Mahnwache in Minneapolis nach einem erneuten tödlichen Schusswaffenvorfall. Ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE hatte einen 37-Jährigen erschossen.

Mahnwache in Minneapolis (dpa / AP / Adam Gray)

Ein Video, dessen Echtheit von den Behörden bestätigt wurde, zeigt mehrere Polizisten in Westen mit der Aufschrift „Polizei“. Sie ringen einen Mann zu Boden und schlagen mehrmals auf ihn ein. Ein Schuss fällt, die Beamten entfernen sich etwas von dem am Boden liegenden Mann und feuern weitere Schüsse auf ihn ab. Es ist nicht zu sehen, dass der Mann zuvor eine Waffe gezogen hätte. Laut Polizei war er legal im Besitz einer Pistole.
Schwere Vorwürfe der Eltern

Ein nicht verifiziertes Video scheint zudem zu zeigen, dass das Opfer, der Krankenpfleger Alex Pretti, zuvor eine Frau vor einem Tränengaseinsatz der Polizei zu schützen versuchte, als er von den Polizisten weggezerrt und zu Boden gerungen wird. Die Eltern des Getöteten werfen den Einsatzkräften vor, ihren Sohn ohne legitimen Grund erschossen zu haben. Nach Angaben des Investigativmediums Bellingcat gaben zwei Beamte „mindestens zehn Schüsse ab“. Die meisten Schüsse seien gefallen, „als der Mann bereits regungslos am Boden lag“. 

Das Heimatschutzministerium erklärte dagegen, ein Grenzschutzbeamter habe „Abwehrschüsse“ auf einen Mann abgegeben, der sich den Polizisten mit einer Pistole genähert und sich dann „gewaltsam“ seiner Entwaffnung widersetzt habe. Der Verdächtige habe eine Pistole, zwei Magazine und keinen Personalausweis bei sich gehabt. Es habe nach einer Situation ausgesehen, wo jemand maximalen Schaden anrichten und ein Massaker an Polizisten verüben wollte. Der stellvertretende Stabschef des Weißen Hauses, Stephen Miller, bezeichnete Pretti im Onlinedienst X als „Attentäter“. Vizepräsident JD Vance teilte den Beitrag. 

Unklarheit über mögliche Waffe des Opfers

Das Heimatschutzministerium veröffentlichte ein Foto, das die Pistole des Opfers zeigen soll. Allerdings ergab eine Analyse der Aufnahmen nach Angaben des Investigativmediums Bellingcat, dass schon kurz vor dem ersten Schuss einer der Beamten mit einer Pistole davonläuft. Diese sieht so aus wie die vom Ministerium gezeigte Waffe. Inzwischen erließ ein Richter eine einstweilige Verfügung, die es den Bundesbehörden untersagt, Beweismittel „zu zerstören oder zu verändern“.

Pretti war Pfleger auf der Intensivstation eines Veteranen-Krankenhauses. Nach Angaben seines Vaters hat er sich regelmäßig an den Protesten nach dem Tod von Renée Good in Minneapolis am 7. Januar beteiligt. Seine Ex-Frau erklärte, Pretti sei politisch für die Demokraten aktiv gewesen. Körperliche Konfrontationen habe sie bei ihm aber nie erlebt. Der Berufsverband US-amerikanischer Pflegekräfte, American Nurses Association, veröffentlichte eine Beileidsbekundung und forderte eine unabhängige Untersuchung.
Gouverneur Walz fordert Abzug von Bundespolizisten

Der Gouverneur des Bundesstaates Minnesota, Tim Walz, äußerte sich schockiert über den Tod des 37-jährigen US-Bürgers und sprach von einem „furchtbaren“ Vorfall. Er forderte Präsident Trump erneut auf, den Einsatz von US-Bundespolizisten zur Abschiebung von Migranten in Minneapolis zu beenden. „Ziehen Sie die tausenden gewalttätigen, nicht ausgebildeten Polizisten aus Minnesota ab. Jetzt“, schrieb Walz auf X. 

Er forderte zudem, dass die tödlichen Schüsse von Ermittlern seines Bundesstaates untersucht werden müssten. „Der Bundesregierung können diese Ermittlungen nicht anvertraut werden“, sagte der Demokrat. Auch der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, rief Trump auf, den Abschiebe-Einsatz zu beenden. Es müsse „Frieden“ geschaffen werden.

Die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar bezeichnete die tödlichen Polizeischüsse als „Hinrichtung“. Sie warf Trump vor, Minneapolis in ein „Kriegsgebiet“ zu verwandeln. Der Polizeichef von Minneapolis, Brian O’Hara, betonte, der Erschossene sei ein rechtmäßiger Waffenbesitzer gewesen. Er habe auch das Recht gehabt, seine Waffe mit sich zu führen.

Es war bereits der zweite tödliche Einsatz in Minneapolis innerhalb von nicht einmal drei Wochen. Am 7. Januar hatte ein Polizist der US-Einwanderungspolizei ICE die unbewaffnete Autofahrerin Renee Good erschossen. Zuletzt sorgte dann die Festnahme eines fünfjährigen Jungen durch ICE-Beamte für Empörung. Am Freitag demonstrierten tausende Menschen in Minneapolis, Restaurants und Geschäfte blieben geschlossen. 

Kritik auch von einzelnen Republikanern

Trump reagierte seinerseits mit scharfen Attacken. Frey und Walz würden „mit ihrer großspurigen, gefährlichen und arroganten Rhetorik zu einem Aufstand“ anstacheln, schrieb der Präsident auf seiner Onlineplattform Truth Social. Allerdings kamen aus seiner Partei auch vereinzelt andere Töne: Der republikanische Senator von Louisiana, Bill Cassidy, forderte eine gemeinsame Untersuchung des „unglaublich beunruhigenden“ Vorfalls durch lokale und Bundesbehörden. Er argumentierte damit, dass „die Glaubwürdigkeit von ICE und Heimatschutzministerium auf dem Spiel steht“.

Die Trump-Regierung hat tausende Bundespolizisten nach Minneapolis geschickt, um Ausländer ohne gültige Papiere festzunehmen und abzuschieben. Minneapolis zählt zu den sogenannten Sanctuary Cities, die Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung Schutz gewähren und nur begrenzt mit den Einwanderungsbehörden der Bundesregierung zusammenarbeiten. 

Diese Nachricht wurde am 25.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.