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Brüssel – Die EU-Kommission warnt vor beispiellosem Datenklau durch Hacker mithilfe neuer Super-Computer: Nur noch vier Jahre blieben demnach, um die sensibelsten Daten im Netz vor neuartigen Angriffen auf Passwörter zu schützen.

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Das geht aus einem Schreiben von EU-Kommissarin und Vizepräsidentin Henna Virkkunen (53) hervor, das BILD vorliegt. Die Finnin ist in der Behörde von Ursula von der Leyen (67) verantwortlich für Technologie-Souveränität und Datensicherheit.

In dem Schreiben an den EU-Abgeordneten Moritz Körner (35, FDP), Verhandlungsführer des EU-Parlaments für die UN-Cybercrime-Konvention, heißt es: „Angesichts des bereits bestehenden Risikos, dass heute Daten für spätere Entschlüsselungsangriffe gesammelt werden, und der langen Zeitspannen, die für die Umstellung von Verschlüsselungsverfahren erforderlich sind, wird im EU-Fahrplan empfohlen, bei Anwendungsfällen, die ein hohes Risiko bergen, die Verschlüsselungen schon bis 2030 auf Post-Quanten-Kryptografie umzustellen.“ Über die Umsetzung entscheiden die Mitgliedstaaten am Ende selbst.

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Hintergrund: Sogenannte Quantencomputer stellen demnach „eine Bedrohung für die Public-Key-Verschlüsselung dar“, sprich: Dann reichen selbst starke Passwörter nicht mehr aus!

Einziges Gegenmittel laut Experten: die deutlich bessere Verschlüsselung durch „Post-Quanten-Kryptografie“. Vor allem kleinen Firmen oder regionalen Behörden droht damit der Abfluss aller Daten. In den Worten des EU-Abgeordneten und Experten Moritz Körner (35, FDP): der „sicherheitspolitische Super-GAU“.

„Europas digitale Schutzmauern wanken“

Körner spricht gegenüber BILD von einem „digitalen Weckruf für ganz Europa“: „Unsere heutige Verschlüsselung ist nicht mehr zukunftssicher. Passwörter, Chats, Bankdaten und vertrauliche Behördeninformationen werden in absehbarer Zeit entschlüsselt werden.“

Körner warnt: „Das ist kein fernes Zukunftsszenario. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Europas digitale Schutzmauern wanken. Jeder Tag zählt.“

Quantencomputer des Start-ups IQM Germany stehen in einem Rechenzentrum

Quantencomputer des Start-ups IQM Germany stehen in einem Rechenzentrum

Foto: picture alliance/dpa

Ein aktueller Fall macht das Problem deutlich: Ein Cybersicherheitsexperte hat rund 150 Millionen gestohlene Zugangsdaten für E-Mail-Accounts, Social-Media-Profile, Shopping-Portale und sogar Regierungsbehörden entdeckt – frei zugänglich auf einem öffentlichen Server. Betroffen u. a.: Gmail, Yahoo, Facebook, Instagram und OnlyFans. Zuletzt hatte der Städte- und Gemeindebund Alarm geschlagen: „Hacker greifen fast täglich die IT unserer Gemeinden und Städte an.“

Die gute Nachricht: Der technische Fortschritt ist den Hackern ein Stück weit voraus: „Wir testen und nutzen quantensichere Netze schon heute im realen Betrieb – mit Post‑Quanten‑Kryptografie und, wo es besonders sensibel ist, zusätzlich mit Quantenschlüsselaustausch“, sagt Mallik Rao, Technikchef von o2 Telefónica, zu BILD.

Für die Verschlüsselung nutze man „mathematische Aufgaben, die sowohl für Quantencomputer als auch für klassische Computer als unlösbar gelten“. Dazu brauche es keine neue Hardware, aber Glasfaser und z.B. in Krankenhäusern und Unternehmen spezielle Technik, um Rechenzentren sicher zu vernetzen.

Der Rat des Experten: „Wer im Unternehmen sensible Daten schützt, sollte sich bereits heute mit Quantensicherheit beschäftigen.“ Verbraucher sollten Grundregeln beherzigen: „Neue Updates sofort einspielen, sobald sie verfügbar sind, lange Passwörter und Zwei‑Faktor‑Login nutzen.“