Die Alzheimer-Erkrankung, die häufigste Form der Demenz, verzeichnet in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg. Bestehende Verfahren zur Frühdiagnostik sind häufig zeitaufwendig und mit hohen Kosten verbunden. Ein neu entwickelter Alzheimer-Test könnte hier Abhilfe schaffen, sofern er sich im Rahmen einer internationalen Studie als verlässlich erweist, berichtet die BBC.

Studie: Neuer Alzheimer-Test ermöglicht unkomplizierte Diagnose

An der Bio-Hermes-002-Studie sind rund 1000 freiwillige Teilnehmende im Alter von über 60 Jahren aus Großbritannien, den USA und Kanada beteiligt. Wissenschaftler der medizinischen Forschungsstiftung LifeArc und der Global Alzheimer’s Platform Foundation untersuchen in Zusammenarbeit mit dem britischen Dementia Research Institute, ob sich der Test für eine zuverlässige Früherkennung der Erkrankung eignet.

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Nach Angaben von Dr. Giovanna Lalli, Direktorin für Strategie und Betrieb bei LifeArc, konzentriert sich das Forschungsteam auf drei Proteine, die in engem Zusammenhang mit der Alzheimer-Erkrankung stehen. Durch die Analyse dieser sogenannten Biomarker im Blut soll es möglich werden, anhand ihrer Konzentration das individuelle Erkrankungsrisiko abzuschätzen.

Die Studie baut laut BBC auf früheren Forschungsergebnissen auf, die gezeigt haben, dass pathologisch veränderte Proteine wie Amyloid und Tau bereits bis zu 15 Jahre vor dem Auftreten erster klinischer Symptome im Gehirn nachweisbar sind. Für den Test genügt ein einfacher Fingerstich, mit dem eine Blutprobe entnommen und anschließend zur Analyse an ein Labor geschickt werden kann. Das Verfahren ist für die Anwendung zu Hause konzipiert, da die Probe keine Kühlung erfordert, wie aus der Studie hervorgeht.

Bisherige Testverfahren sind aufwendig und teuer

Bei den freiwilligen Teilnehmern wird zur Referenz ein sogenannter Goldstandard in der Alzheimer-Diagnostik angewandt. Dieser umfasst entweder einen speziellen PET-Scan des Gehirns unter Einsatz eines radioaktiven Tracers oder eine Lumbalpunktion zur Entnahme von Liquor cerebrospinalis, der Hinweise auf krankheitstypische Veränderungen liefern kann. Diese Verfahren stehen bislang nur einem sehr kleinen Teil der Patienten zur Verfügung, sind kostenintensiv, zeitaufwendig und zudem invasiv.

Um valide und belastbare Ergebnisse zu erzielen, schließt die Studie sowohl kognitiv unauffällige Personen als auch Teilnehmende mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen sowie Menschen mit einer Alzheimer-Erkrankung im Frühstadium ein. Nach Angaben der Forscher wurden bisher rund 360 Untersuchungen erfolgreich durchgeführt. Mittelfristig hoffen sie, dass der neu entwickelte Fingerstich-Test als niedrigschwelliges Screening-Instrument zur Früherkennung von Demenzerkrankungen bei älteren Erwachsenen eingesetzt werden kann.

Die Forschung zu Blutbiomarkern zur Abschätzung des Alzheimer-Risikos hat in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. So haben die US-amerikanischen Behörden im vergangenen Jahr erstmals einen Bluttest zur Diagnose der Alzheimer-Krankheit zugelassen, bei dem die Blutentnahme konventionell mittels Nadel und Spritze erfolgt. Die laufende Studie zum Fingerstich-Test soll voraussichtlich im Jahr 2028 abgeschlossen werden, erste Zwischenergebnisse geben jedoch Anlass zu vorsichtigem Optimismus.