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Sigmaringen (Baden-Württemberg) – Es ist so traurig: Ein traditionsreiches Metall-Unternehmen hat nach 176 Jahren Insolvenz angemeldet. Ein Grund ist die Pleite eines anderen Unternehmens: eine gefährliche Kettenreaktion.
Das 1850 gegründete und familiengeführte Unternehmen Franz Ott aus Hettingen ist ein Zulieferer. Die Firma stellt vor allem Blechteile für Maschinenbauer her. Doch im Oktober brach der wichtigste Kunde weg: Der Strickmaschinen-Hersteller Stoll aus Reutlingen (Baden-Württemberg) ging pleite. So schnell kann es zu einer Ketten-Insolvenz kommen. Auch die Corona-Pandemie habe langfristige Liquiditätsprobleme verursacht, teilt Mitgeschäftsführerin Sabine Ott mit.
Was die Insolvenz für die Menschen bedeutet
Stadtrat Peter Seebach zu BILD: „Die Insolvenz von Franz Ott ist ein schwerer Schlag für unsere Gemeinde. Viele Mitarbeiter stammen aus dem Ort, haben Familie.“ In der Kleinstadt (1800 Einwohner) ist die Angst vor Jobverlust jetzt groß. 50 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.
Allerdings gebe es positive Signale. Andere Unternehmen aus der Region hätten angekündigt, Franz Ott im vorläufigen Insolvenzverfahren zu unterstützen, so Seebach weiter zu BILD. Zuerst hatte die „Schwäbische Zeitung“ berichtet.

In der Stadt Hettingen geht die Angst vor Jobverlust um. Doch laut Stadtrat Seebach halten die Unternehmen in der Region zusammen
Foto: Privat
Was jetzt in dem Unternehmen passiert
Der Geschäftsbetrieb soll vorerst normal weiterlaufen. Chefin Sabine Ott: „Ziel ist, Firma und Arbeitsplätze zu erhalten.“ Gemeinsam mit Insolvenzverwalter Florian Götz werden Investoren gesucht. Der Traditionsbetrieb beliefert renommierte Firmen, darunter Maschinenbauer Trumpf und Kranhersteller Liebherr. Problem: Die gesamte Metall- und Maschinenbaubranche leidet unter schwacher Konjunktur. So will ein weiterer Franz-Ott-Kunde, Fräsmaschinenbauer Hermle aus Tuttlingen, weltweit rund 1000 Stellen abbauen. Und Strickmaschinen-Hersteller Mayer & Cie. aus dem benachbarten Albstadt musste nach 120 Jahren all seine 270 Mitarbeiter entlassen.

Der Metallbaubetrieb aus Baden-Württemberg hat einen bedeutenden Kunden verloren
Foto: privat
Die wechselvolle Geschichte der Firma
Die Wurzeln von Franz Ott reichen zurück bis 1850, als im Stadtteil Inneringen die Schlosserei Ott die Arbeit aufnahm. Nach dem Zweiten Weltkrieg spezialisierte sich das Unternehmen auf Dekorations- und Geschenkartikel.
Große Versandhäuser in Deutschland und der Schweiz nahmen die Produkte ins Sortiment. 1986 wurde auf Lohnfertigung für andere Betriebe umgestellt.