Standdatum: 25. Januar 2026.

Autorinnen und Autoren:
Matthias Röhrs

Ein Hubschrauber steht auf einer Rasenfläche im Garten

2022 hat Merle Lorenzen ihr Hubschrauber-Projekt gestartet. Jeder Euro, der vom Gehalt übrig ist, fließt in die Maschine.

Bild: Radio Bremen | Matthias Röhrs

Wenn die Liebe zu einer Fernsehserie ein bisschen eskaliert: Seit 2022 bastelt die Lilienthalerin Merle Lorenzen in ihrem Garten an einer ausrangierten Bell UH-1D.

Auch wenn diese „Gartendeko“ nicht zu übersehen ist, schaut man doch immer zweimal hin. Denn Merle Lorenzen aus Lilienthal baut einen Helikopter im Garten vor ihrem Wohnhaus. Genauer: eine Bell UH-1D aus dem Jahr 1968. Insider nennen sie „Teppichklopfer“ – wegen ihres Sounds.

Merle Lorenzen sitzt in ihrem selbstgebauten Hubschrauber

Merle Lorenzen in ihren Hubschrauber.

Bild: Radio Bremen | Matthias Röhrs

Ein Sound, den Lorenzens UH-1D nie mehr machen wird. Trotzdem soll alles einmal möglichst original sein. So, wie sie die Bundeswehr als Rettungshubschrauber geflogen hat. Die 29-Jährige arbeitet selbst als Rettungssanitäterin. Aber warum baut man einen Helikopter im Garten? Lorenzen lacht kurz auf. „Weil man bekloppt ist“, lautet die knappe Antwort der 29-Jährigen.

Mit einer Tür fing alles an

Die Bell UH-1D ist bekannt aus Hollywood-Filmen. Geht es um den Vietnam-Krieg, ist fast immer eine zu sehen. Auch Lorenzens Leidenschaft für diesen Helikopter hat ihren Ursprung im Fernsehen. Sie sei ein Fan von Fernsehserien, erklärt sie, und als Heranwachsende standen bei ihr „Die Rettungsflieger“ ganz Hoch im Kurs. Eine Serie, die bis Mitte 2007 im ZDF lief. Die Bell UH-1D war dort als Rettungshubschrauber ein zentrales Element, und das mit der typisch orangenen Schiebetür. Für Lorenzen ist diese sogar ikonisch. Genau so eine wollte sie auch besitzen.   

2022, in der Zwischenzeit ist Lorenzen selbst Rettungssanitäterin geworden, war es dann soweit. Das berühmte „SAR“, kurz für „Search and Rescue“ (retten und finden) steht in großen Buchstaben auf der Tür. Es ist der Auftakt eines ungewöhnlichen Projekts. Nach und nach wollte Lorenzen mehr Hubschrauber-Teile, wenn auch mehr zu Dekoration. Manche Stücke gab es aber nur zusammen mit anderen. Und so führte eines zum anderen. Die Idee, einen ganzen Hubschrauber im Garten aufzubauen, war geboren.

Die Seite des Hubschraubers mit der großen Aufschrift "SAR"

Das Kürzel „SAR“ auf der Tür des Hubschraubers.

Bild: Radio Bremen | Matthias Röhrs

Die UH-1D bleibt flugunfähig

Von außen sieht alles bereits sehr weit fortgeschritten aus. Eigentlich fehlt nur noch der Rotor auf dem Dach. Der kommt aber erst nächstes Jahr drauf, die Rotorblätter stehen bereits an einer Hecke in der Nähe. Zunächst stehen aber noch Lackarbeiten im Innenraum auf dem Plan, so Lorenzen. Im Innenraum steht noch einiges an Arbeit an. Überall hängen Kabel, die hat die Bundeswehr durchgeschnitten, als sie den Helikopter demilitarisiert hat, also untauglich gemacht hat.

Die Knöpfe und Schalter funktionieren nicht mehr. Lorenzen weiß von Bastlern, die in mühevoller Arbeit so etwas wieder instandsetzen. Bei ihr hat das aber Grenzen.

Es ist natürlich ein Herz dahinter, das sagt: Das muss so original wie möglich sein. Aber es muss in gewissen Teilen auch praktikabel sein. Es bringt mir nichts, wenn ich den Originallack verwende und ich dann alle zwei Jahre neu lackieren muss.

Merle Lorenzen

In die Luft steigen wird Lorenzens UH-1D übrigens nicht mehr. Zu hoch wären die Anforderungen, die laufenden Kosten – und zu groß der nötige Papierkram. Stattdessen hofft die Lilienthalerin darauf, irgendwann genügend Geld zu haben, um den Hubschrauber mittels VR-Technik erlebbar zu machen.

Steter Kampf gegen die Witterung

Dass der Helikopter dabei im Garten steht, erschwert die Arbeit zusätzlich. Es ist ein steter Kampf gegen die Witterung. „Wir müssen aufpassen, die Teile sind wahnsinnig alt und schwer zu bekommen. Wenn mir ein Teil vergammelt, dann ist es endgültig kaputt. Dann kriege ich das nicht ersetzt“, sagt die 29-Jährige.

Innenleben des Hubschraubers mit zerrissenen Kabeln

Das Innenleben des Hubschraubers ist unfertig.

Bild: Radio Bremen | Matthias Röhrs

Deshalb sei auch noch offen, ob der Hubschrauber jemals eine Innenausstattung bekommt. Denn den würden sie niemals dicht bekommen, sagt Lorenzen. So muss sie sich über den Winter mit einer Plane als Schutz behelfen. Eine Halle oder ein Hangar steht Lorenzen nicht zur Verfügung.

Deshalb geht auch das Rasenmähen rund um den Helikopter nicht mehr ohne Hilfe, ist am Ende des Tages aber weniger kompliziert als man glaubt. Mit etwas Kraft kann man den Heckausleger nach unten drücken. Der vordere Teil neigt sich dann nach oben – das Gras kann geschnitten werden.

Frühestens in fünf Jahren ist alles fertig

1,2 Millionen Euro kostet eine flugfähige Bell UH-1D, schätzt Lorenzen. Sie selbst kalkuliert für ihren Eigenbau aktuell mit 50.000 Euro. Jeder Euro, der vom Gehalt übrig ist, fließt in die Maschine. Die Teile findet Lorenzen über Kleinanzeigen, Ebay oder Bekannte. Hilfe beim Zusammenbauen bekommt sie von ihrer Familie und einigen Schülern einer nahen Schule. Fertig ist die Bell UH-1D aber frühestens in fünf Jahren, schätzt sie. Und dann soll sie mehr sein, als eine Dekoration.

Dieser Hubschrauber hat eine sehr große Fangemeinde. Und deswegen möchten wir auch nicht, dass das jetzt einfach nur eine private Gartendeko bleibt. Wir möchten das auch der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Merle Lorenzen

Dieses Thema im Programm:
Bremen Eins, 22. Januar, 14:40 Uhr