„Satire tut wohl doch weh“

Düsseldorfer Künstler spricht über Anklage Russlands

25.01.2026 – 12:09 UhrLesedauer: 2 Min.

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Der Düsseldorfer Wagenbauer und Bildhauer Jacques Tilly (Archivbild): Er ist von der russischen Justiz angeklagt worden. (Quelle: IMAGO/Ying Tang)

Jacques Tilly wird in Russland wegen seiner Putin-kritischen Mottowagen angeklagt. In einem Interview erklärt er, wie er von der Anklage erfahren hat, was sie für ihn bedeutet – und warum er seine Arbeit trotz der Bedrohung weiterverfolgt.

Demnach erfuhr Tilly von dem Verfahren Ende Dezember, als ihm Unterstützer aus dem Verein „Freies Russland NRW“ die Anklageschrift zuschickten. Selbst sei er nicht offiziell von russischer Seite informiert worden, kritisiert er. Laut Anklage soll er angeblich „Falschmeldungen über die russische Armee verbreitet“ und aus „Hass und eigennützigen Motiven“ gehandelt haben – Vorwürfe, die Tilly als absurd und unverhältnismäßig zurückweist.

Der Prozess in Moskau findet in seiner Abwesenheit statt und wurde zuletzt auf den 28. Januar terminiert, nachdem eine Pflichtverteidigerin nicht erschienen war. Die deutsche Botschaft war beim ersten Termin im Dezember vertreten, das Auswärtige Amt berät Tilly.

Tilly beschreibt seine Reaktion auf die Anklage als zerrissen: Einerseits sei es bedrohlich, von einem Staat wie Russland als Staatsfeind ins Visier genommen zu werden. Andererseits werte er das als Bestätigung seiner Arbeit: „Satire tut wohl doch weh“, sagt er – ein Zeichen, dass seine Botschaften auch international wahrgenommen werden. „Dass das, was wir machen, nicht nur karnevalistische Unterhaltung ist, sondern sogar bei Putin ankommt – das motiviert mich.“

Seit mehr als einem Jahrzehnt setzt sich Tilly mit Putin auseinander. Sein erstes Putin-Motiv entstand bereits 2009, lange bevor der russische Präsident international zum Symbol autoritärer Politik wurde. Tilly wollte seinerzeit auf die Gefährdung der Pressefreiheit in Russland aufmerksam machen. „Ich war nie ein Putin-Versteher und habe immer vor ihm gewarnt“, so der Künstler.

Welches seiner Werke die jetzige Anklage ausgelöst hat, weiß er nicht genau. Möglich sei, dass Wagen wie „Putin in Jail“, den er 2024 vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag stellte, die Reaktion in Moskau provoziert habe.