Münchens bekanntestes Funkloch, das sich ausgerechnet im noblen Herzogpark in Bogenhausen auftut, soll demnächst gestopft werden. Das kündigt zumindest der Netzanbieter Vodafone an und verweist auf die Installation eines mobilen Mobilfunkmasts. Für diesen sei ein geeigneter Standort auf Privatgrund bereits gefunden, teilt ein Konzernsprecher mit. Sobald das notwendige statische Gutachten vorliege, werde die Anlage aufgebaut und angeschlossen. Im Anschluss soll der Funkmast nicht nur das Vodafone-Netz stärken, sondern auch die Telekom werde die Anlage mitnutzen, teilt ein Sprecher der Firma mit.

Die Kundinnen und Kunden jener zwei Unternehmen klagen schon seit Monaten über einen schlechten bis nicht vorhandenen Handyempfang im westlichen Bogenhausen. „In meiner Wohnung habe ich so gut wie kein Netz“, berichtet etwa Gregor Abt, der in der Mauerkircherstraße lebt. „Und mobile Daten gehen gar nicht.“ Ähnliche Probleme hätten viele seiner Nachbarinnen und Nachbarn, sagt Gregor Abt. Und auch der frühere BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb hat via der Boulevardzeitung tz seinen Unmut darüber kundgetan, dass er sich zum E-Mailen oder Telefonieren in eine bestimmte Ecke seines Wohnzimmers stellen müsse, wo zumindest ab und zu ein Empfangsbalken auf dem Handy auftauche.

Ursächlich für den Funkloch-Frust ist die Sanierung des Hilton-Hotels im Tucherpark. Auf dessen Dach standen laut einem Telekom-Sprecher Sendeantennen, die aufgrund der Bauarbeiten im vergangenen Juni entfernt wurden. Das Hotel sei wegen seiner Lage und Höhe ideal gewesen, um die Umgebung zu versorgen, teilte der Sprecher im Oktober mit. „Die Suche nach einem neuen Mobilfunkstandort in diesem Bereich war leider erfolglos.“ Auch bei Vodafone räumt man ein, dass der Abbau der Anlage auf dem Hotel zu „Einschränkungen“ geführt habe. Diese reichen „von einem schwächeren Netz bis hin zum Totalausfall bei einzelnen Kunden“, sagt ein Konzernsprecher. Ursprünglich habe Vodafone nahebei einen mobilen Mobilfunkmasten auf städtischem Grund aufstellen wollen. Doch dies habe das Rathaus nicht genehmigt.

Dabei gibt es nur einige Hundert Meter entfernt einen bestehenden Funkmast – auf dem Dach einer Villa an der Ifflandstraße. Deren Eigentümer, der anonym bleiben will, hat eigenen Angaben zufolge dereinst mit Vodafone einen Zehn-Jahres-Vertrag für die Anlage abgeschlossen. Jedoch sei diese nie in Betrieb gegangen. Und nach Ablauf der zehn Jahre habe er dann mit Vodafone vereinbart, dass die Station stehen bleibt. „Da ist alles noch da, vom Stromanschluss bis zum separaten Zugang“, sagt der Eigentümer. Als die Gegend rund um sein Anwesen vergangenes Jahr plötzlich zum Funkloch wurde, habe er sich an mehrere Anbieter gewandt, darunter Vodafone und Telekom. Allein sein Vorschlag auf eine Nutzung der bestehenden Anlage sei auf taube Ohren gestoßen, berichtet der Eigentümer.

Seitens Vodafone heißt es dazu, dass der angebotene Standort ungeeignet sei. Nicht nur würde der Denkmalschutz einen aufwändigen Umbau erfordern, sondern die Anlage könnte auch nur etwa 20 Prozent der verlorenen Netzabdeckung auffangen – würde also „so gut wie gar nichts bringen“, sagt der Konzernsprecher. Auch bei der Telekom heißt es mit Blick auf das Angebot, dieses liege „200 Meter außerhalb des äußersten Randes des Suchkreises“. Und weiter: „Daher lässt sich von dem Standort aus das Versorgungsziel nicht erreichen.“ Ohnehin habe sich die Situation in Bogenhausen zuletzt „etwas entspannt“, sagt der Telekom-Sprecher. So hätten Anpassungen an bestehenden Standorten „messbare Verbesserungen“ gebracht. Zudem würden in den nächsten Tagen zwei mobile Anlagen im Tucherpark in Betrieb gehen, „die eine signifikante Verbesserung bringen werden“.

Dauerhaft Abhilfe schaffen soll dann der mobile Vodafone-Funkmast, der nach Angaben des Konzerns kurz vor der Errichtung steht. Wenn die Anlage einmal aufgebaut sei, müsse sie noch ins Münchner Mobilfunknetz sowie in das weltweite Telekommunikationsnetz für Sprach- und Datenübertragung integriert werden, so der Sprecher. „Diese Arbeiten dauern etwa zwei Wochen nach Aufstellung des mobilen Funkmasts.“