt Staaken…

Spielmannszug des TSV Staaken aus Spandau vor dem Rathaus Spandau Der Spielmannszug 2006 in der Gartenstadt Staaken.

© TSV Staaken

Oder hier, damals am Rathaus.

Spielmannszug des TSV Staaken aus Spandau vor dem Rathaus Spandau Der Spielmannszug des TSV Staaken vor dem Rathaus Spandau.

© TSV Staaken

Wir bieten aber auch ohne Spielmannszug heute noch ein klassisches Vereinsleben, wo man Freunde fürs Leben findet. Das unterscheidet uns von einem Fitnessstudio. Und wir sind als Verein zum ersten Mal bei den ‚Winterspielplätzen‘ dabei, weil wir uns stärker im Kiez engagieren möchten.

Wer’s nicht kennt: Bei den Winterspielplätzen können Eltern in Spandau bis März 2026 ihre Kinder gratis in einige Sporthallen schicken, wo sie sich austoben können. Mal konkret: Was stellt der TSV Staaken in Spandau auf die Beine?
Jeden Sonntag bauen unsere Übungsleiterinnen und Übungsleiter einen Parcours auf, auf dem sich die Kinder von 14.30 bis 17.30 Uhr austoben können. Eine Anmeldung ist bei uns nicht notwendig, Kinder dürfen aber nur in Begleitung mindestens eines Erziehungsberechtigten teilnehmen, die auch die Aufsichtspflicht haben – wie auf einem Spielplatz draußen. Unser Winterspielplatz findet in der Sporthalle der Grundschule am Brandwerder in Staaken statt, also Spandauer Straße 86.

Wir holen die Kinder so von der Couch runter oder vom Bildschirm weg.

Oliver Hänsgen über das Familienangebot

Die Resonanz auf das Angebot?
Staakens Familien rennen uns die Bude ein! (lacht) Die Resonanz ist herausragend. Das Bezirksamt hilft finanziell bei der Bezahlung der Betreuer und organisiert die Werbung für das Projekt. So erreichen wir Kinder, die nicht bei uns Mitglied sind und holen sie von der Couch oder vom Bildschirm weg. Sozial ein richtig gut funktionierendes Projekt!

Ihre Spandau-Vita?
Ich bin hier geboren: Waldkrankenhaus, aufgewachsen in der Großsiedlung Heerstraße Nord, Christian-Morgenstern-Grundschule, Abitur an der MBO, also Martin-Buber-Oberschule. Als Kind, 1990 war’s, kam ich als Siebenjähriger zum TSV Staaken und habe mich später auch mal beim SC Zitadelle im Schach engagiert.

Ich fände es gut, wenn die Olympia-Bewerbung Berlins die Unterstützung erhält, die sie verdient.

Oliver Hänsgen

Politisch habe ich mich für die SPD als Spandauer Juso-Chef und Bezirksverordneter im Rathaus eingebracht. Seit einigen Jahren arbeite ich für das Europäische Parlament. Früher in Brüssel, jetzt in Berlin. Mit meiner Familie lebe ich heute wieder in Staaken.

Das Jahr ist noch jung: Ein Wunsch für 2026?
Ich fände es gut, wenn die Olympia-Bewerbung Berlins die Unterstützung erhält, die sie verdient. Die sportliche Infrastruktur würde deutlich profitieren. Apropos Infrastruktur: Mal ein neuer Radweg in Spandau wäre auch schön – zum Beispiel am Brunsbütteler Damm stadteinwärts.

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